Koch und Kellnerin machten über 300 unbezahlte Überstunden in vier Monaten
BEZIRK ZWETTL. 78.000 Arbeitnehmern hat die Arbeiterkammer (AK) Niederösterreich in den ersten sechs Monaten des Jahres geholfen, 644 Mal waren die AK-Mitarbeiter im Bezirk Zwettl beratend zur Stelle. „Sehr häufig ging es um Leistungen, die die Arbeitnehmer erbracht haben, die aber nicht bezahlt wurden“, berichtet AK Niederösterreich-Präsident und ÖGB NÖ-Vorsitzender Markus Wieser. So auch im hier beschriebenen Fall aus dem Bezirk Zwettl.

Unbezahlte Überstunden, Feiertagszuschläge und kein Urlaubs- und Weihnachtsgeld: Der Besitzer eines Gasthauses aus dem Bezirk Zwettl nahm es diesbezüglich nicht so genau. Seine Kellnerin und sein Koch kamen binnen vier Monaten auf je 306 Überstunden.
„Das heißt, die zwei haben jeden Arbeitstag zwischen zehn und elf Stunden gearbeitet“, rechnet AK Niederösterreich-Bezirksstellenleiter Jürgen Binder vor. Die Überstunden wurden ebenso wenig bezahlt wie Feiertagszuschläge. Auch nicht, als er die beiden Mitte Juni fristlos kündigte. Das aliquote Urlaubs- und Weihnachtsgeld und den offenen Urlaub blieb er den beiden ebenfalls schuldig. „Die zwei haben sich glücklicherweise sehr schnell an uns gewandt“, sagt AK Binder. „Wir haben den Chef aufgefordert, die nicht bezahlte Arbeit endlich zu vergüten.“ Das Schreiben der AK zeigte Wirkung: „Noch Ende Juni haben die zwei je 7115 Euro auf dem Konto gehabt“, sagt Binder.
Halbjahresbilanz 2017 im Bezirk Zwettl
Im ersten Halbjahr 2017 forderte die AK Zwettl für 28 Arbeitnehmer ausstehende Löhne und Gehälter ein. „Leider haben es einige Arbeitgeber auf eine gerichtliche Auseinandersetzung ankommen lassen“, sagt AK-Bezirksstellenleiter Jürgen Binder. In zwölf Fällen klagte die AK zugunsten der Arbeitnehmer vor dem Arbeitsgericht. Außerdem vertrat die AK im Bezirk neun Beschäftigte aus drei insolventen Betrieben. Insgesamt bekamen die Betroffenen durch die Unterstützung der AK 257.112 Euro an ausstehenden Löhnen und Gehältern nachbezahlt, um die sie ohne AK wahrscheinlich umgefallen wären.
- Beratungen: 644
- Interventionen beim Arbeitgeber: 28
- Kostenloser Rechtsschutz: 12
- Außergerichtlich eingebracht: 202.837 Euro
- Gerichtlich eingebracht: 23.559 Euro
- Insolvenzvertretung: 30.716 Euro
- Gesamt: 257.112 Euro


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