„Tatort“ Krems: Zu Gast beim „falschen“ Hofrat
KREMS/KOTTES. Vielleicht kommt er dem einen oder anderen bekannt vor? 17 Jahre lang schlüpfte Gerhard Dorfer in die Rolle des Hofrat Putner im österreichischen Tatort, namhafte Serien folgten. Auch das Theater zog ihn seit jeher in seinen Bann. Dabei waren seine beruflichen Anfänge auf den „Brettern, die die Welt bedeuten“, alles andere als leicht. „Hindernisse sind ein Parameter dafür, wie wichtig einem das Ziel ist“, ist Dorfer überzeugt, er hat seinen Traum jedenfalls nie losgelassen. Warum er zum Waldviertel, speziell zur Gemeinde Kottes, eine ganz besondere Verbindung pflegt - Tips hat mit ihm gesprochen.

Es ist fast ein bisschen wie Urlaub, hier auf der Terrasse bei Gerhard Dorfer. Zu Füßen liegt Krems/Stein, die blühende Natur mit ihren Weinbergen und die Donau. Hier genießt der Schauspieler freie Stunden oder lernt seinen Text. Gerade trat er bei den Sommerspielen Schloss Sitzenberg in der Komödie „Olympia“ als Onkel Albert auf. Eine alterslose Rolle, wie er schmunzelnd meint. „Den Onkel habe ich schon als ganz junger Schauspieler schon vor 52 Jahren gespielt. Heute bin ich altersmäßig richtig besetzt.“
Auch mit 77 Jahren gehöre er nicht zu denen, die sich zurücklehnen, immerhin könne er sich noch den Text merken und sich auf der Bühne halbwegs fortbewegen und das Wichtigste, es mache noch immer Spaß.
Klarer Berufswunsch
1939 in Wien zur Welt gekommen, „ich bin im Frieden gezeugt und im Krieg geboren worden“, erlebte Gerhard Dorfer die Kriegs- und Nachkriegszeit als eine sehr prägende Phase. „Ich bin herumgerannt zwischen den Bombentrichtern, wo die toten Pferde drinnen lagen, die Verwundeten sind herumgehatscht, es waren chaotische Verhältnisse, aber ein Kind sieht das ja mit anderen Augen“, erinnert sich der Schauspieler. Bilder wie diese haben sich eingeprägt, Kriegsberichte nimmt er mit einer gewissen Beklommenheit wahr. Wie viele andere unterernährte Kinder wurde er im 46er Jahr nach Holland geschickt, um dort aufgepäppelt zu werden.
Der Gedanke, auf der Bühne beruflich Fuß zu fassen, kam ihm bereits recht früh. In der besten Absicht nahmen ihn seine Eltern damals, Anfang der 50er Jahre, mit in das Burgtheater. Die dort aufgeführte Felsenstein-Inszenierung der „Räuber“ von Schiller hat ihn derart beeindruckt, dass ihm klar wurde: „Das würde ich gerne machen.“ Die Eltern nahmen das zur Kenntnis, in der Meinung, dass sich die Euphorie bald wieder legen würde. „Aber da haben sie mich unterschätzt.“ Zwar gab es Versuche, ihn in einem bürgerlichen Beruf unterzubringen, diese scheiterten.
„Meine Familie gibt mir den Rückhalt“
Nebenbei besuchte Gerhard Dorfer bereits die Schauspielschule, lernte seine zukünftige Frau, Ilse Spritzendorfer, eine gebürtige Ottenschlägerin, kennen und lieben. Der älteste Sohn kam zur Welt, erste Theaterengagements folgten in Stuttgart, Baden, Bamberg, Frankfurt und schließlich ein siebenjähriger Aufenthalt an renommierten Theaterhäusern in Zürich. Dort wurde der zweite Sohn geboren, Dominik. Seine Frau, damals noch in das Pharmaziestudium vertieft, war, so gut es ging, an seiner Seite, für Gerhard Dorfer auch nicht unbedingt eine Selbstverständlichkeit. „Sie hat meinem Beruf sehr viel Verständnis und Interesse entgegengebracht, obwohl sie aus einer ganz anderen Branche kommt. Sie hat mich stets unterstützt und war bei jeder Premiere, das hat mir viel bedeutet“, zeigt sich der 77-Jährige dankbar. Denn dieser Rückhalt, der den Einklang von Beruf und Familie ermöglichte, habe aus ihm einen glücklichen und zufriedenen Menschen gemacht.
