Waldviertler Unternehmer blicken optimistisch in die Zukunft
WALDVIERTEL. Der Zwettler Werbprofiunternehmer Alexander Leutgeb hat eine anonyme Umfrage mit Waldviertler Unternehmen durchgeführt. Darunter 27 Betriebe aus dem Bezirk Zwettl und 19 Gmünder Unternehmen. Im Rahmen dieser Untersuchung wurden insgesamt 102 Betriebe aus dem Waldviertel über ihre individuelle Krisenwahrnehmung befragt.

Zuallererst wurde festgestellt, dass die Hälfte der Unternehmer die Maßnahmen der Bundesregierung, die mit 16. März 2020 in Kraft traten, voll und ganz unterstützen, nur ein kleiner Teil beurteilt diese als teilweise oder komplett überzogen.
Krisenwahrnehmung
Im Durchschnitt rechnen die Verantwortlichen aus den Waldviertler Unternehmen mit einem Umsatzrückgang von 42 Prozent für den Zeitraum April bis Juni sowie mit einem Rückgang von 25 Prozent für das gesamte Wirtschaftsjahr, jeweils im Vergleich mit denselben Vorjahreszeiträumen. Nur ein kleiner Teil (7 Prozent) der heimischen Betriebe zeigt sich fast gar nicht betroffen und erwartet einen Rückgang im Jahresumsatz von maximal 5 Prozent. Die Situation ist somit eine Herausforderung für nahezu alle Unternehmen und dies größen- und branchenunabhängig.
Erste Reaktionen
Diese Situation kam für die Verantwortlichen unerwartet und in erster Linie waren es die eigenen Mitarbeiter und Steuerberater, die miteinbezogen wurden, um die Herausforderung zu meistern. In vielen Fällen wurde auch die Familie dabei involviert, wie es im ländlich geprägten Raum mit einer Vielzahl an Familienunternehmen, gebräuchlich ist. Ebenso wurden Wirtschaftskammer und Arbeitsmarktservice während der ersten Tage von knapp der Hälfte der Unternehmen als hilfreich empfunden.
Positive Überbrückungsfinanzierung
In knapp zwei Drittel der Waldviertler Betriebe wurden unmittelbar Maßnahmen zur Sicherung der Liquidität eingeleitet, wobei hier vor allem die Zufuhr von Eigenkapital sowie Stundungen und die bekannte Überbrückungsfinanzierung positiv bewertet werden. Der ebenso bekannte Antrag zum „Härtefallfonds“ dient nicht zur Erhaltung der Liquidität, sondern zur Deckung der Lebenshaltungskosten von Unternehmern und wurde daher auch nicht als hilfreich im Sinne dieser Untersuchung beurteilt.
Personelle Herausforderung
Als weitere bekannte Maßnahme gilt das Modell der „neuen Kurzarbeit“, welches ebenso von zwei Drittel der Unternehmen in Anspruch genommen wurde. Dennoch empfanden einige Unternehmen in manchen Bereichen eine personelle Unterdeckung: Mehr als ein Drittel der Befragten hatte das Problem, dass Mitarbeiter nicht zum Arbeitsplatz kommen konnten, obwohl es etwas zu tun gab. In den meisten Fällen ist dies mit Beschäftigten aus dem Ausland zu erklären. Rund 40 Prozent jener Betriebe, die vor dem 16. März noch auf der Suche nach Lehrlingen waren, haben diese Suche minimiert oder sogar eingestellt.
Blick in die Zukunft
Zwei Drittel der Unternehmen rechnen damit, dass sie Kunden und Lieferanten verlieren, weil diese die Situation „wirtschaftlich nicht überleben werden“. Fast die Hälfte aller Unternehmen wird interne Abläufe optimieren und Ein- beziehungsweise Auszahlungen genauer planen. Ebenso liegt ein Fokus auf Lieferanten aus der Region. Ausgaben in den Bereichen Sponsoring und Werbung werden hingegen gekürzt. Ein Drittel der Unternehmen glaubt, dass schon in drei bis sechs Monaten wieder „Normalität“ einkehrt, die Hälfte geht von zwölf Monaten aus.
Abschließende Beurteilung
80 Prozent der Unternehmen gehen davon aus, dass das Waldviertel diese Krise besser oder zumindest gleich gut übersteht wie andere Regionen. Vor allem im Tourismus werden für das Waldviertel Chancen erkannt. Alle Unternehmen mit international vernetzten Wertschöpfungsketten, und dies vor allem im Investitionsgüterbereich, sind in gewissem Ausmaß aber davon abhängig, wie schnell das „internationale Hochfahren“ funktioniert.
Regionaler Konsum ist jetzt wichtig
Für Unternehmen mit hauptsächlich regionalen Lieferanten und Kunden kann die Empfehlung ausgesprochen werden, geplante und vorerst pausierte Investitionen nach Möglichkeit wieder aufzunehmen. Zudem ist es wichtig, dass alle Waldviertler ehestmöglich in einem Ausmaß konsumieren, das an das Vorkrisenniveau herankommt. Es muss verhindert werden, dass das Angebotsvakuum zu einer Nachfragekrise wird. Regionale Investitionen und regionaler Konsum sind die wichtigsten Elemente, um als Region bald und eventuell gestärkt aus dieser Krise hervorzukommen.


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