Schultes: "Höchste Zeit für Ausbau der Ernterisikoversicherung"
BEZIRK ZWETTL/GMÜND/WAIDHOFEN/HORN. Die tropische Hitze und extreme Trockenheit forderten ihren Tribut, dies bekamen vor allem die Bauern im Osten Österreichs zu spüren. Landeskammerpräsident Hermann Schultes fordert im Hinblick auf die Zukunft deshalb den Ausbau der Ernte- und Ertragsentgangsversicherung: „Jetzt muss gehandelt und passende Versicherungslösungen umgesetzt werden. Wir dürfen unsere Bauern nicht im Stich lassen. Die Bundesregierung soll daher dem Beispiel des Landes Niederösterreichs und jetzt auch Oberösterreichs folgen und wie im Regierungsprogramm vereinbart, einen Zuschuss zu Ertragsentgangsversicherungen umgehend umsetzen“.

Durch einen Prämienzuschuss bei Dürre- und Ernteentgangsversicherungen für Grünland sowie Ackerland soll die Teilnehmerquote an den Versicherungen erhöht werden. Für das Risiko Hagel besteht diese Möglichkeit bereits. Niederösterreich hat als erstes Bundesland 2015 nun einen Anreiz für einen Versicherungsabschluss geschaffen. Die Entschädigung für Versicherte aus der 2015 erstmals angebotenen und von der NÖ Landesregierung unterstützten Dürre-Index Versicherung im Grünland beläuft sich in weiten Teilen des Landes auf 200 bis 400 Euro/Hektar. Ab dem kommenden Jahr können auch oberösterreichische Landwirte auf die Unterstützung des Landes Oberösterreich zählen, so die Landwirtschaftskammer. „Restrisiko tragen die Bauern“„Die Auswirkungen des Klimawandels verlangen nachhaltig wirksame Maßnahmen. Erfreulicherweise haben wir mit der Hagelversicherung einen kompetenten Partner. Doch Versicherungen werden immer nur einen Teil des Risikos tragen können. Es gibt keine Vollkasko-Landwirtschaft. Das Restrisiko liegt bei den Bauern. Primär geht es also darum die Leistungen im Schadensfall zu verbessern und die versicherbaren Kulturen zu erweitern. Unsere Bauern dürfen nicht unverschuldet in ihrer Existenz gefährdet werden. Politische Marktordnungen werden europaweit eher abgebaut, die erzielbaren Preise in der Land- und Forstwirtschaft schwanken, so ist eine erweiterte Absicherung notwendiger denn je“, so Schultes abschließend.Stimmen zum ThemaObmann der Bezirksbauernkammer Horn Herbert Hofer spricht in Bezug auf Risikoversicherungen aus eigener Erfahrung: „Bei mir am Betrieb wird meine Versicherung auf rund 13 Hektar wirksam. Das ergibt für mich eine Entschädigungssumme von 4.600 Euro. Damit ist zumindest ein Teil meiner Fixkosten gedeckt. Natürlich ist es keine Vollkasko, sondern ein Sicherheitsnetz, um im Fall der Fälle nicht ganz ohne Entschädigung dazustehen. Leider waren im heurigen Jahr die Möglichkeiten im Grünland vielen Landwirten nicht bekannt.“Vereinigung Österreichische Stärkekartoffelproduzenten-Obmann Alfred Sturm geht bei den Stärkeerdäpfeln - mit dem Hauptproduktionsgebiet Waldviertel - von Ernteeinbußen zwischen 40 und 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr aus: „Es gibt bereits Versicherungsprodukte, die speziell auf Erdäpfel angepasst wurden. Doch die diesjährige extreme Witterung hat uns gezeigt, dass auch hier Verbesserungen notwendig sind und es ohne die Unterstützung durch die öffentliche Hand für unsere Betriebe sehr eng werden wird. Vor allem das Verhältnis zwischen den Prämien und der zu erwartenden Versicherungsleistung muss besser in Relation gesetzt werden.“Zuschüsse und Verbesserungen fordert auch Obmann Dietmar Hipp von der Bezirksbauernkammer Zwettl: „Das Land Niederösterreich hat mit dem Prämienzuschuss bei Ernteentgangsversicherungen einen wichtigen Schritt für die Zukunft unserer bäuerlichen Familienbetriebe gesetzt. Doch hier ist das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht, wie uns das heurige Jahr wieder bewusst gemacht hat. Nun geht es darum aus der Situation zu lernen und Verbesserungen sowie Anpassungen bei den Versicherungspaketen vorzunehmen, um das Risiko für unsere Bäuerinnen und Bauern zu verringern.“


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