Diskussion um Sparkassen-Brunnen am Amstettner Hauptplatz

Michaela Aichinger Tips Redaktion Michaela Aichinger, 20.03.2023 19:03 Uhr

AMSTETTEN. Im Zuge der Stadterneuerung soll der Sparkassen-Brunnen vom Hauptplatz entfernt werden. Der „Stadtwolf“ wird am Hauptplatzareal eventuell an neuer Stelle installiert. Historiker Gerhard Ziskovsky sieht dies sehr kritisch und ortet ein „mangelndes historisches Bewusstsein seitens der Stadtgemeinde“.

„Mitten auf dem Hauptplatz befinden sich zwei Symbole der Stadtgeschichte mit Denkmalcharakter“, verweist der Neuhofner Historiker Gerhard Ziskovsky auf den Sparkassen-Brunnen und den sogenannten Amstettner Stadtwolf, jene Wolfsskulptur, die 1998 anlässlich „100 Jahre Stadterhebung“ installiert wurde und die auf das Amstettner Wappen verweist.

„Wäre schwerer Schaden für lebendige Gedenkkultur“

Brunnen und Wolf sind für Ziskovsky „untrennbar mit dem Ort und dem historischen Geschehen, das sich im Zentrum abspielte, verbunden“. Ziskovsky: „Da bereits wertvolle historische Gebäude und Gedenkstätten – wie etwa das Antifaschismus-Denkmal auf dem Neuen Friedhof oder das Cafe Zentral – unwiederbringlich verloren sind, muss um den Restbestand des Visuellen gekämpft werden, wenn Amstetten vor seiner Vergangenheit bestehen und Verantwortung nachfolgenden Generationen übernehmen will“.

Die Verlegung beider Symbole würde einer „lebendigen Gedenkkultur schweren Schaden zufügen“. „Dem würde nicht einmal eine Verlegung auf einen Vorplatz eines städtischen Museums Genüge tun – aber diese Gefahr besteht nicht: Amstetten hat noch immer kein Museum!“, übt Ziskovsky weiter Kritik.

Geschichte verstehen

Der Historiker ist überzeugt: Setzt man sich mit Lokalgeschichte auseinander, spricht zuerst einmal das Visuelle am meisten an. Man sucht nach erhaltenen historischen Originalen wie Gebäuden, Monumenten, Gedenkstätten. „Um Geschichte zu verstehen, setzen wir diese Originale sowie die dazugehörigen historischen Geschehnisse in den historisch-politischen Kontext. Somit sind Wechselwirkungen oder Abhängigkeiten zu sehen“, so Ziskovsky.

Jede Generation hat andere Fragen an die Geschichte

Da jede Geschichtsaufarbeitung immer im Kontext der Zeit stehe, habe jede Generation andere Fragen an die Geschichte. „So spiegelt der Ort des Brunnens und der Wolfskulptur nicht nur Geschichte selbst wider, sondern auch das Umgehen mit ihr, ihren Stellenwert im Gedächtnis der Stadt, der Stadtregierung, der Stadtbevölkerung, auch das individuelle Gedächtnis, weil jeder seinen eigenen persönlichen Zugang hat. Immer ist aber Folgendes zu berücksichtigen: Die Stadtregierung hat die Deutungshoheit, sie ist für die Geschichte der Erinnerung verantwortlich“, unterstreicht Ziskovsky.

Historisches Bewusstsein

„Aufrichtiges Gedenken“ stärke das „demokratische Immunsystem“. Ohne Bewusstsein der eigenen Geschichte könne sich niemand sinnvoll auf die Zukunft entwerfen. „Die geplante Verlegung von Brunnen und Wolf ins unhistorische Abseits wäre ein nicht wieder gut zu machender Eingriff in eine lebendig vermittelbare Amstettner Lokalgeschichte, würde der bereits deutlich sichtbaren Enthistorisierung der Stadt weiter Vorschub leisten, sie ihrer sichtbaren Geschichte entkleiden und die Stadt aus dem historischen Kontext herauskatapultieren. Das würden nächste Generationen nicht verstehen“, kritisiert der Historiker.

„Impulsstation des Erinnerns und des Nachdenkens“

Brunnen und Wolf seien immer ein identitätsstiftendes Symbol gewesen, sie hätten – mit Infotafeln versehen – als „Impulsstation des Erinnerns und des Nachdenkens“ ihren Platz zu erhalten. Dann würde der Hauptplatz seinen Anspruch auf Historizität nicht verlieren. Ziskovskys Vorschlag: „Man könnte den Platz um den Brunnen als kleine Grünanlage mit Sitzgelegenheiten, als Ort der Information und Ruhe sowie der offenen Kommunikation neu gestalten“.

Stadtregierung beruft sich auf historische Projekte

Der Vorwurf eines „mangelnden historischen Bewusstseins seitens der Stadtgemeinde“ weist Vizebürgermeister Markus Brandstetter (ÖVP) zurück: „Eine Stadt ist stets ein Ort des Wandels und der Veränderung. Mit der Neugestaltung der Innenstadt sind auch Projekte zur Präsentation der Geschichte Amstettens in Umsetzung. So arbeiten ehrenamtliche Teams an den Topotheken der Ortsteile. (...)“. Zudem werden Brandstetter zufolge in der Innenstadt die aus Stahlblech bestehenden Tafeln mit historischen Bildern gestaltet. Auch ein Projekt mit Studenten der TU Wien habe die Geschichte Amstettens zu neuem Leben erweckt.

Hauptplatz als „Netzwerk der besonderen Plätze“

„Der Hauptplatz ist Teil des Netzwerk der besonderen Plätze. Wir gestalten einen begrünten schattigen Platz der Begegnung, der zum Verweilen einlädt und in Hitzesommern schattige Bereiche mit einem zeitgemäßen Wasserspiel anbietet. (...) Im Rahmen der Umgestaltung wird der Sanierungsbedürftige Sparkassen-Brunnen abgebaut und im Zuge eines weiteren Innenstadtprojektes wieder aufgebaut. Mit der Neuaufstellung soll dann auch die historische Geschichte aufgearbeitet und vor Ort präsentiert werden. Der beliebte Stadtwolf wird als zentrales Objekt auch in Zukunft Teil der Hauptplatzgestaltung bleiben“, so der Vizebürgermeister.

https://amstetten-stadt.topothek.at/

https://amstetten-uhn.topothek.at/

https://amstetten-mauer-greinsfurth.topothek.at/

https://amstetten-preinsbach.topothek.at/

https://afnoe.at/amstetten/

https://afnoe.at/wp-content/uploads/2021/10/Bastelbogen-Wasserturm-Amstetten_Bau-dir-dein-Denkmal.pdf

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