Wider das Vergessen: Todesmarsch durch Asten
ASTEN. Wie die Marktgemeinde Asten das Ende des zweiten Weltkriegs erlebte und was es mit den Todesmärschen auf sich hatte, erfahren Sie in einer zweiteiligen Serie der Tips-Ausgabe Enns.

Im Zuge der Astener Gemeinschaftstage (9. bis 18. Juni) fand am Gemeindeamt vergangene Woche eine Ausstellung mit dem Titel „Wider das Vergessen“ mit Wolfgang Neuwirth und Helmut Reisinger statt. Tips hat sich genauer damit beschäftigt und ist in der Zeit zurückgereist.
Das KZ Mauthausen
Das Konzentrationslager (KZ) Mauthausen war das einzige KZ auf österreichischem Territorium, es wurde unmittelbar nach dem Einmarsch deutscher Truppen im März 1938 gegründet. Als sich Anfang 1945 die Häftlingszahlen drastisch erhöhten, musste ein Zeltlager für die Neuankommenden errichtet werden. „In dieses provisorische Lager, in dem fürchterliche hygienische und sanitäre Zustände herrschten, wurden bis zu 15.000 Menschen gepfercht“, so Helmut Reisinger. Ehe die US-Armee am 5. Mai 1945 in das Lager einmarschierte, kamen Tausende Häftlinge bei den sogenannten Todesmärschen ums Leben.
Die Todesmärsche
Sie lassen sich in drei Gruppen unterteilen: die Märsche aus dem Süden und Osten nach Mauthausen, die Märsche von den Außenlagern nach Mauthausen und die Märsche von Mauthausen nach Gunskirchen. „Für die lokale Betrachtung der Astener Geschichte sind die letztgenannten von besonderer Bedeutung, da diese Märsche durch das Ortsgebiet führten“, sagt Reisinger. Dabei musste folgende Strecke bewältigt werden: KZ Mauthausen, Donaubrücke, Ennsdorf, Enns, Asten, St. Florian, Fleckendorf, Ansfelden, Kremsdorf, Pucking, Weißkirchen, Schleißheim, Thalheim, Wels, Gunskirchen, St. Marien und Neuhofen an der Krems.
Tausende Tote
Die Märsche (Marschstrecke zirka 60 Kilometer) waren für drei Tage angesetzt und führten auf den öffentlichen Straßen und Wegen bis zum Waldlager Gunskirchen. „Die Mehrheit der Marschierenden waren ungarische Juden, die davor am Südostwall Schanzarbeiten leisten mussten und dann nach Mauthausen evakuiert wurden“, so Reisinger. Die geschätzten Zahlenangaben bewegen sich bei 20.000 Marschierenden und zirka 15.000 am Ziel Ankommenden.
Astener Chronik
Durch Asten führte nur einer dieser Märsche: höchstwahrscheinlich am 16. April. „Im April 1945 werden ungarische Juden auf ihrem Todesmarsch von Mauthausen nach Gunskirchen auch durch Asten getrieben. Am 16. April 1945 erfolgte laut Bericht des Gendarmeriepostens Enns ein Todesmarsch durch Asten. Im Ortsgebiet von Asten starben mindestens zehn Häftlinge an Erschöpfung oder wurden einfach im Straßengraben erschossen und anschließend an der Friedhofsmauer in einem Massengrab im Ortsfriedhof begraben. Eine Gedenktafel an der Friedhofsmauer erinnert an die zehn begrabenen Häftlinge“, ist in der Astener Chronik zu lesen.
Zeitzeugin
„Damals waren wir Schüler in der Volksschule Asten und Hauptschule Enns, da unsere Hauptschule in Linz im Dezember 1944 ausgebombt worden war. Ende April 1945 war ich nach einem Schulbesuch in Asten um die Mittagszeit am Nachhauseweg nach Raffelstetten, der mich am Ortsfriedhof vorbeiführte. Durch den Friedhofshaupteingang sah ich einen Berg von mehreren Leichen, die übereinander lagen. Obenauf lag der Leichnam eines jungen Mannes mit roten Haaren und einer erkennbaren Kopfverletzung, möglicherweise von einem Einschuss. Insgesamt waren es wahrscheinlich zehn Leichen.“ Dieses Interview mit Anna Bubla wurde am 6. März 2017 von Helmut Reisinger aufgenommen.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden