Rund 550 Ratschenkinder bezirksweit im Einsatz
BEZIRK ZWETTL. Ehe man sich versieht, steht das Osterfest vor der Tür. Zahlreiche Bräuche sind in dieser Zeit verankert und manche werden auch heute noch von Groß und Klein liebevoll gepflegt. Wie etwa das Raschen, rund 550 Kinder und Jugendliche sind heuer im Bezirk Zwettl im Einsatz, um ihre Ratschen zu schwingen, schätzt die Diözese St. Pölten.

Am Gründonnerstag fliegen die Glocken nach Rom, so sagt man. Dafür gehen die „Ratscherbuam“ durch den Ort und geben die Gebetszeiten an. Folgende oder so ähnliche Sprüche waren - und sind zum Teil auch heute noch dabei zu hören: „Wir ratschen, wir ratschen den Englischen Gruß, den jeder katholische Christ beten muaß. [...“ „Und fallet ihr nieder auf euere Knie und betet mit Andacht das Ave Marie“. Früher wurde bereits am Gründonnerstag um sechs Uhr, elf Uhr, zwölf Uhr und sechs Uhr abends geratscht, sowie am Karfreitag um neun Uhr vormittags (Todesangst Christi), um sich dann am Karsamstag (Rückkehr der Glocken beim Hochamt) den verdienten Lohn – meist Geld und Eier – abzuholen.
Von „Antlaßeiern“ – jene Eier, die die Hennen am Gründonnerstag legen und denen man besondere Kräfte zuspricht, dem Karfreitag als Trauer- und strenger Fasttag, der Osternacht - „der Nacht der Nächte“ im christlichen Kirchenjahr, bis hin zum Ostersonntag, wo die Speisen geweiht werden und sich vor allem die Kleinsten auf die Ostergaben freuen - rund um das christliche Osterfest sind auch heute noch viele Brauchtümer bekannt. Im Gegenzug dazu sind die Vielzahl an alte Mythen und Weisheiten, die sich sich um das Fest ranken, schon vielfach in Vergessenheit geraten, wie jene: Waschen sich Mädchen am Ostersonntag vor Sonnenaufgang das Gesicht mit Tau, so werden sie besonders schön. Auch das Stubeauskehren vor Sonnenaufgang wird an diesem Tag empfohlen und zwar beim Ofen beginnend zum Fenster hin. Den Kehricht soll man dann auf den Misthaufen des Nachbarn tragen, mit dem man sich nicht so gut versteht. Er wird in diesem Jahr viele Flöhe haben, während man selbst von diesen Quälgeistern verschont bleibt. Bei dieser Tätigkeit darf man sich aber niemals umsehen, so schreibt Friedel Moll in der Zeitschriftenreihe „Das Waldviertel“ über die Brauchtümer im Bezirk Zwettl.


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