Bürgermeister Mold im Interview: „Möchte Miteinander fördern“
Zwettl. Am 9. Oktober 2018 wurde VP-Landtagsabgeordneter Franz Mold offiziell zum neuen Bürgermeister der Stadtgemeinde Zwettl bestellt. Ein Gespräch über die ersten Wochen im Amt, über die Innenstadt, Visionen für Zwettl und über Diplomatie.

Tips:Wie haben Sie die ersten Wochen im Amt erlebt?
Mold: Als sehr interessant. Gleich nach der Wahl habe ich um sechs Uhr morgens begonnen, alle Mitarbeiter zu besuchen, vom Bauamt, der Kläranlage bis hin zum Stadtamt. Die Rückmeldungen und Reaktionen waren durchwegs positiv und sehr interessant. Mittlerweile sind auch viele Geschäftsleute oder Vereinsobmänner vorbeigekommen, um vorstellig zu werden. Was ich bereits gemerkt habe: dass mit dem Bürgermeisteramt noch viel mehr Aufgaben verbunden sind, als ich vielleicht als Stadtrat dachte.
Tips:Wie würden Sie Ihre Politik als Bürgermeister beschreiben?
Mold: Ein wesentliches Ziel von mir ist es, die Zeit nicht nur im Amt zu verbringen, sondern letztlich bei den Menschen vor Ort zu sein. Ich habe bereits begonnen, die Betriebe zu besuchen. Zudem möchte ich auch mit jedem unserer Vereine den Kontakt aufnehmen. Ein Anliegen ist es mir auch, das Verhältnis zu den im Gemeinderat vertretenen Parteien zu intensivieren. Ich möchte sie zukünftig mehr einbinden und das Miteinander fördern. Auch wenn wir nicht immer einer Meinung sein werden, sonst wären wir nicht in verschiedenen politischen Gruppierungen. Aber ich finde es wichtig, mehr miteinander zu reden, damit kann man manches schon von vornherein auflösen.
Tips:Was sind die nächsten Projekte, die nun realisiert werden?
Mold: Bis nächstes Jahr Februar wird von Experten ein Verkehrskonzept für die Innenstadt erarbeitet und präsentiert, bei dem auch die Bevölkerung miteingebunden wird. Ein wichtiges Vorhaben ist weiterhin Bauland zu mobilisieren, sowohl für Betriebe in der Stadt als auch für den Hausbau in den Dörfern. Ganz wichtig ist es, neben bestehenden auch weitere Betriebe in Zwettl anzusiedeln - Bemühungen in diese Richtung werde ich auf jeden Fall unternehmen.
Tips:Der Leerstand in der Zwettler Innenstadt ist seit vielen Jahren präsent, wie schafft man einen Anreiz, um wieder mehr Leute in die Innenstadt zu locken?
Mold: Hier war und ist Vizebürgermeister Hannes Prinz in den letzten Jahren sehr bemüht, mit den Hausbesitzern ins Gespräch zu kommen, denn Anfragen rund um Vermietung gäbe es ja. Es hat sich leider sehr wenig bewegt bis jetzt. Was meiner Meinung auch wichtig wäre - mehr Wohnungen zu schaffen, dann würden auch mehr Menschen das Angebot in der Innenstadt nutzen. Veranstaltungen und Aktivitäten die der Belebung dienen, könnten sicher intensiviert werden. Es sind alle herzlich eingeladen, hier ihre Ideen einzubringen.
Tips:Das geplante EKZ wird von ÖVP-Seite immer als „Innenstadtmotor“ propagiert, wie sehen Sie das?
Mold: Ich bin in der Hinsicht kein Fachmann, die Meinungen fallen jedenfalls sehr unterschiedlich aus, auch unter den Geschäftsleuten. Letztlich kommt es drauf an, wie der Betreiber des EKZ werbetechnisch versucht, die Innenstadt miteinzubinden. Und was letztendlich dort an Lokalitäten und Geschäften kommt. Hier haben wir als Gemeinde ja kein Mitspracherecht. Fakt ist: Das Land hat die Umwidmung genehmigt, jetzt ist der Investor am Zug. Und die Bezirkshauptmannschaft, wo das Genehmigungsverfahren aufliegt.
Tips:Was ist Ihre Vision für Zwettl, um die Bezirkshauptstadt nachhaltig wirtschaftlich voranzubringen?
Mold: Wo wir in der Region Zwettl stark sind, ist der Bereich Gesundheit und Rehabilitation, es gibt vergleichbar wenig Gebiete in Österreich mit so viel Angebot. Das könnte man noch ausbauen. Außerdem wäre es ein Traum, wenn in zehn, 20 Jahren niemand mehr abwandern muss, um sich beruflich entwickeln zu können. Im Bereich Facharbeit und Handwerk haben wir mittlerweile mehr Arbeitsplätze als Arbeitskräfte, beim Ausbau von regionalen Arbeitsplätzen für Maturanten und Akademiker sehe ich allerdings noch großen Verbesserungsbedarf, damit uns solch qualifizierte Arbeitskräfte nicht abhandenkommen – Stichwort Dezentralisierung, Co-Working Spaces oder Homeoffice.
Tips:Neben dem Ausbau von Straßen ist das Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln eher bescheiden, wie will man das vorantreiben?
Mold: Zwettl selbst ist mit dem Stadtbus sehr gut bedient. Was die Anbindungen betrifft, verwende ich gerne den Ausspruch von Landesrat Schleritzko: Der öffentliche Verkehr im Waldviertel braucht die Straße als Grundlage, weil hauptsächlich nur Busse den öffentlichen Verkehr ausmachen. Das Busnetz soll auf jeden Fall weiter optimiert und verbessert werden, daran wird aktuell gearbeitet. Die Frage nach der Bereitschaft, diese anzunehmen, die bleibt allerdings.
Tips:Man kennt Sie als sehr diplomatischen Politiker, wo liegen Ihre Stärken und Schwächen?
Mold: Ja, sogar meine Lebensgefährtin meint, dass ich diplomatisch bin (lacht). Ich glaube ich kann gut auf Menschen zugehen. Mir ist Ehrlichkeit privat als auch in der Politik sehr wichtig. Man kann wahrscheinlich als Politiker nicht immer alles sagen, aber mir ist es wichtig, nichts Falsches zu sagen. Wahrscheinlich bin ich auch einer, der mit seiner Meinung nicht gleich wo reinplatzt, ich höre zuerst zu.
Tips:Was macht das Bürgermeisteramt herausfordernd?
Mold: Als Landtagsabgeordneter ist man lange nicht so angreifbar wie als Bürgermeister. Auch ist man der erste, der zur Verantwortung gezogen wird. Ich persönlich finde es wichtig, als Politiker einen Zivilberuf zu haben - in dem Sinne, dass man nicht ausschließlich von der Politik abhängig ist. Das ist mit ein Grund, warum ich die Landwirtschaft bestehend aus Erdäpfeln, Getreide und Wald weiterführen möchte, obwohl ich zugegebenerweise noch nicht weiß, wie ich das organisiere. Aber ich war schon immer gerne Bauer, außerdem fallen mir beim Traktorfahren die besten Ideen ein.


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