Kampcenter versus Betonklotz: Wenn sich zwei Seiten treffen
ZWETTL. Drinnen im Foyer des Stadtsaals sprach man von einem coolen, lässigen Center mit Schwerpunkt auf Entertainment und Genuss, draußen redet man von einem „phantasielosen Einkaufszentrum“ (EKZ), oder einem zweiten Waidhofen an der Thaya. Heute, am 9. März, trafen die Befürworter und Gegner des geplanten Kampcenters in Zwettl zusammen: Während Projektbetreiber Consio zu einem öffentlichen Informationsnachmittag in den Stadtsaal lud, trafen sich draußen im Zuge einer Kundgebung all jene, die sich gegen die Realisierung aussprechen.

Was gibt es Neues in Bezug auf das Kampcenter? „Eigentlich nicht viel“, so die Projektverantwortliche Claudia Winkler-Widauer, die den Status quo gemeinsam mit Verkehrsplaner und Architekten präsentierte. Der Antrag auf Umwidmung wurde gestellt, die Pläne und das Konzept sind bereits bekannt: Die Schwerpunkte liegen auf Genuss und Entertainment während das Einkaufen nur eine untergeordnete Rolle spielen soll. Auch am Boulder- und Bowlingcenter wird festgehalten, auch wenn das auf den Plänen noch nicht ausgewiesen ist. Potentielle Mieter können zu diesem Zeitpunkt noch nicht genannt werden nur so viel: „Es gibt etliche Anfragen von interessierten Gasthäusern, viel positives Feedback, es findet Anklang.“ Eine gute Mischung solle es werden, wo man auf lieber auf kleine Boutiquen als auf große und schon überall vorhandene Ketten setzt. „Wir wollen etwas Cooles, Lässiges, wir sind offen für Anregungen, es wächst mit den Ideen“, so Winkler-Widauer.
Verkehrskonzept
Verkehrsplaner Klaus Grulich eröffnete das geplante Verkehrskonzept für die Stadt: So werde demnach mit einer Brücke als Zufahrt eine direkte Anbindung von der B 38 im Bereich der Feuerwehr zum Kampcenter geschaffen. Angedacht ist eine Ampelanlage auf der B38, die den Zustrom regeln soll. Unter anderem soll die Gartenstraße – verkehrsberuhigt – und als Einbahn – weitergeführt werden. Eine weitere Einbahnregelung betrifft die Syrnau-Brücke stadteinwärts. Die Kosten für diese Maßnahmen können noch nicht abgeschätzt werden, Investor Frasl werde aber – was die Brücke betrifft - auf jeden Fall zur Kasse gebeten, so Vizebürgermeister und Wirtschaftsstadtrat Johannes Prinz (VP). Ein Hauptaugenmerk liegt auf der Attraktivierung des Fußweges Schulgasse, betont Prinz. Wie auch Prinz ist Winkler-Widauer davon überzeugt, „dass das EKZ eine Befruchtung für die Innenstadt darstellt“, und bezieht sich auf Melk, als ein positives Beispiel für ein solches Zusammenspiel.
Gegenwind von draußen
Draußen, vor der Stadtsaaltür, befürchtet man seitens der „Initiative Zwettl 2020“ viel mehr, dass Zwettl durch das EKZ zu einem zweiten Waidhofen/Thaya werden könne.
„Da drinnen reden sie mit Engelszungen, da hört sich alles schön und gut an“, so Anna Maria Yvon, die dem Ganzen keinen Glauben schenkt. Das viele Geld, das man im Falle in die verkehrstechnischen Maßnahmen setzen müsste, hätte man sinnvoller einsetzen können. So werde die Innenstadt extrem darunter leiden. Und wenn im EKZ von guter Gastronomie die Rede ist, werden das die Wirtshäuser in der Stadt büßen, ist sie überzeugt.
Viel wurde seitens der Stadtpolitik verabsäumt, Zwettl hinke nach, so der Tenor draußen. „Das Einkaufsverhalten hat sich verändert, wenn man sich umschaut, wird man merken, dass Einkaufszentren schon längst nicht mehr zukunftsträchtig sind“, meint ein anderer Bürger und weiter: „Direkt in der Stadt angesiedelt, hätte das vielleicht Potential, aber so nicht.“
Anna Maria Yvon zeigt sich derzeit noch optimistisch etwas bewegen zu können. „Wenn wir schlussendlich nichts erreichen, dann können wir uns wenigstens nicht den Vorwurf machen, es nicht probiert zu haben“, so Franz Rößl. Viel sinnvoller wäre ihrer Meinung nach die schon vorgeschlagene „Waldviertler Wunderwelt“ - ein regionales Einkaufs- und Kulturerlebnis.


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