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Winklarner Bürgermeisterin tritt zurück: "Auf verbrannter Erde lässt sich nichts Neues aufbauen"

Michaela Aichinger, 27.05.2024 14:41

WINKLARN. Mit 30. Juni 2024 tritt die Winklarner Bürgermeisterin Sabine Dorner-Leyerer (ÖVP) zurück. Als Grund nennt die Politikerin „innerparteiliche Vorkommnisse“. Auch alle weitere politischen Funktionen hat Dorner-Leyerer bereits zurückgelegt.

Die Winklarner Bürgermeisterin Sabine Dorner-Leyerer (ÖVP) gab ihren Rücktritt bekannt. (Foto: schwarz-koenig.at)
Die Winklarner Bürgermeisterin Sabine Dorner-Leyerer (ÖVP) gab ihren Rücktritt bekannt. (Foto: schwarz-koenig.at)

Diese Vorkommnisse hätten auf politischer Ebene zu einem „Vertrauensmissbrauch in der Fraktion“ und zu „großen Differenzen“ geführt. „All das hat mich zu diesem Schritt bewegt. Auf verbrannter Erde lässt sich nichts Neues aufbauen. Leider weiß man in der Politik nie, was morgen kommt“, so die scheidende Bürgermeisterin in einer Aussendung.

Nachdem es bereits Vorbereitungen hinsichtlich Gemeinderatswahl gebe, werde sich nun ein neues Team aufstellen und die neue Gemeindevertretung werde ihren Weg gehen, so Dorner-Leyerer, die in ihrer Aussendung vor allem den Winklarner Bürgern sowie auch den Bürgermeisterkollegen, den Behörden, Firmen und Institutionen dankt. „Ein großer Dank gilt auch Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner; ihre Unterstützung ist in vielen Projekten sichtbar“, so Dorner-Leyerer.

Dorner-Leyerer wird auch den Gemeindedienst in Winklarn beenden. „Ich muss dann schauen, in welche Richtung es weitergeht“. Dem Zivilschutz wird sie als Bezirksleiterin vorerst treu bleiben.

 Politisches Leben

20 Jahre war Dorner-Leyerer bei der Volkspartei Winklarn, im Mai 2011 wurde sie zur Gemeindeparteiobfrau gewählt, ab Juli 2013 war sie Vizebürgermeisterin und seit Mai 2018 Bürgermeisterin. „2015 durfte ich die Gemeinderatswahl als Parteiobfrau das erste Mal leiten und die Volkspartei hat ein Mandat gewonnen (von 14 auf 15). 2020 bin ich als Spitzenkandidatin angetreten. Trotz Antritt einer dritten Partei konnte ich die 15 Mandate halten.“, erinnert Dorner-Leyerer.

„Alle Aufgaben korrekt erledigen“

„Das Wichtigste für mich war es, alle Aufgaben korrekt, mit Ehrlichkeit und Gewissenhaftigkeit zu erledigen. Meine Devise war, andere Menschen so zu behandeln, wie ich auch behandelt werden möchte. Ganz nach dem Spruch von Albert Einstein: 'Mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft, denn in ihr gedenke ich zu leben', habe ich gehandelt. Daher habe ich viele Prozesse im Gemeinderat eingebracht, die für mehr Lebensqualität in Winklarn sorgten“, so die scheidende Bürgermeisterin.

So sei Winklarn die erste „Natur im Garten“-Gemeinde des Bezirks gewesen, Winklarn sei „Audit-Familienfreundliche Gemeinde mit Unicef Zertifikat“, „Fairtrade Gemeinde“, „e5-Gemeinde“ und „Bodenbündnisgemeinde“.

„Die Umwelt war mir ein großes Anliegen, Bäume zu pflanzen, möglichst viele bienenfreundliche Grünflächen entstehen zu lassen, so wenig Versiegelung wie möglich, auch E-Mobilität, deswegen wurden ein Klima- und Umweltmanifest sowie ein Klima- und Energieleitbild erarbeitet. Für Winklarn wurde auch eine 'Raus aus dem Öl'-Resolution unterschrieben. All diese Maßnahmen habe ich eingebracht, denn ich wollte für die Gemeindebürgerinnen und -bürger sowie die nächsten Generationen Winklarn hinterlassen, in dem sie gerne wohnen und sich wohlfühlen“, unterstreicht Dorner-Leyerer.

