„An der HTL war immer sehr viel möglich, das hat mir gefallen“
BRAUNAU/WIPPENHAM. Zu einem wahren „Multifunktionswerkzeug“ entwickelte sich Anton Planitzer während seiner Zeit an der HTL Braunau. Immer offen für Neues engagierte sich der Religionslehrer als Bildungsberater und Bibliothekar, unterstützte die Schulpartnerschaften und übernahm die Öffentlichkeitsarbeit. Für seine Schüler hatte er stets ein offenes Ohr. Doch im kommenden Schuljahr wird der Lehrer aus Wippenham (Bezirk Ried) fehlen, denn er verabschiedet sich in die wohlverdiente Pension.

Tips: Sie haben in der HTL viele Aufgaben übernommen. Wie kam es dazu?
Anton Planitzer: Seit 1984 war ich als Religionslehrer an der HTL Braunau tätig. Mein Einstieg in die außertourlichen Tätigkeiten war dann die Funktion des Schulbibliothekars. Als ein Kollege in Pension gegangen ist, bin ich auch noch Bildungsberater geworden. Und im März 1989 habe ich zum ersten Mal den Tag der offenen Türe organisiert. Dann habe ich angefangen, die Pressearbeit zu machen, außerdem wurde 1995 die Schülerzeitung „Up to date“ gegründet, bei der ich ebenfalls immer mitarbeitete. Auch das mit der Schulpartnerschaft in Nicaragua hat damals angefangen.
An der HTL war schon unter dem Gründungsdirektor Gerald Fink sehr viel möglich. Die Schule ist offen für Neues und es war immer möglich, Dinge auszuprobieren. Das hat mir gefallen.
Tips: Und wie bringt man das alles unter einen Hut?
Planitzer: Ich habe mich in der HTL immer sehr wohlgefühlt, es war „meine Schule“. Darauf war ich sehr fokussiert und habe viel Zeit hineingesteckt – oft zum Leidwesen meiner Frau. Aber sie akzeptierte es, weil sie gesehen hat, dass mir das sehr wichtig ist. Natürlich wäre es auch ohne die Hilfe von Kollegen und Schülern nicht gegangen, die mir in vielen Bereichen unter die Arme griffen.
Tips: Die Öffentlichkeitsarbeit war ein besonderes Steckenpferd von Ihnen. Warum ist das für eine Schule so wichtig?
Planitzer: In diesen Bereich bin ich irgendwie hineingewachsen. Ich fand es immer ärgerlich, dass aus dem Bildungsbereich nur berichtet wird, wenn irgendetwas schiefläuft. Berichterstattung im Bildungsbereich ist oft wie Kriegsberichterstattung, Positives kommt kaum an die Oberfläche. Dabei haben wir allen Grund, optimistisch und zuversichtlich zu sein. Es gibt sehr viel, das man erzählen kann, seien es Projekte oder Erfolge bei Wettbewerben.
Die HTL Braunau wurde in den Jahren zur Marke. Dennoch ist Öffentlichkeitsarbeit auch weiterhin wichtig, um genügend Schüler für die Ausbildung zu interessieren und damit den technischen Nachwuchs für die Wirtschaft zu schaffen.
Tips: Manch ein Religionslehrer an einer Höheren Schule hat es nicht leicht. Immer mehr Schüler melden sich vom Unterricht ab. Wie war das bei Ihnen?
Planitzer: Bei mir gab es kaum Abmeldungen. In meiner Lehrzeit sind sogar zwischen 150 und 200 Schüler in Religion zur Matura angetreten. Der Vorteil eines Religionslehrers ist, dass man den Schülern auf einer freundschaftlichen, persönlichen Ebene begegnen kann und das habe ich gemacht.
Mein Unterricht war außerdem eine Mischung aus Ethikunterricht und Glaubensthemen, aber nicht auf einer Leistungsebene. Vermutlich habe ich den Schülern zu wenig Wissen beigebracht, aber ich habe sicher einige auf der persönlichen Ebene erreicht. Jeder, der Probleme hatte, konnte zu mir kommen, das galt auch für Themen außerhalb der Bildungsberatung.
Tips: Fällt es Ihnen schwer, nun Abschied zu nehmen?
Planitzer: Ich verlasse die HTL mit einem guten Gefühl, weil ich weiß, es ist eine Reihe von jungen, engagierten Lehrern da. Aber ich weiß auch, dass sie mir im Herbst abgehen wird.
Tips: Haben Sie einen Rat, den Sie Ihren Nachfolgern mitgeben möchten?
Planitzer: Wichtig ist einfach nur, dass sie es auf ihre eigene Art machen und den Schülern zugewandt bleiben. Natürlich werden sie manche Sachen anders machen als ich, aber das ist auch klar und wichtig. Bei der HTL geht es um technische Ausbildung, aber auch die Persönlichkeitsbildung ist wichtig.
Tips: Wie geht es denn bei Ihnen persönlich weiter?
Planitzer: Mein Engagement im Rahmen der Schulpartnerschaft möchte ich gerne beibehalten. Außerdem will ich meine Arbeit bei der Pfarre und der Gemeinde in meiner Heimat Wippenham ein wenig intensivieren. Zudem freue ich mich, dass ich mehr Zeit zum Lesen habe. Auf mich warten 250 Bücher, die noch gelesen werden wollen.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden