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BRAUNAU. Susanne Urferer kennt Braunau so gut wie ihre eigene Westentasche. Zwar ist die gebürtige Linzerin erst nach ihrer Heirat nach Braunau gezogen, nach viel Eigenrecherche und Gesprächen mit Braunauern ist die staatlich geprüfte Fremdenführerin inzwischen aber Expertin, was die Geschichte und Besonderheiten der ältesten Stadtgemeinde im Innviertel betrifft. Bei einem Stadtrundgang verriet sie Tips ein paar ihrer persönlichen Lieblingsplätze.

Susanne Urferer will auch Jüngere mit Geschichte begeistern. (Foto: Melanie van Eikeren)
  1 / 3   Susanne Urferer will auch Jüngere mit Geschichte begeistern. (Foto: Melanie van Eikeren)

„Wenn wir mit offenen Augen durchs Leben gehen, entdecken wir die Schönheit, die uns umgibt. Und alles, was uns umgibt, erzählt uns seine Geschichte“, ist Urferer überzeugt. Schon immer wollte sie Fremdenführerin werden und so entschied sie sich für die Ausbildung zur staatlich geprüften Fremdenführerin und erlangte eine Gewerbeberechtigung. Was sie an ihrer Arbeit besonders interessiert: die Art und Weise, wie Menschen früher gelebt haben. „Diese Faszination möchte ich bei meinen Führungen weitergeben.“

Angeeignet hat sie sich das Wissen durch zahlreiche Bücher und Gespräche mit Einheimischen. „Alteingesessene Braunauer können sich an viel erinnern. Sie wissen beispielsweise, wer wo wohnte und sind spannende Zeitzeugen.“

Das Besondere an Braunau ist für sie, dass hier noch sehr viel alte Bausubstanz erhalten ist. „Es gibt wenig Bausünden und es wurde darauf geachtet, dass viel erhalten bleibt“, freut sich die Stadtführerin. Beim Bau der Gebäude leisteten sich die Braunauer der Vergangenheit auch einiges. „Der Kirchturm wurde mit Ziegel gebaut und mit Tuffstein verkleidet – das war damals ein Luxus.“

Eine Tür aus Pestzeiten

In der Nähe der Kirche befindet sich einer ihrer Lieblingsplätze bei den ehemaligen Stallungen in der Poststallgasse, in denen Post- und Brauereipferde untergebracht waren. Wenn man genauer hinsieht, lässt sich hier einiges aus den vergangenen Jahrhunderten erahnen. „Ich habe das Gefühl, die Häuser haben ein Leben.“

Der Balken im Giebelbereich der Häuser beispielsweise wurde genutzt, um Lasten hochzuziehen. Innen sind auch noch alte Gewölbe enthalten. Spannend ist eine Haustüre, deren Türchen in der Türe noch von der Pestzeit zeugt. „Hier wurde die Versorgung der abgeriegelten Häuser sichergestellt“, berichtet die Expertin. Auch alte Zunftzeichen sind noch zu entdecken.

Ein legendärer Bart

Besonders alte Artefakte hat auch das Museum Herzogsburg zu bieten. Hier kann sogar der zwei Meter lange Bart des legendären Hans Staininger besichtigt werden, der im 16. Jahrhundert Stadthauptmann von Braunau war.

Eindrucksvoll sind auch die Glockengießerei und die Rauchküche. Seit 100 Jahren ist die Gießerei bereits ein Museum, davor wurden dort 500 Jahre lang Glocken erzeugt. Ein interessantes Detail: Die derzeitigen Braunauer Kirchturmglocken klingen noch genau so wie im 18. Jahrhundert. Der letzte Glockenmacher der Familie Gugg hatte sie danach gegossen.

Ein Tipp der Stadtführerin ist auch der Malerwinkel, der hinter drei besonders reichen Bürgerhäusern angesiedelt ist. Er gewährt einen Blick auf versteckte Gärten und einen Arkaden-Innenhof sowie auf alle Türme in Braunau.

Diese Prunkhäuser und der große Stadtplatz zeugen noch von Braunaus Blütezeit im 15. Jahrhundert. Die meisten der schönen historischen Gebäude wurden zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert erbaut, erklärt Urferer. In einem der Häuser wohnte sogar Napoleon.

Für ihre Führungen hat sie sich in der Vergangenheit bereits einiges einfallen lassen, wobei sie immer versucht, die geschichtlichen Infos mit Unterhaltendem zu verbinden. So wurde in der Rauchküche schon Fleisch gebraten und es wurden „gebackene Mäuse“ auf offenem Feuer zubereitet. Es gab auch bereits musikalische Stadtführungen.

Besonders gerne macht sie Führungen mit Kindern. „Sie kommen immer wieder auf neue Fragen, die selbst mich überraschen“, schmunzelt sie. Daher gibt sie auch spezielle Kinderführungen, die auf die Bedürfnisse der Kleinen zugeschnitten sind.

Vielfältige Themen

Auf Anfrage gibt es viele weitere Themenführungen, wobei jede Führung an die jeweilige Gruppe individuell angepasst wird. So kann man etwa Braunau mit allen Sinnen erleben, dem Schönen begegnen, mehr über die wilde Hilde und die nackte Wahrheit über die Badestube erfahren oder Kurioses bei einer Stadtführung mit Eselkutsche entdecken. Gespenstisch spannend ist der Rundgang mit der Nachtwächterin bei Laternenschein. Verstärkung bekommt Urferer von ihrer Austria Guide-Kollegin Annegret Ritzinger.

Am Tag des Denkmals, am 25. September, werden spezielle Kirchturmführungen angeboten, die einen außergewöhnlichen Blick von oben ermöglichen. Spezialthemen werden zudem beim Welttag der Fremdenführer, am 21. Februar, präsentiert. Nächstes Jahr gibt es möglicherweise mehr über die Innviertler Künstlergilde zu erfahren, die ihren 100. Geburtstag feiert.

Weitere Infos:
innkreis-tours.at

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