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BAD GOISERN. Der Austropop hat am Sonntagabend einen seiner wegbereitenden Väter verloren: Wilfried Scheutz, geborener Goiserer und legendäre Sänger von Nummern wie „Ziwui, Ziwui“, ist im Alter von 67 Jahren seinem Krebsleiden erlegen. 

Wilfried Scheutz war immer wieder auch im Salzkammergut zu Gast, etwa beim "5-Uhr-Tee" in Ebensee im Oktober des Vorjahres, wo er mit den Provos zu hören war - jener Band, Band mit der die musikalische Karriere des Austropoppers begonnen hat. Foto: Hörmandinger

„Er hat den Pop mit dem Rock 'n' Roll, dem Jazz, Blues und der Volksmusik versöhnt und daraus Eigenständiges geschaffen“, würdigte Wiens Kulturstadt Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) den Verstorbenen. „Wilfried hat uns immer wieder überrascht und ist sehr eigene, neue Wege gegangen“, schloss sich SPÖ-Klubobmann Andreas Schieder an.

Volksmusikalisches und angelsächsische Rhythmen

Dabei hatte der am 24. Juni 1950 in Bad Goisern geborene Wilfried Scheutz durchaus kommerziellen Erfolg mit seiner eigenen Auslegung der Austropop, für die er Volksmusikelemente mit angelsächsischen Rhythmen verband - eine kreative Mischung, die nicht zuletzt im elterlichen Gasthaus als Treffpunkt für ortsansässige Musikanten geschmiedet wurde. 

Nummern wie „Mary Oh Mary“ schafften sogar den Sprung in die vorderen Ränge der Ö3-Hitparade. Mit unvergesslichen Liedern wie „Country Blues“ oder „Lauf Hase, lauf“ setzte sich Wilfried in den 1970ern und 1980ern an die Spitze jener Bewegung, die das österreichische Idiom mit popmusikalischer Interpretation verbanden. Als Sänger der Ersten Allgemeinen Verunsicherung von 1978 bis 1979 ging er einen weiteren Schritt in Richtung Breitenwirksamkeit.

Enttäuschen beim Song Contest

Dass diese international trotz ungewöhnlicher Stücke wie „Orange“ oder „Highdelbeeren“ weniger gegeben war, zeigte sich 1988 beim Eurovision Song Contest im irischen Dublin: Wilfried erreichte mit „Lisa Mona Lisa“ und 0 Punkten nur den letzten Platz. Die Medienschelte zu Hause war ebenso groß wie die Enttäuschung, und so zog sich der Sänger zunehmend aus dem Medienbetrieb zurück, auch wenn er für die eigene Niederlage durchaus humorvolle Verarbeitungsmöglichkeiten wie die Folgesingle „Danke Österreich“ oder das Kabarettprogramm „Schrott sei Dank“ fand.

Von Kabarett bis Schauspiel 

Seinen Fans blieb der Barde dabei stets eng verbunden, und so wundert es nicht, dass er auch dann primär unter seinem Vornamen bekannt blieb, als er selbst schon mit dem Zusatz Scheutz auftrat. Daran änderte sich auch nichts, als Wilfried ab den 1990ern zunehmend als Schauspieler aktiv wurde und etwa bei Felix Dvoraks Berndorfer Festspielen oder bei Elfriede Ott in Maria Enzersdorf spielte. 

Letztes Album mit Sohn Hanibal vor wenigen Wochen erschienen

Dennoch ließ Wilfried die Musik nie los. 1996 gründete er die A-cappella-Gruppe „4Xang“ und wurde auf der Suche nach kreativem Austausch in der eigenen Familie fündig: Sohn Hanibal, Mitglied der Wienerliedcombo 5/8erl in Ehr'n, war mit ihm in der Jazzformation Fathers'n'Sons zu erleben, bevor die beiden mit der „Neuen Band“ 2011 durchstarteten und alte Hits des Vaters neu arrangierten.

Mit dem Tod ihres Schöpfers ist die erst vor wenigen Wochen erschienene Platte „Gut Lack“ nun zum Vermächtnis des Austrobarden geworden. Auf der Platte vereint der Querdenker nochmals die verschiedenen Einflüsse seiner Karriere zu seinem ganz eigenen Amalgam, wobei auch hier Sohn Hanibal mit von der Partie war.

Gedenksendungen auf Ö1, FM4 und Servus-TV

Diesem Klang können Freunde, Fans und Wegbegleiter nun nochmals nachspüren, widmet Ö1 dem Verstorbenen doch heute, Montagabend, die Sendung „Spielräume“ (ab 17.30 Uhr) und FM4 die „Homebase Parade“ (ab 21 Uhr). Und Servus TV würdigt Wilfried im Hauptabendprogramm am Dienstag mit einem Porträt, das Rudi Dolezal über Wilfried erstellte, bevor im Anschluss der Konzertmitschnitt „Wilfried in Concert: Wieder da! Live in Wien“ folgt.


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