Vernähte Geschichten
Bad Leonfelden. Die Aktion „99 Sachen, die wir im Mühlviertel machen“ setzt sich zum Ziel, das typisch Mühlviertlerische in allen Lebensbereichen zu entdecken und ins Licht zu rücken. Was ist besonders liebenswert, traditionell, originell, lustig oder bewundernswert am Mühlviertel und an den Mühlviertlern. Rosa Luise Reingruber aus Bad Leonfelden näht Erinnerungsquilts – besondere Decken und Taschen.

„Wir Mühlviertler haben schon immer gelernt, Gebrauchtes in Neues zu verwandeln. Diese Tradition hat mich dazu veranlasst Quilts zu nähen, die den Besitzer an einen geliebten Menschen erinnern“, erklärt Rosa Luise Reingruber, die ihre Leidenschaft nun in eineselbstständige Tätigkeit umgewandelt hat.
So entstehen während zahlreicher Stunden an der Nähmaschine Taschen, Wandbehänge, Pölster, Kuscheldecken und Tischläufer. Nur ein Bereich liegt Reingruber nicht: „Kleider nähen, das ist nichts für mich.“
Belächelt wurde Reingruber von Bekannten und Verwandten für die Idee niemals, im Gegenteil. „Sowohl mein Mann als auch Menschen, die mir nahestehen, unterstützen mich von Anfang an“, erklärt Reingruber, die quasi seit zehn Jahren an „der Nadel hängt“, wie sie selbst scherzhaft behauptet. Mundpropaganda, das Präsentsein auf Märkten oder Ausstellungen zahlte sich schnell aus. Heute kommen Reingrubers Kunden nicht nur aus Bad Leonfelden und der näheren Umgebung. Sogar aus dem Innviertel erhält Reingruber Aufträge. „Es freut mich, dass meine Kreativität den Leuten gefällt“, erzählt Reingruber mit einem Lachen auf dem Gesicht.
Fast alles wird verarbeitet
Die Menschen, die ihre alten Kleidungsstücke Reingruber anvertrauen, tun dies aus unterschiedlichsten Beweggründen. Da gibt es die Hausfrau, die sich von ihrer Lieblingsjacke nicht trennen kann oder die Mutter, die aus den zu klein gewordenen T-Shirts ihrer Kinder eine Kuscheldecke herstellen lässt. Und es gibt auch berührende Gründe für Aufträge, wie die 56-Jährige berichtet: „Kürzlich kam eine Großmutter mit Kleidungssücken ihrer Tochter zu mir. Diese wurde bei einem Verkehrsunfall getötet. Aus den Erinnerungsstücken machte ich eine Decke für die Enkel, um die sich die Oma jetzt kümmert und aufzieht. Diese Decke soll die Kinder an ihre verstorbene Mutter erinnern“.<


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