Appropriation Art im Kunstkabinett: von Picasso bis zur Venus von Willendorf
BRAUNAU. Der Künstler, Autor und Architekt Rainer Reinisch hat in seinem Kunstkabinett in Braunau eine Vielzahl seiner Werke aus verschiedensten Schaffensperioden ausgestellt.

Kohlezeichnungen, eine Statue der Göttin Artemis aus der Verpackung von Schokoladen-Weihnachtsmännern oder Kunst aus zertretenen Dosen von der Insel Skiathos, hinterlegt mit idyllischen Urlaubspostkarten. Im Kunstkabinett von Reinisch gibt es so einiges zu entdecken. Das ist nicht verwunderlich, denn der 88-Jährige kann auf eine lange und vielfältige Schaffenszeit zurückblicken.
Der gebürtige Kärntner studierte Architektur in Wien und besuchte Kurse an der Kunstakademie. Nach mehreren Auslandsaufenthalten, unter anderem in Jerusalem, Ankara oder Myanmar, eröffnete er zuerst ein Architekturbüro in Wien und war später 20 Jahre lang Baudirektor in Braunau. Im Laufe der Zeit schrieb er Kolumnen, publizierte Karikaturen, Gedichte, Essays oder Kritiken in diversen Zeitschriften, verfasste mehrere Bücher und erstellte Collagen, Fotografien und Filme. Seit circa zwei Jahren befinden sich seine Werke im Kunstkabinett in Braunau.
Die Kunst der Aneignung
Derzeit befasst sich Reinisch vor allem mit dem Thema „Appropriation Art“ und fertigt beispielsweise Kunstwerke aus Weggeworfenem und Verbrauchtem. „Kunst machen ist ganz einfach. Man nimmt zum Beispiel eine Verpackung, adaptiert sie, stellt sie in einen Rahmen und die Kunst ist fertig“, sagt der Künstler, zerknüllt zur Vorführung ein Frauenportrait aus einer Zeitschrift und macht daraus ein Beispiel für „Appropriation Art“.
„Bei dieser Kunstform geht es um die Aneignung und Abänderung von bereits Vorhandenem oder der Kunst eines anderen“, erklärt der 88-Jährige. „Das kann durch verschiedenste Handlungen erfolgen, etwa durch Zerknüllen, Zerreißen, Faltung, Verschiebung, Addition, Substraktion und vieles mehr. Teilweise schaut das dann schöner oder interessanter aus als das Original.“
Zahlreiche Werke
Im Kunstkabinett gibt es dazu ganze Ordner mit verschiedensten Werken, wobei eine Vielzahl von Bildern, etwa von bekannten Persönlichkeiten, aus Werbungen oder auch Aktdarstellungen, präsentiert wird. An der Wand hängt ein großes Bild von Picassos Werk „Guernica“ in zerknüllter Form. In neuen Werken werden beispielsweise aus der Zeitung ausgeschnittene Figuren ganz zufällig durcheinandergeschüttelt. „Eines der jüngsten Werke behandelt zum Beispiel die Venus von Willendorf“, berichtet Reinisch.
Wer Interesse daran hat, einen Blick in das Kunstkabinett zu werfen, kann das nach einer telefonischen Anmeldung unter 0664/5659061 machen. Die Werke stehen auch zum Verkauf zur Verfügung.


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