30 Jahre im Waldviertel
1977 ging es zurück nach Österreich, in das südliche Waldviertel, konkret in die Kotteser Katastralgemeinde Teichmanns, wo sie 30 Jahre lang bleiben sollten. Ilse Spritzendorfer übernahm zeitgleich die Apotheke in Ottenschlag. 1980 kamen noch Zwillinge hinzu, „da waren die vier Buben beieinander“.
Die Rolle seines Lebens
„Ich hatte dann das Glück, in eine große Fernsehproduktion zu kommen, den Tatort.“ 17 Jahre und gut 30 Folgen lang, spielte er an der Seite von sämtlichen Schauspielgrößen die Rolle des Hofrat Putners. „Das hat mich lange Zeit verfolgt, sogar die Taxler haben mich damals mit Herr Hofrat angesprochen. Ich bekam also automatisch einen Titel“, grinst Dorfer.
Sich anfangs selbst im Fernsehen zu sehen, sei schon ein merkwürdiges Gefühl. „Man beobachtet sich ja doch eher kritisch, das ist schon ein Wechselbad der Gefühle.“ Neben seinem Engagement im Theater, unter anderem in der Josefstadt, wirkte er ab den 80ern in weiteren TV-Produktionen mit. „Es gibt, glaube ich, wenig österreichische Serien dieser Zeit, wo ich nicht zumindest mal als Gast aufgetreten bin“, fasst Dorfer zusammen. Von „Schlosshotel Orth“, über „Kaisermühlen Blues“, und „Vier Frauen und ein Todesfall“, bis hin zu „Julia – eine ungewöhnliche Frau“ mit Christiane Hörbiger oder „Die Lottosieger“ mit Brigitte Neumeister.
Liebend gerne würde er mal mit Woody Allen zusammenarbeiten, „und wenn ich nur hinten durch das Bild flitzen könnte, wäre das ein Traum“, lacht Dorfer, der es grundsätzlich viel interessanter findet, einen bösen Charakter darzustellen.
Noch viel vor
Pläne hat er noch viele im Hinterkopf, „ich sehe mich eigentlich nicht als Pensionist, ich mache so viel, dass dieser Gedanke nicht wirklich aufkommt“. Neben dem Schauspielern halten ihn seine sechs Enkelkinder auf Trab, die nächsten Reisen sind bereits gebucht. Sein Motto: immer in Bewegung zu bleiben, „irgendwo hinter dem Ofen zu sitzen und zu jammern, das bringt nichts“.
Auch wenn er nun seit etlichen Jahren in Krems wohnhaft ist, mit seiner langjährigen Heimat rund um Kottes ist er nach wie vor sehr verbunden, hat er doch sein ehemaliges Zuhause in Teichmanns seinem Sohn überschrieben. „Ich liebe die Landschaft und die Menschen im Waldviertel, auch wenn sie manchmal schwer zugänglich und schweigsam sind, aber nicht falsch verstehen, das finde ich gut.“ Man wird nicht Waldviertler, wenn man nicht dort geboren ist, zwar werde man akzeptiert, aber nicht einheimisch, so Dorfer. Das empfinde er aber nicht als störend oder gar ablehnend, im Gegenteil: „Ich bin verliebt in das Waldviertel“, und das wird er demnächst wieder mit seiner Frau besuchen.


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