Wildunfälle: Vorsicht im Straßenverkehr geboten
BEZIRK AMSTETTEN. Durch Zeitumstellung und Wildwechsel erhöht sich das Risiko für Wildunfälle in der Abenddämmerung. Tips hat beim Amstettner Bezirksjägermeister Johann Wagner nachgefragt.

Ende Oktober wurden die Uhren wieder eine Stunde zurückgestellt. Dadurch steigt das Risiko von Wildunfällen insbesondere in der Abenddämmerung an, denn die Wildtiere müssen sich an das veränderte Verhalten der Menschen erst wieder anpassen.
Der NÖ Jagdverband und der ÖAMTC appellieren daher an die Autofahrer, das Tempo anzupassen und die Straßenränder zu beobachten, um frühzeitig querendes Wild erkennen zu können. Zudem sollte mehr Abstand zum Vorderfahrzeug gehalten werden, falls dieses bei Wildwechsel eine Vollbremsung einleitet.
Zersiedelung der Lebensräume
„Durch die Zersiedelung der Lebensräume und menschliche Aktivitäten wechseln Wildtiere vor allem in der morgendlichen und abendlichen Dämmerung aus den Einständen auf die Felder, um zu äsen. Dabei kreuzen sie häufig Straßen. Aufgrund der Lichtverhältnisse sind sie schlecht erkennbar, zudem können sie die Geschwindigkeiten von Autos nur schwer einschätzen. Daher sollten Autofahrer vorsichtig fahren und das Tempo anpassen“, so Landesjägermeister Josef Pröll.
Zudem gelte: Ein Wildtier kommt selten allein. Bei Rehen und Wildschweinen sollte man damit rechnen, dass einem einzelnen Tier weitere folgen. Vor allem das Schwarzwild sei meist in Rotten unterwegs. Nach einem Wildtierwechsel gelte daher besondere Vorsicht.
Bezirksjägermeister Johann Wagner ergänzt: „Was Autofahrer nicht vergessen sollten: Nicht nur im Herbst ist die Gefahr von Wildunfällen sehr groß, sondern auch im Frühjahr und in der Brunft der Rehe im Juli und August.“
Wildunfall in Österreich alle sechs bis zehn Minuten
In Österreich passiert laut ÖAMTC-Experte David Nosé alle sechs bis zehn Minuten ein Wildunfall. Jährlich kommen dabei bis zu 100.000 Wildtiere zu Tode. Nicht nur eine Kollision mit einem Wildtier birgt Gefahren: „Gerade durch panische Reaktionen und hektische Ausweichmanöver können Fahrzeuge von der Straße abkommen oder in den Gegenverkehr geraten. Dadurch steigt das Risiko für schwere Autounfälle – etwa durch Frontalkollisionen mit anderen Fahrzeugen – die oft deutlich gravierendere Folgen nach sich ziehen als ein Zusammenstoß mit einem Wildtier“, erläutert Nosé vom ÖAMTC. „Im Fall eines Wildwechsels sollte daher das Lenkrad gut festgehalten, stark gebremst und die Spur gehalten werden.“
NÖ Jagdverband setzt Maßnahmen zur Prävention
In Niederösterreich verenden jährlich ungefähr 30.000 Wildtiere bei Wildunfällen. Am stärksten betroffen sind Rehe (15.000 Stück), Niederwild (12.000 Stück) und Wildschweine (400 Stück).
„Im Bezirk kommen etwa 2.500 Rehe pro Jahr durch Unfälle zu Tode. Wie viele Hasen, Fasane und andere Wildtiere dem Verkehr zum Opfer fallen, lässt sich schwer abschätzen, da hier weniger Meldungen an die Jäger gemacht werden. Es werden etwa 2.000 sein. Unfälle mit Wildschweinen kommen im Bezirk selten vor.
Projekt „Wildtiere & Verkehr – Reduktion von verkehrsbedingtem Fallwild“
Der NÖ Jagdverband führt seit 2008 gemeinsam mit dem Land Niederösterreich und der Universität für Bodenkultur das Projekt „Wildtiere & Verkehr – Reduktion von verkehrsbedingtem Fallwild“ durch. Seitdem haben die Jäger in 485 Jagdrevieren rund 125.000 optische und 6.350 optisch-akustische Wildwarngeräte an den weißen Begrenzungspflöcken entlang von 1.800 Kilometern Landesstraßen installiert.
Zudem werden jagdwirtschaftliche und wildökologische Maßnahmen gesetzt. Damit sowie mit TV-Spots rund um die ORF-Sendung „Niederösterreich heute“ wurde die Zahl an Rehwild-Nachtunfällen um bis zu 70 Prozent reduziert.
Wildwarngeräte im Bezirk
„Wir nehmen im Bezirk auch an dem Projekt ‚Wildtiere & Verkehr‘ teil und haben in den vergangenen Jahren an vielen Straßen Wildwarngeräte angebracht. Das ist mit viel Aufwand und Kosten verbunden“, so Bezirksjägermeister Wagner. Denn die Geräte müssen von den Jägern natürlich auch gewartet und gereinigt werden.
Die Maßnahmen hätten zu einer Reduktion der Unfälle geführt, können Wagner zufolge aber nicht jeden Unfall verhindern. „Wenn Wild in seinem Einstand aufgescheucht wird und flüchtet, ignoriert es die Wildwarner. Daher sollten alle Naturnutzer die Einstände der Wildtiere meiden, um sie nicht unnötig der Gefahr der Straße auszusetzen. Wir sind sehr dankbar, wenn in regionalen Zeitungen immer wieder auf die Gefahr hingewiesen wird, um die Verkehrsteilnehmer darauf aufmerksam zu machen. Man kann es nicht oft genug wiederholen“, betont Wagner.


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