Junge Arnreiterin kämpft gegen illegale Waisenhäuser in Ghana
ARNREIT. In Ghana leben tausende Kinder in Waisenhäusern – obwohl sie eine Familie haben. Armut und Sozialtourismus machen diese Kinder zu „Waisen“. Susanne Gahleitner aus Arnreit, die 2017 zehn Monate in Ghana verbracht hat, kämpft heute gegen diese illegalen Waisenhäuser.

Jedes Kind hat ein Recht auf Familie: Davon ist Susanne Gahleitner überzeugt, die seit einem Jahr stellvertretende Obfrau im sechsköpfigen, ehrenamtlichen Vorstand des Vereins Braveaurora ist. Sie alle setzen sich für den Kinderschutz in Ghana ein und kämpfen als Pionierinnen gegen illegale Waisenhäuser. „Wir arbeiten in Nordghana daran, dass Kinder nicht aufgrund von Armut abgegeben werden, sondern bei ihren Familien aufwachsen können“, betont die junge Arnreiterin.
Sozialtourismus boomt
Innerhalb von wenigen Jahren ist in Ghana die Zahl der Waisenhäuser von fünf auf 148 angestiegen. Denn der Sozialtourismus boomt. „Immer mehr Freiwillige wollen in ihrem Urlaub etwas Gutes tun und sind bereit, viel Geld dafür zu zahlen. Der Verkaufsschlager ist die Arbeit mit Waisenkindern. Weil mittlerweile die Nachfrage das Angebot übersteigt, werden Kinder von ihren von massiver Armut betroffenen Familien gerissen und in Waisenhäuser gesteckt“, klärt Susanne Gahleitner auf. Die großen Gewinner sind Internetagenturen, die Aufenthalte vermitteln und kräftig abkassieren.
Kinder kehren zurück zu ihren Familien
Der Verein Braveaurora, der vor elf Jahren als Projekt junger Studentinnen gestartet wurde und heute ein landesweites Vorzeigeprojekt ist, setzt sich für die Schließung dieser Waisenhäuser ein. „Seit März 2017 besteht eine offizielle Zusammenarbeit mit Unicef Ghana, durch die bereits 30 Häuser geschlossen werden konnten“, freut sich Gahleitner. Rund 800 Kinder und ihre Familien wurden begleitet und fachlich beobachtet. Ziel ist zudem, durch Bildung und Berufschancen Perspektiven zu schaffen. „Die hohe Armut muss bekämpft werden, damit Familien nicht so verzweifelt sind, ihre Kinder in ein Waisenhaus abzugeben – im Glauben, ihnen somit eine bessere Zukunft zu ermöglichen.“ Mit Hilfe lokaler Ausbildner können Menschen in entlegenen Dörfern in Nordghana unterschiedliche Berufe erlernen, eigene Geschäfte aufbauen und somit selbständig Wege aus der Armut gehen.
Mehr über den milliardenschweren Freiwilligentourismus, illegale Waisenhäuser und wie eine nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit funktionieren kann, erfahren Interessierte beim Vortrag mit Diskussion mit Susanne Gahleitner und Alea Pleiner am Samstag, 11. Jänner 2020, 21 Uhr im Musik-Kulturclub Lembach. Im November und Dezember gibt es außerdem zwei Termine in Linz. www.braveaurora.com


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