Autoren-Interview: „Das Mostviertel ist für mich immer noch Heimat“
AMSTETTEN. Die gebürtige Amstettnerin Karina Ewald (Karin Fink) hat vor einigen Jahren ihre alte Liebe zum Schreiben wiederentdeckt. Mittlerweile ist sie vor allem durch ihre Provence-Krimis bekannt. Nun hat Ewald erstmals einen Österreich-Krimi geschrieben. Tips bat die in Deutschland lebende Autorin zum Gespräch.

Tips: Frau Ewald, Sie sind für Ihre Provence-Krimiserie bekannt – nun spielt in ihrem jüngsten Buch, dem Krimi „Bitterwasser“, erstmals eine Region in Österreich, der Nationalpark Hohe Tauern, eine Rolle … Wie kam es dazu?
Karina Ewald: Der Gedanke, einmal einen Österreich-Krimi zu schreiben, war immer vorhanden, sogar schon bevor ich überhaupt mit dem Schreiben begonnen habe. Aber durch den Erfolg meines allerersten Krimis und die darauf folgenden Fortsetzungen ist es irgendwie nie dazu gekommen. Bis mein Agent mir letztes Jahr von seinem Aufenthalt in Bad Gastein erzählte und mir diese beeindruckende Kulisse wieder in Erinnerung brachte. Da war auf einmal die Idee zu dieser Geschichte geboren.
Tips: Sie haben nach der Matura am Gymnasium Amstetten Veterinärmedizin in Wien studiert. Wie sind Sie denn zum Schreiben gekommen?
Ewald: Das war eigentlich Zufall und ist aus meinem Hobby, dem „Geocachen“, entstanden. Ich habe mir eine kleine Rätselserie rund um eine europaweit ermittelnde Agentin ausgedacht, die in der Community sehr gut angekommen ist. Beim Ausdenken einer Geschichte für die Fortsetzung lief das aus dem Ruder und ist am Ende ein ganzes Buch geworden: mein erster Frankreich-Krimi unter dem Titel „Lavendel-Coup“ oder später in der Neuauflage als „Lavendel-Tod“.
Tips: Was fasziniert Sie allgemein am Krimi-Genre?
Ewald: Ich liebe es, Rätsel zu lösen, und habe eben durch das „Geocachen“ irgendwann begonnen, mir selbst Rätsel auszudenken. Abgesehen davon habe ich schon immer am liebsten Krimis gelesen, und zwar ganz klassisch: Agatha Christie ist wohl so etwas wie mein heimliches Vorbild.
Tips: Zum Thema Landschaftskrimi: Auf welche Weise hat die Landschaft, in der Ihre Krimis spielen, Einfluss auf die Handlung?
Ewald: Tatsächlich spielt in all meinen Krimis immer ein Ort eine besondere Rolle. Die Landschaft bildet den Rahmen, das Setting, in dem die Geschichte spielt, aber immer lässt sich ein bestimmter Ort finden, der in irgendeiner Form von Bedeutung ist. Bei „Bitterwasser“ ist es das leer stehende Kongresshaus im Ortszentrum, das im Buch als ehemalige Stadthalle zum Ausgangspunkt der Handlung geworden ist.
Tips: Wird es eventuell auch einmal einen Krimi aus Ihrer Heimatregion, dem Mostviertel, geben?
Ewald: Ich will nichts ausschließen, aber im Augenblick bin ich mit dem Bedienen von zwei Krimiserien ziemlich ausgelastet – das bedeutet immerhin zwei Bücher pro Jahr zu schreiben! Abgesehen davon kann ich mir die liebliche Landschaft des Mostviertels nur schwer als Kulisse für Mord und Totschlag vorstellen. Dazu kommt, dass ich hier Land und Leute vielleicht ein bisschen zu gut kenne: Es bestünde die Gefahr, dass sich auf einmal real existierende Menschen in einem Buch wiederfinden – nein, das wäre keine so gute Idee!
Tips: Die Ermittlerin Ihres neuen Krimis kommt von Düsseldorf nach Österreich, in den Nationalpark Hohe Tauern – ein Kulturschock. Sie selbst sind gebürtige Amstettnerin und sind vor über 20 Jahren nach Deutschland übersiedelt. Wie ist es Ihnen diesbezüglich ergangen? Hatten Sie auch einen Kulturschock?
Ewald: Ja, das kann man wohl sagen. Ich war ja schon vor meinem Umzug nach Deutschland ein paar Jahre aus Amstetten weg und habe in Wien gelebt. Von da ins Rheinland zu ziehen, war eine sehr große Umstellung, die mir anfangs auch nicht leicht gefallen ist. Ich will gar nicht sagen, dass es irgendwo besser oder schlechter ist. Es ist einfach anders, und daran muss man sich gewöhnen. Inzwischen lebe ich in Ratingen, das ist eine beschauliche Kleinstadt am Rande von Düsseldorf, die in vielerlei Hinsicht Amstetten ähnelt: Groß genug, um alles zu bieten, aber gerade noch überschaubar genug, um auf dem Markt den Nachbarn über den Weg zu laufen. Inzwischen fühle ich mich da sehr wohl.
Tips: Besuchen Sie manchmal Ihre Heimatstadt Amstetten? Sind hier auch Lesungen geplant?
Ewald: Meine Mutter lebt noch in Amstetten, und ich versuche, sie mindestens einmal pro Jahr zu besuchen. Ich freue mich jedes Mal sehr auf ein „Nachhausekommen“, das Mostviertel ist für mich immer noch Heimat. Und wenn sich ein Veranstalter findet, der mich für eine Lesung engagieren möchte, würde ich natürlich auch sehr gern hier lesen.


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