Braunauer Bauhof-Leiter: „Unser Wunsch für 2024 wäre etwas mehr Verständnis“
BRAUNAU. Egal ob bei sengender Hitze, Schnee oder heftigen Regenfällen: Die Mitarbeiter des Bauhofes Braunau sind das ganze Jahr voll im Einsatz. Nicht immer wird ihre Arbeit gesehen und wertgeschätzt. Mitunter brauchen sie eine dicke Haut, wie Bauhof-Leiter Manfred Gerner berichtet.

135 Kilometer Straßen und Wege, 4.250 Klein- und 445 Großbehälter für Abfall sowie mehr als 3.900 Biotonnen, die regelmäßig entleert werden müssen, betreuen die 37 Mitarbeiter des Bauhofes. Es gilt, Verkehrszeichen zu reparieren, Gras zu mähen, die Sicherheit auf Spielplätzen zu gewährleisten und vieles mehr.
Auch für Veranstaltungen ist der Bauhof zuständig. So werden Blumen von der hauseigenen Gärtnerei des Wirtschaftshofs angeliefert und Absperrungen aufgebaut. Da in Braunau im Jahr bei durchschnittlich 85 Veranstaltungen die Unterstützung des Bauhofs benötigt wird, gibt es viel zu tun. „Wir geben das ganze Jahr Vollgas“, so Gerner.
Herausforderung Winterdienst
Eine spezielle Herausforderung ist der Winterdienst. 114 Kilometer Straßen und acht Kilometer Gehwege müssen von Schnee und Eis befreit werden. Jeden Winter werden 4.500 Schneestangen gesetzt.
Bei einem heftigen Wintereinbruch sind die Mitarbeiter rund um die Uhr im Einsatz – auch am Wochenende und an Feiertagen. Bei den Schneepflugfahrern kann der Arbeitstag schon in der Nacht beginnen. Pro Winterdienstsaison werden bis zu 3.700 Einsatzstunden geleistet. Bei den starken Schneefällen im Dezember 2023 wurden an einem Wochenende rund 600 Überstunden gemacht.
Massive Beschimpfungen
Trotz dieses Einsatzes wird den Mitarbeitern nicht immer Wertschätzung entgegengebracht. Im Jänner 2023 wurde in Schalchen einem Schneepflugfahrer sogar ins Gesicht geschlagen. Solche Situationen sind die absolute Ausnahme. Dass Bauhof-Mitarbeiter beschimpft werden, kommt aber nicht selten vor.
Teils sind die Beschimpfungen massiv. „Ich bin jetzt fast 40 Jahre dabei. Und die Umgangsformen haben sich um 180 Grad gedreht“, berichtet der Bauhof-Leiter. „Die Schimpfwörter, die gegen uns gerichtet werden, sind teilweise unterste Schublade.“
Die Erwartungen von allen Seiten können die Mitarbeiter nicht immer erfüllen. Um die wichtigsten Straßen freizubekommen, wird nach einer strikten Prioritätenliste gearbeitet. Für die Räumung des gesamten Straßen- und Wegenetzes in Braunau benötigt ein Schneepflug circa acht Stunden. Dass beispielsweise Sackgassen weniger oft und Zufahrten nicht geräumt werden, können manche nicht verstehen.
Viele Anrufe
Nach den starken Schneefällen musste das Team im Büro an einem Tag über 150 Telefonate mit teils sehr rüden Umgangsformen über sich ergehen lassen. „Unser Wunsch an 2024 wäre hier etwas mehr Rücksicht und Verständnis. Es sind alle unsere Mitarbeiter bemüht, zu einer lebenswerten und sauberen Stadt beizutragen. Wir tun alles, was möglich ist.“
Es gibt auch immer wieder Menschen, die sich für die geleistete Arbeit bedanken. „Es ist schön zu sehen, wenn Mitarbeiter reinkommen und sich über die Wertschätzung durch andere freuen.“ Vom Bürgermeister und dem Amtsleiter bekomme der Bauhof vollste Unterstützung. Auch die Wertschätzung unter den Mitarbeitern sei gut. „Der Zusammenhalt des Teams wird großgeschrieben.“
Personalmangel
Dennoch hat der Bauhof mit Personalmangel zu kämpfen. Während es früher für Stellen 15 Bewerber gab, bewirbt sich heute teilweise nur noch einer. Nicht immer sind die Bewerber für den Beruf auch geeignet. Denn die Mitarbeiter müssen viel leisten, die Arbeit ist oft körperlich sehr anstrengend. „Der Müll muss immer geholt werden. Da gibt es kein schlechtes Wetter.“
Die Aufgaben werden außerdem immer mehr, die Stadt wächst: „Man sieht das daran, dass die Mülltonnen und Wasserleitungen mehr werden.“ Langsam sei aber eine Verbesserung bei der Mitarbeitersuche spürbar. Das liege zum einen daran, dass sich Leute wieder langfristig sichere Arbeitsplätze wünschen und es Verbesserungen bei der Entlohnung gab.
Vielfältige Arbeit
Ein Pluspunkt bei der Arbeit zudem: Sie ist überaus vielfältig. So sind unter anderem sowohl Mechaniker, Tischler Schlosser, Maler als auch Zimmerleute beim Bauhof gefragt. Derzeit wird auch ein Straßenerhaltungsfachmann ausgebildet.
Bei der Arbeit gilt es, flexibel zu sein. „Untertags kann sich einige Male der Plan ändern, durch das Wetter oder wenn dringend zu erledigende Aufgaben reinkommen“, erklärt der Bauhof-Leiter. Das kann eine umgefahrene Stopptafel, ein Schlagloch oder eine abgebrochene Schneestange sein. Alle diese Umstände bergen ein Sicherheitsrisiko und müssen sofort behoben werden. Glücklicherweise ist die Bevölkerung aufmerksam und meldet Auffälliges. „Wir sind um jede Meldung froh.“
Geringer Vandalismus
Auch darüber, dass in Braunau ein geringer Vandalismus herrscht, sind die Bauhof-Mitarbeiter glücklich. „Aktuell gibt es nur manchmal Sprayereien.“ Dass sich Betrunkene an Schneestangen abreagieren oder illegal Müll entsorgt wird, komme ebenfalls vor.
Trotz der Herausforderungen schätzt Gerner seine Arbeit. Zwar fällt es den Bauhof-Mitarbeitern nicht immer leicht, in der Freizeit abzuschalten, denn nach einem privaten Spaziergang durch Braunau kommt es häufig vor, dass eine Fülle an künftigen Aufgaben notiert werden muss. Für ihn aber besonders schön: „Dass ich mit einem hervorragenden Team arbeiten darf und unsere Arbeit sichtbar ist.“


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