Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt

BEZIRK ZWETTL. Die Nationalratswahl steht vor der Tür und mit ihr noch viele unentschlossene Wähler. Um all diesen für den morgigen 15. Oktober noch eine Hilfestellung mit auf dem Weg zu geben, haben wir die regionalen Spitzenkandidaten im Bezirk Zwettl zu Interviews gebeten. 

  1 / 6   Am 15. Oktober ist jeder Österreicher aufgefordert, von seinem Wahlrecht Gebrauch zu machen, Foto: Wodicka

1. Ihre Meinung zu einer möglichen Waldviertel-Autobahn?

Angela Fichtinger (ÖVP): Immer ein aktuelles Thema! Sie würde natürlich Vorteile bringen aber auch Nachteile. Vorteile: eventuelle Betriebsansiedelungen, Fahrzeitverringerung. Nachteil: Das Waldviertel als Gesundheitsregion würde darunter leiden.Die große Frage – von wo bis wohin soll sie führen, was macht verkehrstechnisch Sinn? Zu solchen Überlegungen würde ich gerne einmal das Infrastrukturministerium einladen.

Christian Fahrthofer (SPÖ): Diese müsste es schon die längste Zeit geben. Ob nun als Autobahn oder als Schnellstraße. Ohne dieses wichtige Infrastrukturprojekt, wird es immer schwerer werden, hochwertige Arbeitsplätze, die auch gut bezahlt werden, ins Waldviertel zu bringen. Es braucht den Anschluss an den Zentralraum Niederösterreich, nach Wien – Flughafen – Budapest und in die andere Richtung an den Wirtschaftsraum Budweis.

Alois Kainz (FPÖ):Die Waldviertelautobahn wäre ein zukunftsträchtiger Schritt, der gemeinsam vollzogen werden muss. Eine gute Verkehrsanbindung hätte auch viele andere Vorteile für das gesamte Waldviertel.Eine hochwertige Richtungsfahrbahn ohne Gegenverkehr bringt ein Mehr an Sicherheit.Die FPÖ NÖ unter LAgbn. Gottfried Waldhäusl forderte bereits seit über zwei Jahrzehnten eine Waldviertelautobahn.

Silvia Moser (DIE GRÜNEN): Ich sehe keinen Bedarf für eine Waldviertel-Autobahn. Wir brauchen keine Transitroute, welche Luftschadstoffe und Lärm durch zusätzlichen Verkehr bringt. Gut ausgebaute, sichere Bundesstraßen sind unabdingbar. Gleichzeitig muss die Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene forciert werden.

Alexander Hölzl (NEOS): Mobil zu sein bedeutet Freiheit. Eine Waldviertel-Autobahn ist nur in einem überregionalen Gesamtkonzept sinnvoll. Isolierte Prestigeprojekte sind abzulehnen und kostengünstigere (zum Beispiel mehrspurige Bundesstraßen) sowie zukunftsträchtigere Optionen stets vorzuziehen.

2. Wie kann man den vielfältigen Herausforderungen im Gesundheits- und Pflegebereich Ihrer Meinung nach zukünftig begegnen?

Angela Fichtinger (ÖVP): Nachdem die Lebenserwartung durch unser gutes Gesundheitssystem weiter steigt, ist es wichtig, genug und bestens ausgebildetes Pflegepersonal zu haben. Besonderes Augenmerk gilt auch unseren Landärzten, sie sollten wieder mehr aufgewertet werden. Jungen Ärzten schon während der Ausbildung die Möglichkeit geben, die ländliche Region kennen zu lernen. Auch kleine Ärztezentren (prakt. Arzt, Facharzt, ev. mit Therapeuten oder Pflegepersonal) würden ihnen die Arbeit erleichtern und wäre sicher auch für Patienten von Vorteil.

Christian Fahrthofer (SPÖ): Das können wir nur solidarisch, zusammen als Gesellschaft lösen. Die Arbeit, die hier geleistet wird, muss zu allererst mehr wertgeschätzt werden. Das drückt sich auch durch eine bessere Bezahlung aus. Dann braucht es unbedingt mehr Personal. Gerade im Land Niederösterreich leisten die Bediensteten fast schon Unmenschliches. Und wir müssen Pflege die zuhause, privat geleistet wird als Arbeit anerkennen.

Alois Kainz (FPÖ): Gesundheit und Pflege müssen aus einer Hand finanziert werden, um Synergien zu bündeln und Doppelgleisigkeiten zu vermeiden. Dafür ist es unumgänglich, die Vorschläge des Rechnungshofes umzusetzen, wodurch jährlich 4,75 Milliarden Euro freigemacht und zur Finanzierung der Langzeitpflege und einer Senkung der Steuer- und Abgabenquote verwendet werden können.

Silvia Moser (DIE GRÜNEN): Der Stellenwert und die Wertschätzung für die Mitarbeiter in der Pflege muss aufgewertet und eine qualitativ hochwertige Ausbildung sichergestellt werden. Gleichzeitig sind neue Modelle für die Pflege und Betreuung zu Hause notwendig - das betrifft auch die Finanzierung. Im Bereich der Ärzte gilt es, die Kassenverträge am Land attraktiver zu gestalten. Die geplanten Gesundheitszentren halte ich für eine gute Lösung sowohl für Patienten als auch für Ärzte. Auch für sie muss die Vereinbarkeit von Familie und Beruf möglich sein.

