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Streetwork Braunau: „Die Herausforderungen sind für uns die selben wie vor 23 Jahren"

Sabrina Reiter, 24.02.2016 05:46

BRAUNAU. Seit 23 Jahren begleitet Streetwork Braunau Jugendliche in unterschiedlichen Problemlagen. Norbert Danecker und Miriam Lanzer sind grundsätzlich im ganzen Bezirk zuständig. Ein neuer Schwerpunkt soll jetzt neben Braunau und Altheim auf Mattighofen gelegt werden.

Tips: Wie hat sich die Arbeit von Streetwork Braunau in den letzten 23 Jahren verändert?

Norbert Danecker: Im Grunde genommen hat sich die Arbeit von Streetwork nicht wirklich verändert. Es gab und gibt immer Jugendliche, für die es aufgrund verschiedener Faktoren nicht einfach ist, mit den Herausforderungen der Gesellschaft klar zu kommen (Wirtschaftliche Situation, Soziales Umfeld, Familie, Bildung ...). Für diese Jugendlichen sind wir da, um sie zu begleiten und wenn gewünscht, Hilfestellungen anzubieten.

Was sich geändert hat sind die Jugendkulturen und somit auch die Zielgruppen von Streetwork und verschiedene Rahmenbedingungen wie der Gebrauch von Handy, Computer und Internet, das alles hat es im Jahr 1993, als Streetwork in Braunau installiert wurde, nicht gegeben. Die Herausforderungen sind für uns Streetworker dieselben, wie vor 23 Jahren: Wie gelingt es uns, Zugang zu den Jugendlichen zu bekommen, gegenseitiges Vertrauen und tragfähige, längerfristige Beziehungen mit ihnen aufzubauen.

Tips: Es werden Jugendliche betreut, die das bestehende Hilfesystem nicht in Anspruch nehmen oder durch andere Angebote nicht erreicht werden – warum ist das so? Um welche Gruppe Jugendlicher handelt es sich da genau?

Mirjam Lanzer: Streetwork ist niederschwellige Soziale Arbeit, das heißt, die Jugendlichen müssen bei uns keine Vorleistungen erbringen. Wir Streetworker suchen aktiv die Lebenswelten der Jugendlichen auf. Wir sind auf der Straße, sowie auf Spielplätzen und in Lokalen anzutreffen. Sie müssen also weder nüchtern sein, noch sich einen Termin ausmachen um mit uns in Kontakt zu treten. Unsere Arbeitszeiten gestalten wir flexibel, um auch kurzfristig zum Beispiel für Begleitungen zu polizeilichen Einvernahmen Zeit zu haben. Wir arbeiten dabei nach dem akzeptierenden Ansatz. Wir konfrontieren die Jugendlichen zwar mit ihrem Verhalten und ihren Taten, bringen ihnen jedoch immer Wertschätzung entgegen.

Tips:Im Mittelpunkt steht der Aufbau von gegenseitigem Vertrauen. Wie lässt sich das erreichen?

Lanzer: Es gibt kein Patentrezept wie sich dies erreichen lässt. Manchen Jugendlichen ist man auf Anhieb sympathisch, andere brauchen länger, um Vertrauen zu fassen. Gemeinsame Aktivitäten festigen die Beziehung. So sind wir unter anderem im Sommer mit einer Gruppe Jugendlicher baden gefahren. Manchmal muss man auch spontan reagieren und zum Beispiel schnell einen Fußball holen um mit ihnen gemeinsam Fußball zu spielen. In unserem Büro kochen wir auch gerne gemeinsam. Wenn dann alle um den Tisch sitzen und essen, hat das schon etwas sehr Familienähnliches.

Ansonsten versuche ich authentisch zu sein und ihnen ehrliches Interesse entgegen zu bringen. Ihnen zuzuhören und nachzufragen, wenn ich mich wo nicht auskenne. So habe ich schon mehr über Mopeds oder Facebook-trends (“Likerblatt“) gelernt. Die Jugendlichen schätzen auch, dass wir vertraulich mit ihren Themen umgehen.

Tips:Wie wirkt sich die aktuelle Flüchtlingskrise auf Ihre Arbeit aus?

Lanzer: Unser Büro ist ein Begegnungsraum für unterschiedliche Jugendliche aus verschiedensten Herkunftsländern. Darunter haben wir auch KlientInnen mit einem positiven Asylbescheid. Aktiv zugegangen und in unser Büro eingeladen haben wir unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Es steht ihnen genau wie allen anderen Jugendlichen frei, zu unseren Öffnungszeiten sowie zu unserem Fußballangebot zu kommen. Gerade Fußball bietet ihnen eine Möglichkeit, mit anderen Jugendlichen in Kontakt zu treten, auch wenn sie in der deutschen Sprache noch nicht so sicher sind. Gerade diese Begegnungen helfen, Vorurteile abzubauen und mehr über andere Kulturen zu erfahren.

Tips:Streetwork soll ja auch in Mattighofen besser etabliert werden. Gibt es hier schon konkrete Pläne?

Danecker: Grundsätzlich sind wir für den gesamten Bezirk Braunau zuständig. Da unser Team aber nur aus zwei Mitarbeitern besteht, ist es nicht möglich, flächendeckend präsent zu sein. Der Fokus unserer Arbeit lag in den letzten Jahren in der Stadt Braunau mit Umgebungsgemeinden und phasenweise in der Stadt Altheim.

Momentan sind wir dabei, einen Schwerpunkt der Streetwork-Tätigkeit nach Mattighofen zu verlegen. Derzeit bieten wir dort ein Fußballtraining für Jugendliche an und sind Ansprechpartner für Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 12 bis 25 Jahren. Vereinzelt gibt es bereits intensivere Kontakte zu Jugendlichen. Um unsere Bekanntheit in Mattighofen zu steigern, haben wir uns und unsere Arbeit in den Klassen der Polytechnischen Schule in Mattighofen vorgestellt.


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