Bundespräsidentschaftswahl: "Duell zwischen weltoffen und national“
BEZIRK ZWETTL. Es war auch im Bezirk eine klare Sache – die erste Runde der Bundespräsidentschaftswahl. Der freiheitliche Kandidat Norbert Hofer siegte regional auf ganzer Linie. Er hatte in allen 24 Gemeinden im Bezirk die Nase vorne, zum Teil mit beträchtlichem Abstand. Ebenso jubeln konnten die Grünen – „ihr“ Alexander Van der Bellen zieht neben Hofer heute, am 22. Mai, in die Stichwahl ein. . Dennoch bedarf es einer ordentlichen „grünen“ Aufholjagd, angesichts des Ergebnisses des ersten Wahldurchganges (siehe Tabelle).

Die große Ernüchterung nach der ersten Runde machte sich in den beiden Regierungsparteien SPÖ und ÖVP breit. Bisher handelte es sich bei den Präsidentschaftswahlen weitgehend um rot-schwarze Duelle. SP-Bezirksgeschäftsführer Josef Kromsian meinte zum schlechten Abschneiden von Rudolf Hundstorfer im Tips-Telefonat: „Es hat sehr geschmerzt das Endergebnis, mit dem habe ich nicht gerechnet. Ich bin überzeugt davon, dass es eine Protestwahl war.“ Worauf die rote Misere allerdings konkret zurückzuführen ist, das könne er kaum beantworten. In dasselbe Horn tönt auch der schwarze Bezirksparteiobmann und Landtagsabgeordnete Franz Mold. Er zeigte sich selbst überrascht vom eindeutigen Ergebnis Hofers sowie vom schlechten Abschneiden des VP-Kandidats Andreas Khol, der auch im „schwarzen“ Bezirk deutlich hinter den Erwartungen zurückblieb: „Ich glaube, dass die Kandidaten der Regierungsparteien für vieles, wo die Menschen unzufrieden sind, nun mehr oder weniger die Rechnung präsentiert bekommen haben.“ Was es für einen Aufschwung der Partei brauche? „Da fehlen mir momentan selbst die Antworten, wahrscheinlich sind es viele Dinge, mit denen ein Großteil der Leute nicht zufrieden ist“, resümiert Mold. Die geführte Debatte rund um personelle Veränderungen in der Bundes-SP kann Kromsian nicht ganz nachvollziehen, er sieht die Kritik an Werner Faymann als nicht berechtigt: „Was soll das bringen, wenn man einen Kopf austauscht? Viel wichtiger wäre eine inhaltlich klare Neupositionierung!“ (Anmerkung Redaktion: Die Interviews wurden bereits vor Werner Faymanns Rücktritt geführt)
„Blau-Grünes“ Duell
Und was sagt die (derzeitige) „Gewinnerseite“ im Bezirk? Beide waren sie überrascht vom eindeutigen Siegeszug Hofers in der ersten Runde, geben sowohl Andreas Piringer, Bezirkssprecher der Grünen, als auch Alois Kainz, Bezirksparteiobmann der FPÖ, gleichermaßen an. Piringer spricht in Bezug auf die Stichwahl nicht von dem vielzitierten Duell „rechts gegen links“, sondern vielmehr von einem Duell zwischen „weltoffen“ und „national“. „Hofer als Wolf im Schafpelz haben wir in diesem Zusammenhang ja schon öfters gehört“, so Piringer. Er bezeichnet Van der Bellen als „klassischen Mann der Mitte“, „den als linken Grünen zu bezeichnen, wäre wirklich vermessen.“ Sein Gefühl aus heutiger Sicht? „Es wird sehr darauf ankommen, wie sich die ÖVP bei uns heroben verhalten wird, zudem wird die Wahlbeteiligung eine große Rolle spielen.“ Auf Nachfrage gab Franz Mold übrigens gemäß der Bundes-VP keine Wahlempfehlung ab, im Gegensatz zu Josef Kromsian (SP), der eindeutig für Van der Bellen plädiert, da gäbe es nichts zu verheimlichen. Der freiheitliche Bezirksparteiobmann Alois Kainz sieht die heutige Stichwahl als Persönlichkeitswahl, wo nicht eine Partei sondern eine Person gewählt wird. Hofer machte beim ersten Durchgang seiner Meinung nach viele Pluspunkte mit „seinem besonnenen, ruhigen, sachlichen und sympathischen Auftreten und vor allem mit seiner ehrlichen Art.“ Und ergänzt: „Meiner Einschätzung nach wird es am 22. Mai zwar knapp für Hofer, aber das Ziel wird erreicht werden!“


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