Bewerber machten Rückzieher: Augenarztstelle in Zwettl ab April unbesetzt
ZWETTL. Das in der letzten Zeit vielfach diskutierte Thema Ärztemangel schwappt nun auch auf Zwettl über, wie eben im Zuge einer Pressemeldung bekannt wurde. Eine Augenarztstelle in der Bezirkshauptstadt ist ab 1. April unbesetzt.

Für die Zwettler Augenärztin Elena Rosenauer, die den Vertrag vor einiger Zeit gekündigt hat und noch bis Ende März tätig ist, wird ein Nachfolger gesucht. Für die Nachbesetzung der ausgeschriebenen Augenarztstelle mit Kassenvertrag in Zwettl sah es zunächst gut aus, hieß es in der Aussendung. Doch die zwei Bewerber, die sich in einem Hearing den Vertretern der NÖ Ärztekammer und der NÖ Gebietskrankenkasse stellen sollten, machten in letzter Minute einen überraschenden Rückzieher. „Die Gründe für Absage sind nicht bekannt“, gibt Birgit Jung, Pressesprecherin der Ärztekammer NÖ auf Tips-Anfrage Auskunft. Für Christoph Reisner, Präsident der NÖ Ärztekammer, ist dies nichts Ungewöhnliches: „Gerade weil dieser Verlauf für die aktuelle Situation bezeichnend ist, müssen wir rasch reagieren, denn mit 1. April ist eine weitere Kassenarztstelle unbesetzt. Wir haben daher unverzüglich mit der NÖ Gebietskrankenkasse Kontakt aufgenommen, damit wir die Stelle sofort neu ausschreiben können. Glücklicherweise hat uns die Kasse ohne Verzögerung den Ausschreibungsauftrag erteilt. Damit können sich ab sofort interessierte Augenärzte für die offene Stelle in Zwettl bei der NÖ Ärztekammer bewerben.“
17 Kassenstellen unbesetzt
Insgesamt sind damit niederösterreichweit 17 Kassenstellen ausgeschrieben. Die Bezirke Krems und Neunkirchen suchen jeweils drei Allgemeinmediziner, der Bezirk Mistelbach sucht zwei Allgemeinmediziner und die Bezirke Bruck an der Leitha, Korneuburg, Scheibbs und Waidhofen an der Thaya jeweils einen. Der Bezirk Bruck an der Leitha sucht zusätzlich einen Kinderarzt, der Bezirk Gänserndorf einen Kinderarzt und einen Psychiater sowie Lilienfeld ebenfalls einen Psychiater. Seit heute kommt nun noch die Augenarztstelle in Zwettl hinzu.
„Wir wissen nicht wirklich, woran es liegt“, meint Pressesprecherin Birgit Jung, angesprochen auf die Nachfolge-Problematik. Die Pensionierungswelle würde erst in den nächsten fünf Jahren ihren Höhepunkt erreichen. Allerdings gehen viele Ärzte ins Ausland, soviel wäre gewiss. Und die stetig neuen Auflagen rund um Hygieneverordnung, Registrierkasse und Co stellen mit Sicherheit eine hohe Belastung dar. „Mehr Bürokratie bedeutet auch weniger Zeit für Behandlungen, das könnte für den einen oder anderen Arzt durchaus ein Grund sein, einer eigenen Ordination den Rücken zu kehren“, schließt Birgit Jung.


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