Effizienz im Aikido

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  • Erstellt von: Hölzl Martin
  • Datum: 07.11.2021
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Aikido wird von anderen Kampfkünsten oft nicht ganz ernst genommen, weil es "aussieht wie tanzen" und weil es keinen Wettkampf gibt. Wie soll man da feststellen können, ob eine Technik überhaupt funktioniert? "Das ist ja nicht real!"

Man muss natürlich anmerken, dass Aikido-Training nie real ist, wir können uns nur der Realität annähern. Ebenso wie im Aikido ist aber auch das Training in anderen Kampfkünsten, denen man eine gewisse Effektivität zuschreibt (Judo, Karate, Kendo, …) nicht real. Im Judo gibt es keine Schläge, im Karate ist Greifen verboten, im Kendo gibt es Trefferzonen, … was soll daran real sein? Die interessante Frage ist, was wir durch das Training für die Realität lernen, was uns unmittelbar zur Frage bringt: wie soll man überhaupt trainieren?

In verschiedenen Kampfkünsten haben sich unterschiedliche Formen des Lernens etabliert: im Iaido ist z. B. Katatraining mit fixen Abläufen vorherrschend, während es im Judo ein Wettkampftraining gibt. Auch der Wettkampf hat Regeln und ist somit nicht real. Schließlich gibt es noch die Kampfkünste wie z. B. Kendo, die kodokanartig (Kata und Wettkampf) unterrichten. Die Trainingsform im Aikido heißt Jissenkeiko oder Echtkampfübungen. Die Rollen von Uke (Angreifer) und Tori (Verteidiger) sind dabei klar geregelt, die Form der Technik kann aber (je nach Niveau der Übenden) beliebig frei werden. Der Sinn dieser Trainingsmethode ist es die Prinzipien vom Aikido, die sich in den Techniken verbergen, zu erlernen und keine Formen (Kata). Die Techniken sind also nur Mittel zum Zweck.

Je mehr der Wettkampf und die Effizienz einer Kampfkunst im Vordergrund stehen, desto weniger Techniken gibt es in dieser Kampfkunst. Da im Aikido die persönliche Entwicklung im Vordergrund steht, gibt es viele Techniken und sehr viele Variationen dieser Techniken. Anfangs lernt und studiert man die ganze Palette von Techniken aus verschiedensten Angriffen. Die Erkenntnis, dass alle Techniken Gemeinsamkeiten haben, auch wenn es sich um noch so unterschiedliche Techniken handelt, wird immer klarer. Das Gefühl, das sich bei zwei äußerlich noch so unterschiedlich wirkenden Bewegungen einstellt, wird dasselbe werden.

Anfänglich werden die Basis-Techniken aus unterschiedlichen Angriffen in einer unterschiedlichen Art und Weise gelernt und durchgeführt. Das ist nicht real, weil wir vorher wissen müssen, welcher Angriff ausgeführt wird, um die Technik richtig zu machen. Aber aus dieser Vielfalt an Basis-Techniken destilliert sich die Essenz heraus, und wir erlernen schließlich, dass wir bei jedem Angriff gleich reagieren können. Aus der Basis-Technik wurde im Laufe der Zeit eine Applikation, die sehr wohl realen Charakter besitzt.

Erst aus dieser Freiheit heraus entsteht eine sehr große Effizienz. Dazu benötigt es aber Selbstvertrauen, welches man aber glücklicherweise durch kontinuierliches Aikido-Training gewinnt. Ehrlicherweise muss man aber erwähnen, dass der Weg bis dahin ein langer ist; Effizienz steht im Aikido nicht an erster Stelle, sondern die persönliche Entwicklung.

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