Im Interview: Als ehemaliger Gewichtheber macht sich Herbert Kraus für die SPÖ stark
ZWETTL. SPÖ-Bezirksparteichef Herbert Kraus steht im Wahlkreis an dritter Stelle auf der Liste zur Nationalratswahl. Den aus Vösendorf stammenden SPÖ-Bezirksvorsitzenden hat 2012 die Liebe nach Arbesbach verschlagen, wo er mit seiner Lebenspartnerin Elisabeth wohnt.

Einen Bezug zum Waldviertel hat er schon immer gehabt, sein Großvater stammt aus Hirschbach und auch in Zwettl hat er Verwandtschaft. Früher war er Gewichtheber in der Bundesliga Vösendorf, jetzt macht er sich hauptsächlich nur mehr für die SPÖ stark. „Das körperliche Gewicht war früher besser verteilt, jetzt zentriert sich alles mehr“, scherzt Herbert Kraus.
Tips:Wie sind Sie in die Politik gekommen?
Kraus: Ich bin in einer sozialdemokratischen Familie aufgewachsen. Mein Vater war SPÖ-Gemeinderat in Vösendorf und im Sozialdemokratischen Wirtschaftsverband. 1988 habe ich die erste Arbeit in diesem Verband übernommen, wo ich seit 2014 Vizepräsident im Bezirk Zwettl bin. 2015 habe ich im Zuge der Wirtschaftskammerwahl Werbung für den Wirtschaftsverband gemacht. Da ist die SPÖ auf mich aufmerksam geworden und hat mich gefragt, ob ich für den Gemeinderat kandidieren möchte. Die SPÖ hat ein Mandat dazugewonnen und so bin ich in dieses Amt gekommen. 2017 hat die ehemalige Bezirksvorsitzende Adelheid Ebner ihr Amt abgegeben und ich habe mich als Nachfolger darauf eingelassen.
Tips:Was würden Sie sich im Bezirk am allermeisten wünschen?
Kraus: Mehr Rot natürlich. Dass wir für den Bezirk mit dem öffentlichen Verkehr weiter kommen. Der erste wichtige Schritt wäre, dass man von Schwarzenau mit dem Zug wieder nach Zwettl fahren kann. Das wäre eine ganz wichtige Geschichte für mich. Es fahren zwar mehr Busse, aber es wirkt in Wirklichkeit nicht. Ein großes Problem ist die „Zersiedelung“. Viele Orte sind ans Verkehrsnetz nicht angeschlossen. Wenn man eine Semmel oder einen Liter Milch kaufen will, braucht man ein Auto. Das wird zum Problem, wenn man älter wird. Zumindest ein Shuttlebus, der in die Hauptortschaften fährt, sollte kommen. In Zeiten des Klimawandels gehört des Öfteren das Verkehrsnetz ausgebaut und zwar zu einem guten Preis für die Nutzer. Deshalb bin ich auch gegen die CO2-Steuer, denn solange man nicht öffentlich fahren kann, darf man den, der das Auto braucht, nicht dafür bestrafen. Wenn eine CO2-Steuer kommt, dann sollte sie es europaweit geben.Der Waldviertel-Autobahn stehe ich skeptisch gegenüber. Bis diese eröffnet wird, vergehen noch 30 Jahre, denn ob man sie dann noch braucht, ist fraglich. Es werden für Zwettl schnelle Lösungen gebraucht. Die wichtigsten Straße könnten dreispurig ausgebaut werden und das ohne großen Aufwand. Man müsste nur Geld in die Hand nehmen.Des Weiteren sollte der Ausbau eines schnelleren Internet kommen. Es gibt viele Ortsteile, wo es Leer-Verrohrungen gibt und auch Firmen im Waldviertel, die so einen Ausbau vornehmen. Man weiß wie es funktioniert, man müsste es einfach nur tun. Da würde man auch viele Arbeitsplätze schaffen und sich aufgrund des schnelleren Netzes mehr Firmen ansiedeln. Es gibt Ortschaften, wo nicht einmal das Handy funktioniert.Ich bin auch für eine Fachhochschule für Holzbau und Technik im Waldviertel. Die Firmen für Fertigteilhäuser wie Elk und Hartl suchen solche Leute. Die könnten dann gleich da bleiben und arbeiten. Beim „Kampcenter“ tut sich sowieso nichts, den Platz könnte man nützen und eine Schule in Zwettl würde mehr beleben als ein Einkaufszentrum - siehe Krems.
Tips:Thema Gesundheitspolitik: Was ist gut, wo gibt es Verbesserungsbedarf?
Kraus: Am Land herrscht oft Ärztemangel, der sicherlich behoben gehört. Gesundheitszentren wären erwünscht, wo sich mehrere Ärzte zusammentun. Konkrete Vorschläge von der SPÖ gibt es, wo auch Ärzte andere Ärzte anstellen können. Die Bezahlung für einen jungen Arzt muss passen. Im Waldviertel gibt es einen großen Bedarf. Dazu gehören auch Kindergärten und Horte, die wenige Schließtage hätten.
Tips:Mit welchen Parteien könnten Sie sich eine Koalition vorstellen?
Kraus: Was gar nicht geht, ist FPÖ. Mein persönlicher Lieblingspartner wären DIE GRÜNEN oder die NEOS. Wichtig ist eine Koalition, die links der Mitte ist. Eine Ibiza-Koalition brauchen wir nicht mehr. Es hat nur Verschlechterungen für die Arbeitnehmer gegeben - siehe Zwölf-Stunden-Tag oder Mindestsicherung und Abschiebung. Das ist grundsätzlich abzulehnen.
Tips:Zum Thema Arbeitsrecht. Die SPÖ fordert eine Vier-Tage-Woche und eine sechste Urlaubswoche ab dem 25. Dienstjahr ein. Bedeutet das nicht ein Defizit für Unternehmer?
Kraus: Ich bin selber Unternehmer. Ich habe ein Taxi-Unternehmen in Wien. Warum sollte jemand, der zum Beispiel auf Montage fährt keine Vier-Tage-Woche haben? Wenn jemand freiwillig zwölf Stunden arbeitet, ist das in Ordnung. Er darf aber nicht dazu gezwungen werden und dabei eine 60-Stunden-Woche rauskommen. Zur sechsten Urlaubswoche: Heute ist keiner ewig in einer Firma. Es wird oft gewechselt. Wenn eine Leistung erbracht wurde und man älter geworden ist, braucht man auch längere Regenerationsphasen, das sehe ich bei mir selber. Man braucht ja nur schauen, wie das mit der Abfertigung neu geregelt wurde. So wie diese Regelung machbar war, ist auch das lösbar.
Tips:Was ist Ihnen zum Thema Umwelt wichtig?
Kraus: Da gibt es zwei Kriterien: Man sieht deutlich, dass man mit dem Käferbefall ein Problem hat. Man muss von Monokulturen auf Mischwälder umstellen. Die Klimaerwärmung ist da, das ist nicht zu leugnen. Und dann muss die kleinstrukturierte Landwirtschaft, wie Bio-Bauern, am Leben erhalten werden. Aus Südamerika wird genmanipulierter Mais importiert. Biobauern sind für uns das Wichtigste, das ist für mich ein Anliegen und ein Wunsch von mir.


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