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Andorf. Schon oft sind die Neuen Mittelschulen ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Für Waltraud Desch, Direktorin der Neuen Mittelschule Andorf, ist diese Kritik nur schwer nachvollziehbar: „Unseren Schülern geht“s gut, wenn sie weiter in eine höhere Schule gehen.“ Das pädagogische Konzept in Andorf: Fördern und fordern.

Kitti Fuller und Ines Guerra fühlen sich in der Neuen Mittelschule Andorf wohl.
Kitti Fuller und Ines Guerra fühlen sich in der Neuen Mittelschule Andorf wohl.
„Den Wind können wir nicht beeinflussen, aber wir können die Segel setzen“ – an dieses einfache Motto wollen sich die Lehrer der Neuen Mittelschule Andorf (NMS) halten. „Wir gestalten unsere Schule selbst“, sagt Direktorin Waltraud Desch. Wie das gelingt? Ein engagiertes Team aus vielen begeisterten Lehrern zieht an einem Strang und trifft alle Entscheidungen gemeinsam. Und weil es auch vorkommt, dass sich die Lehrkräfte mal nicht einig sind, können sie auf ein professionelles Coaching zurückgreifen. Viel hat sich für die Schüler in Andorf seit der Umwandlung der Hauptschule zur Neuen Mittelschule nicht geändert. Die Abschaffung der Leistungsgruppen und die Änderung des Notensystems traf die Andorfer Schule nicht sehr hart, da die Schüler hier schon seit 25 Jahren nicht mehr in Leistungsgruppen eingeteilt wurden. Auch auf die neue Unterrichtsform haben Andorfs Lehrkräfte ihre Klassen schon drei Jahre vor der Umstellung vorbereitet. Viele paxisbezogene, kompetenzorientierte Aufgaben ermöglichen den Jugendlichen ein nachhaltiges Wissen. Nach einem kurzen Input machen sich die Schüler an die Aufgaben mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden. In jedem Hauptfach werden die Unterrichtsstunden von zwei Lehrern gestaltet. Oft widmet sich einer der beiden Lehrkräfte nur einer Hand voll Schülern und unterstützt sie so lange beim Erlenen des Stoffs, bis sie den Anschluss wieder gefunden haben. Die Schule legt den Grundstein für den Spaß am Lernen Ziel ist es, den Kindern an der NMS Andorf so viel Wissen mitzugeben, dass sie an einer höheren Schule bestehen können, und dabei den Unterricht so zu gestalten, dass die Schüler ein Leben lang Freude am Lernen haben. „Unsere Schüler sollen gerne in die Schule gehen und nicht mit Frust“, sagt Direktorin Desch. „Ein Großteil unserer Schüler will später eine höhere Schule besuchen. Die anderen freuen sich auf die Lehre“, verrät die Direktorin. Viele Nahtstellengespräche zum Beispiel mit der HTL Andorf oder Schwerpunktfächer wie „Angewandte Mathematik und Chemie“ erleichtern dieses Vorhaben. Die gebürtige Ungarin Kitti Fuller (15) kam erst vor zweieinhalb Jahren nach Österreich. Damals sprach sie kein Wort Deutsch – kaum vorstellbar, denn ihre Herkunft hört man ihr heute nicht mehr an. „Ich bekam in der NMS Andorf viel Hilfe von den Schülern und den Lehrern.“ Das spricht für eine funktionierende Schulgemeinschaft. Weil sie später ins Borg Ried mit Naturwissenschaftlichem Zweig gehen will, hat sie den Schwerpunkt „Angewandte Mathematik und Chemie gewählt. „Es ist eine gute Vorbereitung“, sagt sie. Gemeinsam mit Freundin Ines Guerra (14), die in Mexiko aufgewachsen ist, unterstützt die Viertklässlerin auch andere Schüler beim Lernen. „Durch unseren Schwerpunkt können wir anderen Schülern helfen.“ Nachmittagsbetreuung kommt bei Schülern gut an Zu dem vielseitigen Angebot, das den Schülern in der NMS Andorf geboten wird, gehört neben einer Theatergruppe, Englisch für Fortgeschrittene, Informatik und vielem mehr auch die Nachmittagsbetreuung. Mit 110 Schülern ist sie die größte im Bezirk und schon jetzt gibt es 115 Anmeldungen fürs nächste Jahr. Für jedes der Fächer Deutsch, Englisch und Mathematik steht den Kindern am Nachmittag ein Lehrer zur Seite, der ihnen bei Problemen, bei den Hausaufgaben oder bei der Vorbereitung für eine Schularbeit hilft. Auch Schüler türkischer Abstammung sind in Andorf gut integriert und fast alle sind gute Schüler, so auch die zwölfjährige Fatma Akcay, die eines Tages Ärztin werden will. Derzeit besucht sie die dritte Klasse und ist von der Nachmittagsbetreuung, die sie schon seit drei Jahren nutzt, begeistert: „Man kann den Lehrern Fragen stellen und sie helfen einem. Das wirkt sich auch positiv auf die Noten aus. Und zu Hause kann man dann die Freizeit voll ausnützen.“

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