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BEZIRK ZWETTL. Den Sommer über ein bisschen Geld verdienen wollte eine Schülerin aus dem Bezirk Zwettl und entschloss sich, als Hilfskraft in einem Gastronomiebetrieb im Burgenland zu arbeiten. Rund fünf der geplanten acht Wochen hatte sie bereits absolviert, als der Chef eines Tages mitten im Dienst die fristlose Entlassung aussprach.

  1 / 2   „Die Entlassung war unberechtigt, Der Frau war somit nicht nur die Urlaubsersatzleistung vorenthalten worden, sondern auch die ihr zustehende Kündigungsentschädigung", so Binder. Foto: Tips

Wieder zurück in Zwettl, wandte sie sich an die Arbeiterkammer-Bezirksstelle (AK). „Erst auf Nachfrage ließ sich in Erfahrung bringen, dass die Frau entlassen worden war, weil sie angeblich mehrmals deutlich zu spät zum Dienst erschienen sein soll“, sagt Jürgen Binder, Leiter der AK-Bezirksstelle Zwettl. Dabei, so gab die Schülerin an, sei vereinbart gewesen, dass sie mit einem Kollegen mitfahren könne, da sie noch keinen Führerschein besaß. An manchen Tagen hatte dieser dienstlich noch Erledigungen zu machen - daher die Verspätung. „Die Entlassung war unberechtigt, Der Frau war somit nicht nur die Urlaubsersatzleistung vorenthalten worden, sondern auch die ihr zustehende Kündigungsentschädigung“, so Binder.  Der ehemalige Arbeitgeber aber ließ nicht mit sich reden. Erst der Weg vor Gericht brachte der Zwettlerin die ihr zustehenden 1.000 Euro.

Bilanz 2019 - Bezirk Zwettl

  • Leistungen für die Arbeiterkammer-Mitglieder im Überblick
  • Beratungen: 3.516
  • Im Arbeits- und Sozialrecht eingebracht: 1,132.358 Euro
  • Davon Insolvenzvertretung: 130.288 Euro
  • Für die Mitglieder insgesamt erreicht: 1,405.744 Euro

Insgesamt hat die Bezirksstelle Zwettl im Vorjahr mehr als 1,4 Millionen Euro für Arbeitnehmer der Region erstritten, sagt der Bezirksstellenleiter: „Das umfasst sowohl die Steuersparwochen als auch den Konsumentenschutz. Am häufigsten gefragt war unsere Unterstützung bei Problemen am Arbeitsplatz und in sozialrechtlichen Fragen. Insgesamt wandten sich im letzten Jahr mehr als 3.500 Menschen an die Bezirksstelle Zwettl. Das zeigt, wie wichtig wir als regionale Anlaufstelle in allen Lebenslagen sind“, sagt Binder. Zahlreiche Veranstaltungen runden das Angebot ab. „Auch Schulen greifen immer öfter auf unser Know-how zurück und auch der Sprechtag zum Konsumentenschutz wird gern angenommen“ , zieht er Bilanz.

AK-Vizepräsident Fiala: Arbeiterkammer als starker Partner für alle Beschäftigten

56 Millionen Euro - so viel hat die AK Niederösterreich im Vorjahr für die niederösterreichischen Arbeitnehmer nach Problemen am Arbeitsplatz oder in sozialrechtlichen Fragen gesichert. „Es handelt sich hier um Geld, das den Betroffenen zusteht und das ihnen aus vielerlei Gründen vorenthalten wurde. Mit unserer Hilfe war es möglich, diese Summen für sie einzubringen, sagt AK Niederosterreich-Vizepräsident Michael Fiala. Jeder vierte Arbeitnehmer in Niederosterreich ließ sich von der AK beraten, rund 150 000 Beschäftigte in knapp 4.200 Fallen erreichte die AK Niederosterreich die Zahlung ausstehender Löhne und Gehälter, indem sie beim Arbeitgeber intervenierte. Für weitere knapp 1.800 niederösterreichische Arbeitnehmer musste die AK vor Gericht ziehen.

Im Arbeitsrecht betreffen die Anfragen in erster Linie finanzielle Ansprüche (Entlohnung unter dem Kollektivvertrag, falsch berechnete Abfertigungen) oder Probleme rund um Kündigungen sowie Urlaub. Im Sozialrecht geht es oft um Versicherungsansprüche (Krankenversicherung, Pensionsversicherung, Arbeitslosenversicherung). „Mit der Arbeiterkammer Niederosterreich haben alle Beschäftigten jederzeit einen starken Partner an ihrer Seite, der ihre berechtigten Ansprüche sichert und ihre Rechte vertritt“, so Fiala.

(Mehr) Pflegegeld: Für 80 Niederösterreicher vor Gericht

Ein großer Erfolg war die Pflegegeld-Beratung, die im vorigen Jahr deutlich ausgebaut wurde und nun landesweit durchgeführt wird. „Diese Leistungen haben knapp 300 Niederösterreicher in Anspruch genommen“, sagt Christian Farthofer, Kammerrat der AK Niederosterreich und ÖGB-Landessekretär. Für 80 Niederösterreicher zog die AK im Vorjahr vor Gericht, um eine höhere Pflegegeld-Einstufung einzufordern.

AK-Forderung umgesetzt: Bessere Kündigungsfristen für Arbeiter

Mit Beginn des nächsten Jahres kommt es im Arbeitsrecht zu einer gesetzlichen Verbesserung, die von AK und Gewerkschaft schon lange gefordert wurde und nun umgesetzt wird „Für die rund 260.000 Arbeiter gelten die gleichen Kündigungsfristen wie für Angestellte, so Farthofer. Im Regelfall bedeutet das eine Kündigungsfrist von sechs Wochen statt wie bisher 14 Tagen. Bei längerer Betriebszugehörigkeit verlängern sich die Fristen. Einzelne Kollektivverträge können auch bessere Lösungen vorsehen. Bereits Mitte 2018 ist mit der Angleichung bei der Entgeltfortzahlung eine langjährige Forderung endlich umgesetzt worden. Außerdem gilt die Entgeltfortzahlung auch bei einvernehmlichen Auflösungen.


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