Alexander Hölzl (NEOS): Der Staat hat dafür zu garantieren, dass die Menschen selbst entscheiden können, ob sie zu Hause oder im Pflegeheim gepflegt werden möchten. Die 24-h-Pflege ist demnach auszubauen. Im Gesundheitssystem sind die Effizienzpotenziale laut unzähliger Rechnungshofberichte umzusetzen.

3. Welche Maßnahmen tragen Ihrer Meinung dazu bei, um zukunftsträchtige Arbeitsplätze zu schaffen und der Abwanderung im Waldviertel entgegen zu wirken?

Angela Fichtinger (ÖVP): Das Waldviertel hat sich in den letzten Jahren als Gesundheitsregion etabliert, jetzt ist es wichtig, sich für Gesundheitstourismus noch fitter zu machen! Meine weitere Forderung gilt nach wie vor: Arbeitsplätze des Bundes sollten in Zukunft auch ins Waldviertel verlagert werden. Die Abwanderung ist nicht unser tatsächliches Problem, unsere Geburtenstatistik stimmt nicht mehr, es kommen leider zu wenige Kinder zur Welt.

Christian Fahrthofer (SPÖ): Eine davon habe ich oben schon beschrieben. Es braucht eine Autobahn/Schnellstraße ins Waldviertel und damit eine Anbindung an viele hoch potente Wirtschaftsräume (Budweis, Zentralraum, Wien, Linz). Dann muss endlich der Breitbandausbau vorangetrieben werden und zwar nicht auf einen Stand der Technik von heute, sondern auf ein Niveau, auf dem das Waldviertel mal Spitze sein muss.

Alois Kainz (FPÖ): Zu den folgenden beiden Fragen (3+4): Zum einen wäre es wichtig, endlich eine Waldviertelautobahn zu bauen. Die Region würde aufgewertet werden. Es würde den Tourismus fördern. Dies bringt Arbeitsplätze – auch beim Bau. Zum anderen generell eine bessere Infrastruktur – nicht nur die Autobahn, sondern auch ein Ausbau bei Bus und Bahn hätte viele Vorteile. Die Situation der Pendler würde sich verbessern. Die Abwanderung der Firmen würde gestoppt werden. Die Betriebsansiedelungen werden dadurch gefördert. Die Jugend müsste nicht mehr abwandern durch eine bessere Verkehrsanbindung.Zusammengefasst – das Waldviertel wäre endlich gleichwertig mit anderen Regionen.

Silvia Moser (DIE GRÜNEN): Zukunftsträchtige Arbeitsplätze liegen im Waldviertel in den Bereichen Gesundheit, sanfter Tourismus und erneuerbarer Energien. In all diesen Bereichen haben wir ungenutzte Ressourcen.

Alexander Hölzl (NEOS): Steuervorteile für Unternehmen, die im Waldviertel investieren und Arbeitsplätze schaffen: zum Beispiel geringere Lohnnebenkosten und ein erhöhter investitionsbedingter Gewinnfreibetrag. Unternehmen schaffen Arbeitsplätze, nicht die Politik.

4. Was sind weitere vordergründige Ideen und Anliegen von Ihnen, um die ländliche Region/das Waldviertel zukunftsfit zu machen?

Angela Fichtinger (ÖVP): Für das Waldviertel besonders wichtig: der Breitbandausbau muss weiter forciert werden, weil immer mehr Arbeitsplätze von Home-Office-Ausstattungen abhängig sind. Auch der öffentliche Verkehr ist sicher noch verbesserungswürdig. Aber ein wichtiger Punkt ist und bleibt für mich auch in der Zukunft, für unsere Familien da zu sein, wie zum Beispiel der weitere Ausbau der Kinderbetreuung.

Christian Fahrthofer (SPÖ): Wir müssen die Voraussetzungen für Beschäftigung schaffen und das hat sehr viel mit Bildung zu tun. Hier gibt es bei höheren Schulen einen enormen Aufholbedarf. Warum gibt es eine FH in Hagenberg, deren Absolventen direkt von der Schule einen Job bekommen, aber keine solche Einrichtung im Waldviertel? Es braucht mehr HTLs und vor allem braucht es mehr und flächendeckende ganztägige Kinderbetreuung an den Schulstandorten.

Silvia Moser (DIE GRÜNEN): Die Erhaltung der Lebensqualität steht für mich im Vordergrund – für die hier lebenden Menschen und unsere Gäste. Dazu gehören saubere Umwelt, Biolandwirtschaft, leistbares Wohnen, bedarfsgerechte Kinderbetreuungsangebote, erstklassige Telekommunikation und optimale öffentliche Verkehrsverbindungen.Touristisch sind attraktive Angebote für Kurzurlaube, Radtouren, Familienurlaube, Wellness und Entspannung immer mehr gefragt.  Abschließend möchte ich betonen, dass Martin Litschauer der Spitzenkandidat der Grünen für den Wahlsprengel Waldviertel ist. Durch meine Kandidatur auf Platz 3 möchte ich ihn bestmöglich unterstützen.

Alexander Hölzl (NEOS): Grenzüberschreitende Vernetzung, Spezialisierung auf regionale Ressourcen, Stärkung der Marke Waldviertel sowie ein selbstbewusstes Auftreten gegen den bevormundenden Wiener Zentralismus. Dafür braucht es Abgeordnete, die tatsächlich im Sinne des Waldviertels und nicht im Sinne einer Partei stimmen.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden