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Behindertenverband: Hilfe für Menschen mit Beeinträchtigungen im Mostviertel

Michaela Aichinger, 23.04.2021 19:57

MOSTVIERTEL. Menschen mit Behinderungen ein selbstbestimmtes, bedürfnisorientiertes und sozial integriertes Leben zu ermöglichen: Das ist das Ziel des KOBV, des größten Behindertenverbandes Österreichs. Tips bat Christian Ludwig, Obmann der KOBV-Ortsgruppe Amstetten, zum Gespräch.

  1 / 2   Der KOBV unterstützt Menschen mit Beeinträchtigungen bei der oft herausfordernden Suche nach einem Arbeitsplatz. Foto: VGstockstudio/Shutterstock.com

Bis vor 17 Jahren hatte Christian Ludwig aus Amstetten mit dem KOBV, also dem 1945 gegründeten Kriegsopfer- und Behindertenverband, nichts zu tun. Menschen mit Behinderung habe er natürlich gekannt, „aber das war“s auch schon“, so Ludwig.

Schwerer Verkehrsunfall

Dies änderte sich schlagartig, als der Amstettner 2004 mit seinem Motorrad schwer verunglückte. „Ich hatte zahlreiche innere Verletzungen und war mehr tot als lebendig“, erinnert sich Ludwig zurück. Bei dem Unfall verlor er einen Fuß.

„Wollte auch für andere etwas tun“

Nach einer Weile wurde Ludwig auf den KOBV aufmerksam. „Obmann Johann Ebner weckte mein Interesse. Er verhalf mir zu meinem Recht und so wollte ich auch für andere etwas tun“, erklärt Ludwig. Als Beirat unterstützte er die Ortsgruppe Amstetten, bevor er 2011 zum Obmann-Stellvertreter gewählt wurde.

Bis zu 1.800 Mitglieder im Bezirk

Seit 2016 ist Ludwig Obmann der KOBV-Ortsgruppe Amstetten, die mit rund 300 Mitgliedern zu den größeren Ortsgruppen zählt. Überhaupt sei der KOBV im Bezirk Amstetten „sehr gut aufgestellt“: „Der Bezirk hat die meisten Mitglieder in Niederösterreich. Er umfasst mit der Magistratsstadt Waidhofen/Ybbs zurzeit 16 Ortsgruppen mit kompetenten Obmännern und Obfrauen sowie mit 1.500 bis 1.800 Mitgliedern“, erklärt Ludwig.

Geschichte des KOBV

Der Kriegsopfer- und Behindertenverband wurde 1945 als Selbsthilfeorganisation der Kriegsopfer beider Weltkriege gegründet. Ziel war eine umfassende Rehabilitation und Integration in Beruf und Gesellschaft. „Seit 1973 können Menschen mit Behinderungen, unabhängig von Art und Ursache der Behinderung, die Mitgliedschaft erwerben und damit die Leistungen des KOBV in Anspruch nehmen. Wir sind die kompetente Interessenvertretung für Menschen mit Behinderungen mit eigener Rechtsabteilung. Wir beraten nicht nur, sondern vertreten unentgeltlich, wenn notwendig, unsere Mitglieder in allen Belangen bei den Arbeits- und Sozialgerichten“, erklärt Ludwig.

Hauptaufgaben 

Zu den Hauptaufgaben des KOBV zählen Beratung sowie Rechtsbeistand in allen sozialrechtlichen Angelegenheiten der Behindertenbetreuung. Dazu gehören etwa die Aufnahme in den Personenkreis der begünstigten Behinderten, die Feststellung der Unzumutbarkeit öffentlicher Verkehrsmittel, die Beantragung des Parkausweises nach §29b oder die Antragstellung für das Pflegegeld beziehungsweise die Erhöhung desselben.

