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AIGEN-SCHLÄGL. Drei Leidenschaften prägen das Leben von Frater Ewald Nathanael Donhoffer: der Alltag im Kloster, sein Theologiestudium und die Musik. Denn bevor er vor dreieinhalb Jahren ins Stift Schlägl eingetreten ist, hat er Orgel, Cembalo, Kirchenmusik und Dirigieren studiert. Letzteres brachte ihn jetzt nach Israel, wo er bei der diesjährigen Schubertiade das „Israel Chamber Orchestra“ dirigierte.

  1 / 4   Frater Ewald Nathanael Donhoffer war als Dirigent bei der Schubertiade in Israel im Einsatz. Foto: Michael Pavia

Schon zum 14. Mal fand die israelische Schubertiade rund um Franz Schuberts Geburtstag in Tel Aviv und Umgebung statt – heuer erstmals mit Beteiligung von Ewald Donhoffer. Der studierte Orchester-Dirigent bekam die Möglichkeit, mit dem israelischen Kammerorchester und Solisten zusammenzuarbeiten, drei Konzerte fanden unter seiner Leitung statt. „Es war ein All Schubert-Programm, das wir geboten haben, wobei das Hauptwerk Schuberts Zweite Symphonie war“, berichtet der Chorherr aus dem Stift Schlägl, für den es das erste Konzertprojekt seit dem Eintritt ins Kloster war.

Holocaust ist stets präsent

Sehr berührend waren für ihn die Begegnungen mit den älteren Konzertbesuchern, die ihm nach den Auftritten gratulierten und ihm von ihren Wurzeln in Österreich erzählt haben. „Niemand hat direkt von Vertreibung geredet, sondern diese umschrieben. Das Thema ist noch immer ein Trauma für die Menschen in Israel. Wahrscheinlich gibt es niemanden, der nicht jemanden aus der Familie im KZ verloren hat. Das Thema ist omnipräsent und dieses Bewusstsein wird über Generationen weitergetragen“, sagt Donhoffer, der den Holocaust „noch nie so unmittelbar empfunden hat“.

Jugendorchesterarbeit im Orient

Religion ist aber in der Stadt selbst kaum präsent. „Tel Aviv ist eine ganz moderne Stadt – sehr schnell, laut, jung und dynamisch und sie hat die höchste Dichte an Start-ups weltweit“, berichtet der Schlägler Mitbruder. Während es sein erster Aufenthalt in Israel war, ist ihm der Orient nicht unbekannt: Ewald Donhoffer hat jahrelang Workshops in Syrien und Jordanien gegeben und vor allem Jugendorchesterarbeit betrieben. Ähnliches soll es auch in Israel geben, wo das österreichische Kulturforum in Tel Aviv eine Zusammenarbeit mit dem Mühlviertler Musiker anstrebt. „Ein derartiges pro bono-Projekt würde sich auch gut mit dem Ordensleben vereinbaren lassen“, meint er dazu. Auch die „sehr erfreuliche Zusammenarbeit“ mit dem Israel Chamber Orchestera soll fortgesetzt werden, informiert Donhoffer, der in Schlägl gemeinsam mit einem Team Stiftsorchester und Stiftschor leitet.

Vor allem will er sich aber verstärkt auf sein Theologie-Studium konzentrieren, das gerade im vergangenen Jubiläumsjahr des Stiftes Schlägl zu kurz gekommen ist. Einige Musikveranstaltungen stehen aber dennoch auch zu Hause in Schlägl auf dem Programm, wie etwa ein großes Orgelkonzert am 3. Mai, 16 Uhr, in der Stiftskirche.


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