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Tips-Interview: Frau am Steuer - Mostviertlerin beweist sich in Kfz-Männerdomäne

Michaela Aichinger, 08.03.2021 08:04

WINKLARN. Mit ihren 25 Jahren ist Stefanie Redl eine der jüngsten Kfz-Unternehmerinnen Niederösterreichs. Tagtäglich beweist sie sich in einem männerdominierten Berufsfeld. Anlässlich des Internationalen Frauentages am 8. März holt Tips die Mostviertlerin vor den Vorhang.

Stefanie Redl Foto: Privat
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Tips:Frau Redl, wann haben Sie Ihre Begeisterung für Fahrzeuge und für den Beruf der Kfz-Technikerin entdeckt?

Stefanie Redl: Eigentlich war für mich immer schon klar, dass das mein Traumberuf ist. Schon im Alter von drei Jahren bin ich mit dem Pocket-Bike, einem Mini-Bike, gefahren.

Tips:Wie hat Ihr Umfeld, Ihre Familie reagiert?

Redl: Meine Familie hat mich immer total unterstützt und mir sehr geholfen, dass ich meinen Traum verwirklichen konnte. Zu Beginn der Lehre war es beispielsweise schwer, einen Lehrbetrieb zu finden, mit der Hilfe meiner Familie war es aber letztendlich kein Problem.

Tips:Wie viele Mädchen haben mit Ihnen gemeinsam die Lehre gemacht und waren mit Ihnen in der Berufsschule?

Redl: Wir waren zirka fünf bis zehn Mädels, die die Lehre zur Kfz-Technikerin absolviert haben. Ich bin heute noch mit vielen in Kontakt – es bleiben aber relativ wenige in diesem Beruf.

Tips:Warum ist das so?

Redl: Man muss sich halt als Frau schon sehr durchsetzen und selbstbewusst auftreten können in diesem Beruf, sonst gibt man relativ schnell auf. Man muss seinem Umfeld auch vermitteln, dass man als Frau die Arbeit genauso gut schaffen kann wie ein Mann. Hier braucht es etwas Geduld.

Tips:Wie ist es nach der Lehre dazu gekommen, dass Sie zur Kfz-Unternehmerin wurden?

Redl: Ich habe 2010 mit der Lehre gestartet und war bis 2017 in Lehrbetrieben tätig. Kfz-Unternehmer Johann Rafetzeder, bei dem ich bereits in der Werkstatt und im Kundendienst mitgearbeitet hatte, hat eine Nachfolge gesucht und ist auf mich zugekommen. Ich war damals erst 22 Jahre alt und stellte mir die Frage, ob ich einer solchen Aufgabe schon gewachsen war. Doch Herr Rafetzeder hat mich bestärkt und mich sehr unterstützt. 2018 habe ich die Werkstatt schließlich übernommen. Es war immer mein Traum, meine eigene Firma zu haben. Ich habe aber nie geglaubt, dass es schon so früh soweit sein wird.

Tips:Wie haben die Kunden zu Beginn reagiert?

Redl: 90 Prozent haben mich sofort akzeptiert. Viele kannten mich ja bereits und waren von meiner Kompetenz überzeugt. Zehn Prozent der Kunden waren skeptisch. Sie konnte ich im Laufe der Zeit mit meinem Wissen und Können überzeugen.

Tips:Haben Sie mehr weibliche Kunden als Ihr Mitbewerb?

Redl: Ich selbst kann das nicht bestätigen, aber Herr Rafetzeder hat schon gemeint, dass ich viele Neukundinnen „an Land gezogen“ habe. Es ist für viele Kundinnen leichter, von Frau zu Frau zu reden. Sie haben hier in „Steffis Werkstatt“ keine Hemmschwelle, wenn sie etwa Motorprobleme als klappern oder quietschen bezeichnen. Ich bin zum Beispiel beim Kochen nicht so gut unterwegs und stelle hier auch oft keine fachlich treffenden Fragen.

Tips:Wie kann man mehr Mädchen beziehungsweise junge Frauen für männerdominierte Berufe begeistern?

Redl: Ich bin der Meinung, wenn man ein Ziel hat, sollte man es immer auch verfolgen und sich nicht vom Weg abbringen lassen. Nur was man gerne tut, macht man auch gut und man kann mit einem Lächeln zur Arbeit fahren.

Tips:Wie stehen Sie zu geschlechtsspezifischem Spielzeug? Mädels werden ja immer noch mit Puppen beschenkt, Burschen mit Werkzeug & Co ...

Redl: Eltern sollen ihre Kinder so akzeptieren, wie sie sind. Es sollte in der Erziehung keinen Unterschied geben zwischen Burschen und Mädchen. Wenn ich in meiner Kindheit nicht die Chance gehabt hätte, mich im Kfz-Bereich zu entfalten, wäre ich vielleicht nicht so weit gekommen. Man sollte den Kindern nichts aufzwingen. Meine Nichte zum Beispiel fährt voll auf Buben-Spielzeug ab. Sie kommt halt ganz nach ihrer Goli ...

Frauentag seit 110 Jahren

Der Internationale Frauentag ist ein Welttag, der am 8. März begangen wird. Er entstand als Initiative sozialistischer Organisationen in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg im Kampf um die Gleichberechtigung, das Wahlrecht für Frauen sowie die Emanzipation von Arbeiterinnen.

Erstmals fand er am 19. März 1911 statt. Seit 1921 wird der Weltfrauentag jährlich am 8. März gefeiert.

Anlässlich des 110-jährigen Jubiläums gibt es nun die Möglichkeit, eine virtuelle Ausstellung zu besuchen. Das Land NÖ hat Online-Museumsräume geschaffen, die sich mit dem Thema „Frauenrechte“ auseinandersetzen. Sie sind mit Kurzinformationen und weiterführenden Auskünften vor allem für Jugendliche ansprechend gestaltet und können auf www.noe.gv.at/frauen besucht werden. Weitere Informationen unter Tel. 02742/9005-12989.


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