Jungautorin Bernadette Krauskopf: „Ich schreibe mit meinen Augen“
ZWETTL. Dieses Portrait handelt von einer jungen Autorin, namens Bernadette Krauskopf. Die 31-Jährige hat 2015 ihr erstes Buch „Die Geschichten von Rolf Rolli“ veröffentlicht, etwas, das nicht jeder von sich behaupten kann. Zudem kommt noch: Berni hat die Diagnose „Athetose mit spastischer Komponente“ und kann sich ohne technische Hilfsmittel nur nonverbal ausdrucken. Ihre zwei großen Wünsche: Eine Delphintherapie und dass man sie ihrem Alter gemäß behandelt.

„Hallo mein Name ist Bernadette Krauskopf. Ich habe dieses Buch geschrieben, ich sitze in einem Rollstuhl und kann nur mit meinen Augen schreiben. Ich habe einen Computer, der mir hilft, meine Geschichten zu Blatt zu bringen. Mein Buch handelt von einem jungen Burschen, der auch in einem Rollstuhl sitzt und Abenteuer erlebt...“ Bereits vor meinem Besuch bei ihr in der Gesellschaft für ganzheitliche Förderung und Therapie in Zwettl hat Berni einen Text vorbereitet. Dazu bedient sie sich ihres Tablets, an dessen Bildschirm unterhalb eine externe Augensteuerung angebracht ist. Genau auf die richtige Höhe eingestellt, fixiert Berni im Textmodus nun Buchstabe für Buchstabe mit den Augen, langsam formieren sich so Wörter und Sätze. Die Computerstimme gibt jede Eingabe von Bernadette wieder.
Ein Stück Selbstständigkeit
Für mich als Außenstehende wirkt das Verfahren sehr mühsam, für die 31-Jährige ist diese augengesteuerte Technik allerdings ein enormer Fortschritt, es gibt ihr ein Stück Selbstständigkeit zurück. Denn vor diesen Errungenschaften gab es lediglich eine Liste, auf der das Alphabet verteilt war. „Ich zeigte immer auf die Reihen, Berni signalisierte mir durch Kopfnicken Zustimmung und dann hantelten wir uns weiter durch die verschiedenen Buchstaben“, erklärt ihre Betreuerin Tamara die vorhergehende Ausdrucksweise. „Aber das hier ist nun viel besser oder Berni?“ Diese bejaht durch begeisterte Laute. Denn so kann sie selbstständig E-Mails verfassen, Fotoarchive verwalten oder aber diverse Spiele spielen. Wie eben Mahjong, dass sie eindrucksvoll vorführt.
Gezielt öffnet sie die virtuelle Variante des alten Brettspiels und führt gekonnt einen Spielzug nach dem anderen durch. Und bricht ob des Spielerfolgs in Sekundenschnelle in spürbare Begeisterung aus. Und so wird auch mir zunehmend klar, welch großen Stellenwert das augengesteuerte Tablet für Berni hat.
Ohne viel Worte
Betreuerin Tamara und Bernadette verstehen sich mittlerweile auch ohne viele Worte, das Tablet ist, was ihre zwischenmenschliche Kommunikation betrifft, beinahe unnötig. Tamara ist seit zwei Jahren an Bernis Seite, sie zählt zu ihrer Bezugsbetreuerin und steht ihr demnach bei Problemen, Wünschen, Sorgen immer mit Rat und Tat zur Verfügung. Es scheint, als ob sie Bernis Gedanken von den Augen ablesen könnte. „Am Anfang habe ich auch nicht gewusst, wie ich sie am besten anreden soll, aber im Prinzip sollte man mit Berni kommunizieren wie mit jedem anderen auch und sie will das auch so.“ (Berni wird laut).
„Viele verstehen nicht, dass sie schon 31 Jahre ist und genauso denkt wie eine junge Erwachsene. Man darf sie geistig nicht unterschätzen, sie ist ein Wiffzack, sie weiß was sie will und bringt das auch zum Ausdruck.“ Betreuerin Tamara
Und in der Tat, nach kurzer Zeit kann man ihre Laute schon ein wenig deuten, ich stelle ihr klare Fragen, die sie durch Kopfnicken mit Ja oder Nein beantworten kann, zwischenzeitlich hilft auch das Tablet weiter - und unsere Kommunikation klappt.
Über ihr Buch
„2013 erlebte ich eine Zeit, die von Liebeskummer erfüllt war. In dieser Zeit suchte ich nach Ablenkung und begann mit dem Schreiben meiner Geschichten“, erzählt die junge Autorin. Wer derjenige war, in den sie unglücklich verliebt war, das bleibt allerdings ihr gut gehütetes Geheimnis.
Viel Kreativität, Fantasie und Lebensfreude stecken in den einzelnen Geschichten von Rolf Rolli, aber auch Alltagssituationen, die zum Nachdenken anregen, wie jene geschriebene Szene im Restaurant: „Auf dem Tisch sitzen zwei alte Leute. Sie flüstern etwas, aber ich kann sie verstehen. Sie sagen: „Schau, so ein armer Bursch! Der sitzt im Rollstuhl.“ Ich werde wütend, Papa fragt mich: „Was ist los?“ Ich schaue zu den zwei alten Leuten und erzähle ihm alles, was sie gesagt haben. Papa sagt zu mir: „Lass sie reden“ und schaut böse hinüber. Die alten Frauen bemerken das und schauen sofort woanders hin.“ Eine Szene, die sich Berni vom Herzen geschrieben hat - denn neben Erfundenem sind auch Geschehnisse aus ihrem Leben im Buch nachzulesen.
Stolze Tante
„Wenn wir in der Stadt spazieren gehen, sind es immer die Kinder, die auf sie zugehen, die Erwachsenen schauen meist weg“, meint Tamara. Beim Wort „Kinder“ bricht Berni in große Freude aus, stolz zeigt sie mir ein Foto von Oliver auf ihrem Tablet - sie ist heuer Tante geworden.
Größte Traum: Delphintherapie
Auch einen Blick in ihr Zimmer darf ich werfen: Mit dem seitlichen Knopf auf ihrer Kopfstütze holt sie sich ihre Kinnsteuerung herbei, mit dieser bedient sie die Fahrtrichtung und schon rollen wir los in ihre vier Wände. Auffällig: Überall in ihrem Zimmer sind Delphine zu finden - ihre Lieblingstiere. Ihr größter Traum: Eines Tages eine Delphintherapie zu absolvieren.
Und diesem Traum will sie mit dem Verkauf ihres Buches ein Stück näher kommen. Wer sie dabei unterstützen möchte: Das Erstlingswerk von Bernadette Krauskopf ist im Weltladen Zwettl, in der „Hütte“ in Moidrams sowie direkt in der Gesellschaft für ganzheitliche Förderung und Therapie in der Hamerlingstraße 20 (Kontakt: 02822/51390-158, Mo bis Fr: 16 - 18 Uhr) zu bekommen.
Bernadette macht sich nun einen gemütlichen Fernsehabend und ich fahre an diesem Tag mit dem Gefühl der Dankbarkeit nach Hause. Dankbar, dass ich eine solch lebensfrohe und humorvolle junge Frau kennenlernen durfte!


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