Hitler-Geburtshaus: Siegerentwurf präsentiert, aber viel Kritik an Plänen

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Alexander Kobler Alexander Kobler, Tips Redaktion, 04.06.2020 16:56 Uhr

BRAUNAU/WIEN. Innenminister Karl Nehammer hat in Wien das Siegerprojekt für die geplante Umgestaltung des Hitler-Geburtshauses in Braunau präsentiert, in das in der Folge das Bezirkspolizeikommando sowie die Polizeiinspektion Braunau einziehen soll. Den Zuschlag hat dabei das Vorarlberger Architekturbüro Marte.Marte erhalten. Gerade die Art der Umsetzung und die mögliche Entfernung des Mahnsteins vor dem Gebäude hat bereits zu Kritik von mehreren Seiten geführt.

In Wien hat Innenminister Karl Nehammer vergangene Woche zusammen mit Sektionsleiter Hermann Feiner und dem Vorsitzenden der Jury des Architekturwettbewerbs, Architekt Robert Wimmer, das Siegerprojekt für den geplanten Umbau des Hitler-Geburtshauses in Braunau präsentiert. In dem Gebäude in der Salzburger Vorstadt soll in der Folge das Bezirkspolizeikommando sowie die Polizeiinspektion Braunau einziehen. Der Sieg ging an das Vorarlberger Architektenbüro Marte.Marte. Das Brüderpaar Bernhard und Stefan Marte konnte sich mit seinem Entwurf gegen insgesamt elf Kontrahenten durchsetzen. Die Umbaumaßnahmen sollen bis Anfang 2023 abgeschlossen sein. „Mehr als 140 Jahre nach der Geburt von Adolf Hitler wird sein Geburtshaus in Braunau zu einer Antithese zu all dem, wofür er stand: ein Ort, an dem Demokratie und Menschenrechte verteidigt werden, ein Ort, der Sicherheit vor Verfolgung bietet und einen Blick nach vorne in Frieden und Freiheit ermöglicht“, sagte Innenminister Nehammer. Die Kosten für den Umbau des Gebäudes liegen bei rund fünf Millionen Euro.

Neutralisierung des Ortes

Mit der Umgestaltung wolle man eine „Neutralisierung des gesamten Ortes“ erreichen, betonte Sektionschef Feiner. Die interdisziplinäre Kommission, die sich mit dem Projekt auseinandersetzte, habe eine zeitgenössische Kommentierung untersagt. Der bekannte Mahnstein vor dem Gebäude solle künftig entfernt und im Haus der Geschichte in Wien untergebracht werden. Das Siegerprojekt sei in seiner Erscheinung sehr reduziert, erklärte der Juryvorsitzende Robert Wimmer, womit es letzten Endes auch überzeugte. Die innere Struktur des Gebäudes mit zwei Häusern werde beibehalten, unter Einhaltung der Vorgaben des Denkmalschutzes. Die Architektur des Gebäudes verhindere außerdem, dass es zu Versammlungen von Neonazis kommen könne.

Kritik an Umbauplänen

Gerade gegen die geplante Entfernung des Mahnsteins und den Versuch, den Ort durch den Umbau vollständig zu neutralisieren, regt sich aber auch von mehreren Seiten Widerstand. „Die geplante Entsorgung des Gedenksteines vor dem Hitler-Geburtshaus ist eine Verhöhnung aller Opfer des Faschismus“, zeigt sich Harald Grünn, Landesvorsitzender des KZ-Verbandes/Verband der Antifaschisten, fassungslos. Auch das Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ) und das OÖ. Netzwerk gegen Rassismus und Rechtsextremismus kritisieren die beabsichtigte Entfernung scharf. „Die geplante Neugestaltung des Hitler-Geburtshauses orientiert sich an der Devise Verdrängung statt Auseinandersetzung“, meint der MKÖ-Vorsitzende Willi Mernyi. David Stögmüller, Nationalratsabgeordneter der Grünen aus Braunau sowie Sabine Schatz, erinnerungspolitische Sprecherin der SPÖ, schließen sich der Kritik an und wollen sich für den Erhalt des Gedenksteins einsetzen.

Waidbacher begrüßt Vorhaben

Braunaus Bürgermeister Johannes Waidbacher zufolge sei der weitere Umgang mit dem Mahnstein noch politisch abzustimmen. In einer Presseerklärung begrüßt das Braunauer Stadtoberhaupt aber die bauliche Neutralisierung des Objekts. Dies folge auch der Empfehlung der interdisziplinären Kommision, dass sich das Objekt nach der architektonischen Umgestaltung künftig in das historische Ensemble der Salzburger Vorstadt eingliedern soll, erklärt Waidbacher weiter.

 

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Kommentare

  1. Andreas Maislinger
    Andreas Maislinger21.07.2020 16:47 Uhr

    Titanic - Titanic DAS ENDGÜLTIGE SATIREMAGAZIN Januar 2020 Ein genialer Schachzug, Polizei Österreich! Um zu verhindern, dass Hitlers Geburtshaus zum Wallfahrtsort von Neonazis wird bzw. ein solches bleibt, zieht nun die Polizeiinspektion Braunau in das Gebäude ein. Und wir sind uns sicher, das das rechte Gruppen fernhalten wird. Denn wer pilgert schließlich schon dorthin, wo er täglich arbeitet? Schach und Heil Titanic https://www.titanic-magazin.de

  2. Andreas Maislinger
    Andreas Maislinger05.06.2020 09:12 Uhr

    Haus der Verantwortung in Braunau am Inn - Darf ich an das Projekt Haus der Verantwortung vom Februar 2000 erinnern? Vor mehr als zwanzig Jahren haben sich der damalige Bürgermeister, die Vorsitzenden aller Gemeinderatsfraktionen und der Obmann des Vereins für Zeitgeschichte Hofrat Florian Kotanko einstimmig dafür ausgesprochen und in der Folge haben über tausend BraunauerInnen die Initiative "Braunau setzt ein Zeichen" unterschrieben.

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