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BAD KREUZEN. Noch ist auf vielen Wiesen im Mühlviertel eifriges Gänsegeschnatter zu hören. Doch nachdem der Gänsebraten zu Martini und auch zu Weihnachten ein beliebtes Festessen ist, wird es dem lieben Federvieh bald an den Kragen gehen. Dann sorgt das Gansl für Fleischgenuss in Begleitung von Knödeln und Blaukraut und für erholsamen Schlaf auf weichen Daunenkissen.

Inmitten schnatternder Gänseschar: Barbara und Helmut Riegler mit den Töchtern Agnes und Josefa.
  1 / 3   Inmitten schnatternder Gänseschar: Barbara und Helmut Riegler mit den Töchtern Agnes und Josefa.

Ob der Verrat des im Stall versteckten Martin von Tours nach seiner Bischofswahl Grund für das traditionelle Martinigansl ist liegt im Bereich der Legende. Vielleicht aber hat auch er selbst die Gänse zum Fressen gern gehabt. Sicher ist, dass sie als regionale Spezialität von heimischen Ganslbauern frisch vermarktet werden. Barbara und Helmut Riegler vulgo Starzhofer in Mitterdörfl entschieden sich vor rund zehn Jahren für die Haltung von Weidegänsen, weil damals in der Umgebung niemand welche gehabt hat. Mitte Mai kommen die Gössel (Gänseküken) zum Starzhofer. Nach intensiver Aufzuchtphase im Stall dürfen die Gänse schon bald auf die grüne Weide.  Nach sechs Wochen sind sie vollständig befiedert und dürfen den Regen draußen genießen. Zum Weidegras wird hofeigenes Biogetreide gefüttert. Anders als ihre gemästeten Artgenossen setzen sie dabei weniger Fett an und landen schließlich als kulinarischer Höhepunkt am Tisch.

Weitere Standbeine garantieren gute Lebensqualität

Dazu kommen beim „Starzhofer“ Wildmasthendl, die ebenso biologisch gefüttert werden. Die Rieglers haben sich aus Überzeugung der biologischen Landwirtschaft verschrieben: „Biologische Landwirtschaft hat im Mühlviertel Zukunft. Es gibt schon jetzt eine hohe Dichte an Biohöfen. Wir haben uns für extensive Bewirtschaftung und für eine Nische entschieden.“  Sowohl die Gänse als auch die Hendl werden am Hof geschlachtet und ab Hof verkauft. Ein weiteres Standbein des Biobetriebes ist die Vermarktung von Rindfleisch der selten gewordenen Rasse der Murbodner. „Sie sind bei uns auch bekannt als Steirer-Ochsen und wurden vor dem Pferd als Zugtier gehalten,“ erklärt Helmut Riegler. Gattin Barbara hat die Fachhochschule für Produkt- und Projektmanagement im Lebensmittelbereich absolviert und eine besondere Vorliebe für naturnahes Gärtnern. „Mein Großvater war der letzte Schlossgärtner auf der Burg Clam. Ich habe ein Folienhaus für die Pflanzen von ihm geerbt.“ Die vierfache Mutter von Johanna, Paul, Agnes und Josefa hat darüber hinaus eine Ausbildung in Traditioneller Europäischer Heilkunde und Naturkosmetik.  Sie ist Seminarbäuerin und betreut auch Schulklassen am Bauernhof. Dabei stehen unter anderem Äpfel klauben, heuen oder Waldspaziergänge am Programm. „Die Landwirtschaft sichert meinen Arbeitsplatz, sie erhält sich selbst, wirft darüber hinaus jedoch keinen monetären Gewinn ab. Dafür haben wir eine gute Lebensqualität, das wollen wir auch den Besuchern unseres Hofes vermitteln,“ sagt Barbara Riegler abschließend.   

Mehr über Mühlviertler Weidegänse und ihre Direktvermarkter ist zu finden auf  www.weidegans.at


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