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In Dollbach entstand eine Anlage für das Verarbeiten von Nüssen. Vom Knacken bis zum Verpacken kann hier alles rund um die Verwertung der Nuss angeboten werden. Tips war dort und hat sich umgesehen.

Im Nussland werden Nüsse nicht nur geknackt Foto:SH
Im Nussland werden Nüsse nicht nur geknackt Foto:SH

Der kühle Wind und das herbstliche Licht kündigen es schon an. Es ist wieder Nusszeit. Auf Österreichs Wiesen und Feldern stehen über eine Million Nussbäume. „Ein Nussbaum“, so Julia Taubinger „trägt zwischen 20 und 100 Kilogramm“. Ein Potential, das in Österreich bisher nicht genutzt wurde. Die meisten Nüsse werden aus Israel, Chile oder Kalifornien importiert. Gemeinsam mit Marcus Schindelegger wurde eine automatische Nussknackmaschine gekauft und in Eigenregie zusammengebaut. Auf die Idee automatisch Nüsse zu knacken, kamen die beiden als sie merkten, dass sie ihre eigenen Nüsse nicht kostendeckend verarbeiten konnten. „In Osteuropa werden zwar Nüsse verarbeitet, aber meist unter sehr schlechten hygenischen und sozialen Standards“, sagt Julia Taubinger. „Wir möchten regionales Angebot mit hoher Qualität verbinden“, erklärt die Fachfrau. Sie kommt selbst aus einer Mühle und weiß deshalb über die Verarbeitung von Agrarprodukten Bescheid. Im Nussland können Nüsse nicht nur geknackt, sondern auch zu Mehl in unterschiedlichsten Feinheitsgraden gemahlen werden.

Von der Schale zur Frucht

Nachdem die Nüsse angeliefert wurden, werden sie sortiert, nach Größe geordnet und anschließend in die Knackanlage befördert. „Wir nehmen jede Menge an. Auch wenn es nur einige Kilo vom eigenen Baum sind“, hält Julia Taubinger fest. „Wir wollten ein Angebot schaffen, dass sowohl lokale, regionale und weiterverabeitende Produzenten − wie zum Beispiel Bäcker − als auch Privatpersonen einschließt“, beschreibt die Unternehmerin ihre Herangehensweise. In der Knackanlage werden die getrockneten Nüsse geknackt und anschließend durch eine Lasermessung von Schalenresten getrennt. „Dieser Laser arbeitet mit einer Genauigkeit von 98 Prozent“, ergänzt Marcus Schindelegger. Um die gewünschte erstklassige Qualität zu erreichen, wird zum Schluss von Hand kontrolliert und bei Bedarf aussortiert.

Ernten leicht gemacht

Das „Nussklauben“ ist nicht gerade eine rückenschonende Angelegenheit. Deshalb gibt es Nussroller, die die Nüsse in einem rollbaren Metallkäfig einfangen und über Haken am Kübel wieder freigeben. Damit lässt sich ganz entspannt und innerhalb kürzester Zeit eine beachtliche Menge Nüsse sammeln. Dieser Nussroller lässt sich kostenfrei im Nussland ausborgen. Dort wird der Roller aber bald obsolet. Die Nussexperten haben in den vergangen Jahren 500 neue Bäume gepflanzt. War der Ertrag dieses Jahr mit genau 500 Stück noch eher überschaubar, wird sich das in den nächsten Jahren rasant ändern. In 15 bis 20 Jahren wird jeder Baum zirka 150 Kilo tragen. „Dafür gibt es aber Maschinen“, schmunzelt der Techniker Marcus Schindelegger. Aber nicht nur die Kerne, auch die Schalen können weiterverarbeitet werden. „In der Flugzeugindustrie werden fein geriebene Nussschalen zum Sandstrahlen verwendet“, weiß Julia Taubinger. „Sie eignen sich aber auch als Heizmaterial“, fügt die Kennerin hinzu.

Richtige Lagerung

Nüsse müssen nicht extra haltbar gemacht werden. In der Schale sind sie bestens konserviert. Wichtig ist, dass sie nach der Ernte getrocknet werden. „Im Oktober geerntete Nüsse müssen ungefähr bis Mitte November trocknen“, betont Taubinger. Schneller geht es wenn sie warm belüftet werden. Dann reichen einige Tage. Dabei ist aber darauf zu achten, dass die Temperatur nicht über 28 Grad beträgt. Die Früchte werden sonst schwarz. Die Anlage zur Verarbeitung von Nüssen ist in Europa einzigartig. Damit können die Nüsse vor Ort gelagert und auch verarbeitet werden. Der mühsame Transport über tausende Kilometer entfällt. Das schont zum einen die Umwelt und zum anderen kann keine Kühlkette unterbrochen werden. Nusskerne werden bei schlechter Lagerung sehr schnell ranzig.

Regionaler Mehrwert

Ein Umstand der sich ab jetzt vermeiden lässt. Julia Taubinger und Marcus Schindelegger zeigen, dass Produkte des alltäglichen Lebens nicht ressourcenverschwendend über weite Strecken nach Österreich transportiert werden müssen. Eigeninitiative, Kreativität und Fleiß lassen die beiden einen Weg gehen, der sicher nicht immer leicht ist, aber unserer Umwelt und damit auch uns allen zu Gute kommt.


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