Hilfe für Kinder mit Beeinträchtigungen

Ein besonderes Anliegen sind Ludwig Kinder mit Beeinträchtigungen. „Wir unterstützen hier bei der Finanzierung von Rollstühlen und von kostspieligen Therapien oder beim Pflegegeld-Ansuchen. Es gibt schwer behinderte Kinder, die die Pflegestufe 1 hatten und durch unseren Einsatz auf Pflegestufe 3 oder 4 gekommen sind. Wir helfen sehr flexibel. Wenn jemand ein Kind hat, das Unterstützung benötigt, kann er sich gerne bei mir melden!“, erklärt der KOBV-Obmann, der auch auf eine Kooperation mit Billa-Plus (ehemals Merkur) verweist: „Nach Ostern, Weihnachten oder dem Nikolausfest bekommen wir Schokolade und verteilen diese an gemeinnützige Organisationen, Behindertenwerkstätten oder etwa Altersheime. Über die vergangenen Jahre haben wir sicher mehr als 100.000 Euro an Schokolade verschenken dürfen.“

Mehr Toleranz zwischen Alt und Jung

Eines der KOBV-Ziele ist, sich für Toleranz einzusetzen und auf einen wertschätzenden Umgang mit älteren Menschen hinzuweisen. „Es ist mir ein großes Anliegen, junge mit alten Menschen in Verbindung zu bringen – etwa durch Besuche von Schulklassen im Altersheim. Wir haben vor Corona auch Stammtische veranstaltet. Hier habe ich die Mitglieder immer dazu animiert, ihre Enkelkinder mitzubringen“, berichtet Ludwig.

Hürden für Menschen mit Beeinträchtigung

Dass die Arbeit des KOBV auch heute noch absolut unerlässlich ist, zeigt sich an den Hürden, mit denen beeinträchtigte Menschen noch immer konfrontiert sind. „Grundsätzlich ist Amstetten in Sachen Barrierefreiheit gut aufgestellt, aber bei Ärzten, in WC-Anlagen, in Schwimmbädern und speziell in der Gastronomie gibt es noch Nachholbedarf“, kritisiert der KOBV-Obmann.

Schwierige Arbeitsplatz-Suche

Besonders herausfordernd für Menschen mit Behinderung sei auch die Arbeitsplatz-Suche. „Behinderte leiden noch immer bei der Arbeitsplatz-Suche, obwohl Betriebe für jeden 25. Arbeitsplatz eine Person mit besonderen Bedürfnissen einstellen sollten. Ausschlaggebend dafür ist, dem Kreis der begünstigten Personen anzugehören. Anstelle einer Einstellung einer Person mit besonderen Bedürfnissen wurde für Arbeitgeber eine Ausgleichstaxe geschaffen: zwischen jenen Arbeitgebern, die begünstigte Behinderte beschäftigen und solchen, die – aus welchen Gründen auch immer – diese nicht beschäftigen. Meiner Meinung nach ist diese Taxe mit derzeit 271 Euro monatlich viel zu gering. Hier müsste vom Gesetzgeber eine weit höhere Taxe geschaffen werden, um einen Anreiz zu schaffen, mehr behinderte Personen einzustellen“, so Ludwig.

Corona-Krise erschwert vieles

Die Mitglieder zu erreichen, sei derzeit aufgrund der Corona-Krise schwierig: „Stammtische und andere gesellige Veranstaltungen fallen pandemiebedingt aus. Rundschreiben oder der telefonische Kontakt sind zurzeit die einzige Möglichkeit, Kontakt aufzunehmen“, so Ludwig. Unterstützung biete man aber auch in der Corona-Zeit den Schwächsten der Gesellschaft durch das Verteilen von Lebensmittelkörben.

„Gibt kein unlösbares Problem“

„Ich bin gerne telefonisch für Sorgen und Anliegen erreichbar. Mein Aufruf an alle Menschen mit Beeinträchtigungen: Lasst euch nicht unterbuttern und fordert Hilfe ein, wenn etwa keine Barrierefreiheit herrscht. Es gibt kein unlösbares Problem!“, appelliert Ludwig abschließend.

Weitere Informationen

KOBV-Obmann Christian Ludwig

Tel. 0676/7062511

www.kobv.at


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