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Manfred Hartl, der musikalische Sagen- und Geschichtenerzähler aus Weisching

Thomas Lettner, 20.09.2017 12:00

BÖHEIMKIRCHEN. Sagen und Märchen - ob aus tausend und einer Nacht bis zu den Gebrüdern Grimm - haben es Manfred Hartl seit seiner Kindheit angetan. Besonders am Herzen liegen dem 61-Jährigen die Erzählungen aus seiner Heimatgemeinde Böheimkirchen und der umliegenden Region. In seinen musikalischen Programmen und Führungen erweckt Hartl die alten Geschichten zu neuem Leben und fesselt damit sein Publikum.

Manfred Hartl mit seiner barocken Drehleier in seinem Garten in Weisching. Foto: Thomas Lettner
  1 / 4   Manfred Hartl mit seiner barocken Drehleier in seinem Garten in Weisching. Foto: Thomas Lettner

„In einem schönen Gart“l, da steht ein Haus von Hartl“, dieser alte Werbeslogan schießt mir durch den Kopf, als ich mich auf die Holzbank in Manfred Hartls idyllischem Garten in der Ortschaft Weisching setze und mir ein Glas kühles Bier einschenke. Bunte Blumen sprießen aus dem Boden, Fliegen und Wespen schwirren durch die Luft. Hartl selbst, vollbärtig, etwas beleibt und mit schwarzem T-Shirt und kurzen Hosen bekleidet, erinnert an den heiligen Nikolaus auf Sommerfrische.

Sprach- und Musikbegabung liegen in der Familie

Die Wurzeln seiner großen Leidenschaft für alte Geschichten und Musik liegen in Hartls Familie. Sehr wichtig war beispielweise Vater Franz. „Er war ein genialer Erzähler und hat es auf Kosten einer guten Pointe mit der Wahrheit nicht so genau genommen“, erzählt Hartl. Mit seiner Schwester spielte und sang er als kleiner Bub sehr gerne Schlager. Durch einen Onkel und seinen Schwager entdeckte er die Liebe zum Theater und zur Oper. Hartl begann selbst zu singen, lernte auf alten Instrumenten wie seiner barocken Drehleier zu spielen und fing an, seine Geschichten musikalisch zu erzählen.

Führungen mit Volksschulkindern

Führungen macht Hartl derzeit nur auf Wunsch. Einmal im Jahr steht eine Wanderung gemeinsam mit Bürgermeister Johann Hell (SPÖ) am Programm. Heuer ging es beispielsweise von Böheimkirchen durch den Haspelwald nach Murstetten, wo er den Teilnehmern die Kirche und das Mausoleum zeigte und ihnen von den Grafen von Altan erzählte. Seine ersten Führungen machte Hartl allerdings mit Kindern. Da Gattin Gertrude Volksschullehrerin ist, führt Hartl die Schüler der vierten Klasse jedes Jahr durch die Pfarrkirche und als krönenden Abschluss auf den Glockenturm der Kirche in Böheimkirchen.

Geschichten machen die Führungen lebendiger

Ausflüge werden auch auf die Rosenburg oder nach Wien unternommen, wo er den Kindern den Stephansdom, das alte Wien und die Nationalbibliothek zeigt. Die Führungen sind alles andere als ein langweiliges Herunterbeten geschichtlicher Fakten. „Ich erzähle den Kindern zum Beispiel, wie der Türmer mit dem Tod Kegel scheibt oder dass der Nordturm deshalb nicht fertig geworden ist, weil den Baumeister der Teufel geholt hat. Das macht die Führungen viel lebendiger. Sogar die lauten unter den Schülern werden lammfromm und hängen an meinen Ohren“, sagt Hartl.

Auftritte mit drei Ensembles

Noch mehr als mit Führungen beschäftigt sich Hartl, der zehn Jahre lang im Diözesankonservatorium St. Pölten Gesangsunterricht genommen hat, Solist im Domchor war und nun im Kirchenchor Böheimkirchen singt, mit der Musik. Als Sänger ist er in drei verschiedenen Ensembles tätig. Eines davon, das Ensemble „Tandaradey“ widmet sich der mittelalterlichen Musik. Ein anderes - die „Tandler“- spielt alte Wirtshausmusik und hatte zuletzt beim Barockfest in St. Pölten einen fulminanten Auftritt. Hartls drittes Ensemble lässt alte Wiener Lieder aus dem 19. Jahrhundert hochleben, die mit Wiener Tänzen aufgepeppt werden.

Ausbildung zum Austria Guide

Dass Hartl einen Riesenspaß an dem hat, was er tut, ist nicht zu übersehen. Daher ist es nur schwer zu glauben, dass eine Frohnatur wie er auch in ein emotionales Loch fallen kann. „Nach meinem Geburtstag voriges Jahr habe ich mir gedacht, jetzt bist schon über 60 und bald gehst in Pension. Für mich ist es aber kein Lebensinhalt, jeden Tag meinen Rasen im Garten zu mähen oder Bücher zu lesen“, sagt Hartl, der noch bis Ende des Jahres seinen Handelsbetrieb weiterführen möchte. Weil ein Freund ausgebildeter Fremdenführer ist, entschloss sich Hartl, im Herbst ebenfalls die dreisemestrige Ausbildung zum Austria Guide zu beginnen. Dort steht unter anderem auch Englisch auf dem Lehrplan. Bei der Fremdsprache beißt Hartl derzeit noch auf Granit, dennoch ist er sich sicher, dass er die Ausbildung schaffen wird. „Ich habe ein Irrsinns-Wissen über Geschichte und Kunstgeschichte und kann auf Grund meiner musikalischen Vorbildung Spezialführungen machen, die sonst keiner anbieten kann. I werd des packen“, zeigt er sich zuversichtlich.


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