Traditionsstück „Uttendorfer Faust“ ist wieder auf der Bühne zu sehen
HELPFAU-UTTENDORF. Mit einer behutsamen Neuinszenierung des „Uttendorfer Faust“ setzt Helpfau-Uttendorf heuer eine fast 90-jährige Theatertradition fort. Am 1. August feiert das Traditionsstück in einer neu inszenierten Fassung unter der Regie von Erich Enthammer Premiere. Das traditionsreiche Festspiel zählt zu den bekanntesten kulturellen Veranstaltungen der Gemeinde und wird heuer erstmals seit 2012 wieder aufgeführt. Insgesamt stehen sieben Vorstellungen bis 15. August auf dem Spielplan.

Die Anfänge des „Uttendorfer Faust“ reichen bis ins Jahr 1937 zurück, als das von Heinz Parisek geschaffene Festspiel erstmals auf dem Kirchenplatz aufgeführt wurde. Vor der Kulisse der Pfarrkirche entwickelte sich das Stück rasch zu einem Publikumsmagneten und machte den Uttendorfer Dilettantenverein über die Gemeindegrenzen hinaus bekannt.
Der Zweite Weltkrieg setzte den Theateraufführungen zunächst ein Ende. 1947 kehrte das Theaterstück wieder auf die Bühne zurück und bot den Menschen inden schwierigen Nachkriegsjahren kulturelle Unterhaltung und Abwechslung. Auch 1950 wurde das Stück anlässlich des 70-jährigen Bestehens des Dilettantenvereins erneut als Freilichtspiel aufgeführt.
Vom Kirchenplatz in den Festsaal
Mitte der 1950er-Jahre musste der Spielbetrieb vorübergehend eingestellt werden. Gründe dafür waren unter anderem der Verkauf des Gasthauses Lohberger, dessen Saal und Bühne bislang genutzt worden waren, sowie der Ausbau des Pfarrerbergs. Dadurch war eine Aufführung auf dem Kirchenplatz aus verkehrstechnischen Gründen nicht mehr möglich.
Mit dem Neubau des Festsaales bei der Volksschule begann 1967 ein neues Kapitel. Unter der bewährten Leitung von Heinz Parisek wurde der „Uttendorfer Faust“ erstmals als Bühnenstück im Festsaal aufgeführt. Weitere Inszenierungen folgten 1970, 1975, 1981, 1987, 2003 und zuletzt 2012.
Behutsam modernisiert
Mit der Neuinszenierung 2026 setzt Regisseur Erich Enthammer diese Tradition fort. Das Stück wurde behutsam überarbeitet und an die heutige Zeit angepasst, ohne seinen ursprünglichen Charakter zu verlieren. Die Inszenierung verbindet bewährte Elemente mit zeitgemäßen Akzenten und soll sowohl langjährige Besucher als auch ein neues Publikum ansprechen.
Erstmals übernimmt heuer Robert Forthuber die Rolle des Dr. Faust, während Matthias Forthuber erstmals als Mephisto auf der Bühne steht. Für ihn war die Zusage zur Rolle eine besondere Ehre. „Es freut mich sehr, dass für diese Rolle an mich gedacht wurde“, erzählt Matthias Forthuber. Gleichzeitig sei ihm bewusst gewesen, dass eine solche Aufgabe nur mit der Unterstützung der Familie möglich sei. Denn die intensiven Proben und Aufführungen bedeuteten einen erheblichen Zeitaufwand. Besonders freut ihn, dass auch seine Töchter Anna und Antonia heuer erstmals mitspielen. Antonia ist dabei die jüngste Darstellerin der Produktion.
Zeitlose Themen
Warum der „Uttendorfer Faust“ auch heute noch aktueller dennje ist, erklärt Forthuber mit den Inhalten des Stücks: „Eitelkeit, Neid, Verschwörung, Lüge, Betrug, aber auch das Streben nach immer mehr sind heute genauso präsent wie damals.“
Als größte Herausforderung bezeichnet der neue Mephisto jedoch nicht den Text, sondern humorvollerweise, sich Bart und Haare länger wachsen zu lassen als gewohnt. Gleichzeitig habe Regisseur Erich Enthammer, der die Rolle des Mephisto bei den vergangenen Aufführungen selbst verkörperte, große Fußstapfen hinterlassen. „Die Besucher haben vielleicht eine bestimmte Erwartungshaltung an meine Darstellung. Darauf freue ich mich schon sehr.“ Deshalb lege Forthuber den Besuch der diesjährigen Aufführungen ans Herz: Die Neuinszenierung sei ein gutes Mittelmaß zwischen dem Altbewährten und dem Neuen, dem Zeitgemäßen. Zudem würden heuer so viele Kinder wie noch nie auf der Bühne stehen.
Was er sich vom Publikum wünscht? „Dass die Besucher sehen und spüren, mit welcher Leidenschaft jeder Einzelne – auf und hinter der Bühne – dabei ist.“ Sein größter Wunsch sei, dass die Gäste nach der Vorstellung sagen: „Wenn die Uttendorfer Dilettanten spielen, kommen wir wieder.“


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