Zarl: „Die besten Sachen wachsen Dir beim Fenster herein“
MOSTVIERTEL/AMSTETTEN. Monika und Hannes Zarl führen gemeinsam den Lieglhof nahe der Stadt. Vom „Bauer hinterm Hauer“, wie sich der Mostbaron gerne selbst scherzhaft betitelt, sind neben den Mosten vor allem seine Direktsäfte, die Brote und die Hühnereier nicht nur in der Region bekannt.

Monika und Johannes Zarl betreiben gemeinsam den Lieglhof etwa zwei Kilometer vom Stadtzentrum Amstettens entfernt. Monika war dabei an der Entstehung der Mostbarone maßgeblich beteiligt. Schon vor den Mostbaronen war sie Obfrau des Vereins „Mostgalerie“, der seine Tätigkeit Anfang der 90iger Jahre aufgenommen hatte. Und schon damals trug sie die Verantwortung mit der Übernahme der Haftung für ehrgeizige Projekte rund um den Most, bis die ersehnten Fördergelder eingelangt waren. Und schon damals wurde Weiterbildungskurse durch die Mostgalerie ermöglicht und organisiert. „Wie Saft aus der Birne zu machen ist“ war eine dieser Veranstaltung. Die Wertschätzung des regionalen Fallobstes war an einem Tiefstand angelangt. Keiner wollte sich noch bücken, um das Obst aufzuklauben. Mit Kursen in Zusammenarbeit mit der Weinbauschule Klosterneuburg wurde damals erfolgreich versucht, das Image und das Wissen über die Mostbirne wieder anzuheben.
Direktvermarktung
Bereits vor rund 50 Jahren begannen die Eltern der jetzigen Betreiber mit der Direktvermarktung bäuerlicher Produkte. Und so findet sich auch Monika Zarl immer donnerstags beim Markt am Stadtplatz von Amstetten ein, um dort vorwiegend das selbst hergestellte Brot und die Eier aus der eigenen Bodenhaltung zu verkaufen. Transparenz und keine künstlichen Zutaten sind dabei sowohl Monika als auch Hannes ein Anliegen. Für die Fütterung der Hühner wird Donausoja verwendet. Anfang der 60iger Jahre hat der Liedlhof damals mit Eiern als Hauptprodukt begonnen. 1992 war es einer der ersten Betriebe, der auf moderne Bodenhaltung umgestellt wurde. Seit 1996 ist der Betrieb käfigfrei.Für das Brot werden keine künstlichen Aromen oder Triebmittel verwendet. Selbst das Mehl stammt aus der Region. Diese ehrliche Herangehensweise an das Produkt mag einer der Gründe sein, warum beim Markt das Brot meist noch vor Mittag vergriffen ist.
Gelebte Regionalität
Was Hannes Zarl aber durchaus sauer aufstößt, ist, wenn Vereine aus der Region bei deren Feiern und Festen keine regionalen Produkte ausschenken. Dort finden sich oftmals die überall gleich schmeckenden Markengetränke großer Konzerne. „Mir fehlt das Bewusstsein dafür, wo fängt der Klimaschutz an? Bei mir oder beim Nachbarn?“, stellt er verärgert diese rhetorische Frage. „Sie verschmähen die eigenen Sachen. Wobei Dir die besten Dinge beim Fenster hereinwachsen. Wir sind Mostviertel“, betont der Mostbaron kämpferisch die Qualitäten regionalen Obstes. „In der Industrie schmeckt alles immer gleich“, so seine Kritik. „Was wir verkaufen, das wächst bei uns“, betont Hannes Zarl und würde sich mehr Patriotismus bei den Vereinen und mehr gelebte Regionalität wünschen. Selbst bezieht der Betrieb seine Karotten und Quitten für die Säfte aus Oberösterreich. Das sind kurze Wege und die Früchte sind direkt vom Bauern. Auf Orangen und andere nicht regionale oder saisonale Früchte wird bewusst verzichtet. Daraus wird Direktsaft hergestellt, der spezielle Kriterien erfüllen muss. Sein Apfel-Quitten Saft wurde schon als bester bäuerlicher Fruchtsaft ausgezeichnet. Das ultimative Urteil liefert aber eine besondere Kundenschicht: „Wenn es den Kindern schmeckt, habe ich alles richtig gemacht“, erklärt der Direktsaft-Profi.
Klimawandel
Bei den drei Anliefertagen, die der Liedlhof einmal im Jahr für das Obst im Herbst hat, stauten sich im Vorjahr die Anbieter. In dem Ernterekordjahr musste der Betrieb seine Lagerkapazitäten ausbauen, ansonsten wäre der Ansturm nicht zu bewältigen gewesen. Für heuer werden diese Kapazitäten wohl reichen. Die Bäume hätten verhalten geblüht und es ist wohl keine so große Menge wie 2018 zu erwarten. Die Mostbirnbäume hätten die Trockenheit des Vorjahres ganz gut überstanden, geben sich Monika und Hannes zuversichtlich.
Erinnerungen des einstigen Primus
„Die Mostwallfahrt zählt zu den Highlights im Leben eines Mostbarons“, bekennt der einstige Primus der Mostbarone. Zudem sei die Auszeichnung ein Türöffner. Man sei mit allen Prominenten in der ersten Reihe, erzählt Hannes Zarl mit Stolz. „Das ist kein Kasperlverein, sondern uns liegt das Mostviertel am Herzen. In welcher Form auch immer“.
Kreativität ist Trumph
Hannes Zarl auch mit einigen kreativen Ideen aufwarten. So ist ihm während einer Autofahrt die Honigwabe als Form für die spezielle Verpackung seines 7er Trägers eingefallen. Die Anforderungen waren konsequent: kein Plastik, kein Kunststoff, nicht geklebt. Der Karton ist nur gesteckt. Und ein weiterer kreativer Glückswurf ist mit dem Etikett gelungen, dass die Mostflaschen verziert. Das Portrait von Onkel Karl preist dort unverwechselbar den Most als Lebenselixier der Region.


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