„Geschafft, Schulden abzubauen“

Trotz Pandemie, weniger Ertragsanteile und sehr schwierigen Zeiten, habe sie es geschafft, Schulden abzubauen. „Ich habe Menschen neue Heimat gegeben, habe die Lebensqualität durch Maßnahmen in der Sicherheit geschaffen und bin stolz auf die vielen Projekte, die ich umsetzen konnte. Angefangen vom Umbau am Gemeindeamt, damit der Gemeinderat einen Sitzungssaal bekam und eine Räumlichkeit für eine Kindergartengruppe entstand. Die Reihenhaussiedlung wurde gebaut, wie auch das Feuerwehrhaus in der Steinfeldstraße. Mit dem Ankauf eines Elektrobusses, konnte am 1.3.2021 der ehrenamtliche Fahrtendienst begonnen werden“, so Dorner-Leyerer.

PV-Anlagen & Co.

Alle kommunalen Dächer seien mit einer Photovoltaikanlage versehen und das Bürgerbeteiligungsprojekt am Dach der Stocksportanlage umgesetzt worden, in Summe seien das rund 300 kWp. „Damit sich die Winklarner in einem Blackout sicher fühlen konnten, wurde ein Notstromaggregat angeschafft. Mit dem Ankauf der Schnuppertickets, der bereits neu hergestellten Bushaltestellen und der neuen Buslinie nach Neuhofen wollten wir den öffentlichen Verkehr für alle attraktiver gestalten. Der Breitbandausbau wurde auf Schiene gebracht und mit Ende 2027 soll im gesamten Gemeindegebiet der LWL Ausbau vollbracht sein. Mit der Baustelle im Ort Winklarn im Jahr 2023 wurden Leitungen erneuert bzw. erweitert, wie die EVN-Leitungen, Wasserleitungen, Leerverrohrungen für Breitband und die letzten Straßenbeleuchtungen wurden auf LED umgestellt. Damit hat Winklarn zu 100 % auf LED-Beleuchtung umgestellt“, gibt Dorner-Leyerer einen weiteren Überblick.

Im Bereich Gasthaus Graf sei die Straße verbreitert und für die Sicherheit der Fußgänger ein Gehweg geschaffen worden. Durch die neuen rund 20 „nicht versiegelten“ Parkplätze im Ort sei zugleich ein großer Versickerungskörper darunter geschaffen worden.

Das neue Tanklöschfahrzeug in Höhe von € 644.000,- sei Anfang 2023 bestellt worden und bereits ausfinanziert.

Begleitetes und Junges Wohnen als „Herzensprojekt“

„Eines meiner Herzensprojekte war das Begleitete und das Junge Wohnen. Im Oktober 2023 war der Einzug, Winklarn konnte älteren und jungen Menschen Heimat zu leistbaren Mieten geben. Eine Betreuungsvereinbarung, die als Gemeinde angeboten wird und eine Vertrauensperson für die ältere Generation, die viele Angebote setzt, damit sich alle wohlfühlen, mittendrin sind und auch gefördert werden, zeigt von Einzigartigkeit“, so die scheidende Ortschefin.

„Ich hatte stets ein offenes Ohr für die Vereine, denn auf sie konnte ich mich verlassen, wenn es um Veranstaltungen ging. Sie alle leisten wertvolle ehrenamtliche Arbeit und bieten den Jugendlichen und vielen Anderen eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung. Wichtig war mir immer die Unterstützung in der Bildung bei den Projekten in der Volksschule und im Kindergarten, Voraussetzungen zu schaffen, damit das Lernen Spaß machen kann. Ich blicke auf die 'Safety Tour' mit 500 SchülerInnen und auf das 49. Landestreffen der NÖ Feuerwehrjugend mit 6000 Jugendlichen zurück. Auch 50 Jahre gelebte Gemeindepartnerschaft mit Winklarn in der Oberpfalz sind zu erwähnen, da in diesem Jahr das Jubiläum gefeiert wird. Das Wohl der Gemeindebürgerinnen und -bürger stand immer an erster Stelle. Die Weiterentwicklung und Gestaltung der Gemeinde war mir ein großes Anliegen. Mit mir konnte man immer reden“, so Dorner-Leyerer abschließend.


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