Amnesty-Gruppe in Amstetten: Engagement für Menschenrechte
AMSTETTEN. 1980 haben sich zehn Personen rund um Maria Mayerhofer entschlossen, in Amstetten eine Amnesty International-Gruppe zu gründen. 43 Jahre später ist das Engagement der Vereinigung in Sachen Menschenrechte ungebrochen.

„Wir haben eine Gruppe, weil wir gemeinsam aktiv sind und uns auch gegenseitig motivieren, unsere weltweite Verantwortung wahrzunehmen. Wir treffen uns monatlich und würden uns über zusätzliche engagierte Menschen sehr freuen“, lädt die aktuelle Gruppensprecherin Susanne Martincsevics ein.
Die Amnesty International (AI)-Gruppe Amstetten besteht heute aus neun aktiven und etwa 80 fördernden Mitgliedern. „Der katholische Priester und Arbeiterseelsorger Franz Sieder war 1980 Gründungsmitglied und ist auch heute noch immer aktiv. Drei weitere Gruppenmitglieder sind in ,AI-Pension‘ – sie unterstützen uns, wenn wir Hilfe brauchen“, erklärt Martincsevics.
Aufgaben sind breit gefächert
Ging es kurz nach der Gründung der Gruppe hauptsächlich darum, sich um einzelne Gewissensgefangene zu kümmern, so sind heute die Aufgaben der AI-Gruppe breitgefächert. Martincsevics: „Wir betreiben Bildungsarbeit, schreiben Briefe und wollen ganz einfach Menschen für Menschenrechte begeistern!“
Anlässlich des Amstettner Ferienkuriers hat die Gruppe beispielsweise einen Theaterworkshop zum Thema „Menschenrechte“ abgehalten. „Außerdem haben wir an Aktionen wie ,One Billion Rising‘ sowie zum Weltfrauentag teilgenommen. Im Stift Melk sowie in der Pfarrkirche St. Stephan Amstetten haben wir je eine heilige Messe mitgestaltet und unsere Arbeit an einem Infostand vorgestellt. Außerdem haben wir unseren Schaukasten beim Rathaus neugestaltet und Briefe an unsere fördernden Mitglieder verfasst“, so die Gruppensprecherin.
Nur zwei Gruppen in NÖ
Dass es im Mostviertel eine AI-Gruppe gibt, ist nicht selbstverständlich. In Niederösterreich gibt es Martincsevics zufolge nur noch eine weitere Gruppe. Sie befindet sich in Krems. Dabei sei es wichtiger denn je, sich für Menschenrechte einzusetzen.
„Lage der Menschrechte ist schwierig“
„Die Lage der Menschenrechte ist nach wie vor eine sehr schwierige. Besonders in Ländern wie Afghanistan, Belarus, China, Indien, dem Iran, Russland oder den USA werden Menschenrechte mit Füßen getreten. Leider werden sie heutzutage auch von europäischen Politikern in Frage gestellt“, so Martincsevics.
Auch Österreich sei hier keine „Insel der Seligen“. Amnesty International listet in seinem Report 2022/23 diesbezüglich Folgendes auf: „Sozialhilfeleistungen blieben in manchen Bundesländern unzureichend. Das Recht auf angemessene Unterbringung wurde ungenügend erkannt und realisiert. Frauen und Mädchen wurden nicht angemessen vor genderbasierter Gewalt geschützt. Medienfreiheit ist unter erhöhten Druck gekommen. Vorschriften für unbegleitete Kinder, die internationalen Schutz suchen, haben diese nicht ausreichend geschützt. Racial Profiling, also wenn Menschen allein aufgrund ihres physischen Erscheinungsbildes oder ethnischer Merkmale polizeilich kontrolliert werden, existiert nach wie vor. Die Verantwortung der Polizei bezüglich übertriebenem Gewalteinsatz bleibt unzureichend. Zuletzt erreichte Österreich seine Klimaziele nicht.“
Junge Menschen informieren
Martincsevics ist es wichtig, bereits Kindern und Jugendlichen die Menschenrechte näher zu bringen: „Wir machen Veranstaltungen in und mit Schulen. Besonders die Religionslehrer in Amstetten sind uns sehr gewogen.“ Wer die Arbeit von AI unterstützen möchte, kann dies per Spende an IBAN AT14 2011 1000 0031 6326 (Betreff: Gruppe Amstetten) tun. Eine Kontaktaufnahme ist per Mail an amstetten@amnesty.at möglich.
Buch: Predigten über Menschenrechte
Übrigens: Franz Sieder hat soeben unter dem Titel „Die Menschenrechte mit den Augen des Glaubens gesehen“ seine Predigten bei AI-Gottesdiensten von 1983 bis 2023 herausgebracht. „Mit der Amnesty-Gruppe habe ich immer wieder Gottesdienste zu Menschenrechtsthemen gefeiert. Wir wollten damit im Sinn von Amnesty auch Bewusstseinsbildung betreiben“, so Sieder. Infos zum Buch unter Tel. 0676 7174382.


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