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Atterseer übergeben Petitionsliste an Bürgermeister mit Forderung nach leistbarem Wohnen

Leserartikel Mag. Doris Breinstampf, 01.06.2015 13:20

ATTERSEE. Vor kurzem übergaben Jungfamilien aus Attersee eine Petition mit 477 Unterschriften an den Bürgermeister Walter Kastinger. Inhalt der Petition ist die Forderung zur Einführung eines Vorbehaltsgebietes und leistbares Wohnen in Attersee. Nachdem der Ort Attersee mit Abstand die höchsten Grundstückspreise rund um den See aufweist, verlangen die Bürger einen Stop von weiteren Zweitwohnungen.

Die Initiatoren übergeben Walter Kastinger die Petition
Die Initiatoren übergeben Walter Kastinger die Petition
Das Thema von zu wenigen Hauptwohnsitzen in Attersee ist kein neues. Bereits 2007 stand im Rahmen der Agenda 21 die Förderung von Hauptwohnsitzen in Attersee an der Tagesordnung. Neu auf den Tisch kam das Thema „leistbares Wohnen“ im Rahmen der Bürgerratssitzung im Oktober 2014, wo sich viele junge, aber auch ältere Menschen mit Hauptwohnsitz in Attersee für leistbare Wohnungen in Attersee aussprachen. „Ich weiß nicht, ob meine Kinder einmal in Attersee bleiben können, bei diesen Grundstückspreisen“, so eine besorgte junge Mutter aus Attersee. Was zur Zeit in Attersee geschieht, ist eine Abwanderung von jungen Familien, aufgrund nicht leistbarer Grundstücke bzw. Miet- oder Eigenheimen, in die Nachbargemeinden. Die aktuellen Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Minus 104 Prozent Nebenwohnsitze und damit Platz zwei für Attersee bei den Nebenwohnsitzgemeinden in Oberösterreich.  Was bedeutet das konkret für das Ortsleben, Jungfamilien? Nachwuchsproblem in Vereinen (Feuerwehr, Sport, Musik, Kirche,..)  Überalterung und die damit verbundenen Probleme einer Betreuung unserer Alten. Vereinsamung  Ortszentrum? Diese Frage kann man Touristen nach wie vor nicht beantworten   Teure Instandhaltung der Gemeinde für Infrastruktur - auch für Zweitwohnungsbesitzer   Wenige Kinder in Kindergärten, Schulen (keine Nachmittagsbetreuung für berufstätige Eltern - das Problem gibt es schon seit mindestens 30 Jahren) Schon heute hat die Volksschule Attersee nur mehr drei Klassen    Kaufkraft & Wertschöpfung nehmen ab? Wie wirkt sich ein hoher Anteil an Zweitwohnungsbesitzer konkret aus? Richtig spürbar wird das Missverhältnis, wenn beispielsweise notwendige Renovierungsarbeiten (Asphaltausbesserung, Mülltonnenüberdachung etc.) von Mehrparteienhäuser ansteht und die Mehrheit der Hauseigentümer einen Freizeitwohnsitz (=Zweitwohnsitz) angemeldet hat. „Natürlich macht es in der jeweiligen Entscheidung einen Unterschied, ob ich das ganze Jahr über hier wohne oder eben nur an zwei oder drei Wochen im Jahr,“ so ein betroffenes Paar aus Attersee. Notwendige Umbaumaßnahmen bleiben dann eben aus.  Doch wie hoch ist die Anzahl an Nebenwohnsitzen in Attersee und die damit korrelierenden Grundstückspreise? Laut einer Publikation in „Attersee Impulse“ vom Februar 2015 rangiert die Ortschaft Attersee oberösterreichweit an Platz 2, wenn es um das Verhältnis von Haupt- zu Nebenwohnsitzen geht. Grundstücke rund um den See sind heiß begehrt, was sich nicht zuletzt bei den Grundstückpreisen äußert - allerdings für Einheimische kaum leistbar. Für die ansässige Bevölkerung und deren Nachwuchs rückt die Möglichkeit in ein eigenes Heim zu investieren, in weite Ferne. Im Vergleich zu anderen Gemeinden rund um den Attersee liegen die Grundstückspreise in Attersee am höchsten. Im österreichweiten Vergleich (Bauland) wird der maximale m² Preis von 350 Euro pro m2 bei Seengemeinden von ganz Österreich erzielt! Velden am Wörterseeliegt bei 200 Euro pro m2.  Einführung eines Vorbehaltsgebietes gefordert Mit der Petition fordern 477 Gemeindebürger aus Attersee - und das sind immerhin 36,41 % der Wahlberechtigten die Einführung eines „Vorbehaltsgebietes“. Unter den Befürwortern zur Einführung eines Vorbehaltsgebietes finden sich neben Jungfamilien auch Grundstückseigentümer wie Bauern, Hauseigentümer mit Hauptwohnsitz , ja sogar Zweitwohnungsbesitzer. „Irgendwann ist der Zenit erreicht, in Attersee alle schönen Plätze zu verbauen für jene, die nur an Wochenenden oder 1 - 3 Wochen im Jahr hier sind, so eine weitere Wortmeldung. Attersee braucht Menschen, die am Ortsleben und der Gemeinschaft teilnehmen und den Ort so zur Blüte verhelfen. Enttäuscht äußern sich die Initiatoren der Petition über die Wahlsager so mancher Politiker, wo es sich bei Einführung eines Vorbehaltsgebietes um „kommunistischen Maßnahmen“ handle, obwohl dies ein Landesgesetz ist. „Schließlich haben 477 Personen unterschrieben, die sich einen lebenswerten Ort Attersee mit vielen Einheimischen dringend wünschen.“   Vorbehaltsgebiete wurden bereits in Weyregg, Seewalchen und Mondsee realisiert. Die Gmundner FPÖ greift das Thema nun auch für die Stadt Gmunden auf. Die Bürger fordern daher ein Stopp von zusätzlichen Zweitwohnsitzen in Form der Einführung des OÖ Landesgesetzes eines Vorbehaltsgebietes. Die Petition verfolgt keine politischen Ziele und ist überparteilich und richtet sich nicht an bestehende Zweitwohnungsbesitzer.

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