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KIRCHBERG. Was früher aus dem Dorfleben nicht wegzudenken war, ist heutzutage selten geworden – der Krämer. Gemischtwarenhändler Reinhold Schmid sprach mit Tips über die Bedeutung des Nahversorgers ums Eck und welche Maßnahmen er setzt, um mit der übermächtigen Konkurrenz noch mithalten zu können.

Von Lebensmittel des täglichen Bedarfs, über Druckerpatronen bis hin zu Schulsachen ist beim Kråma z'Kirchberg alles erhältlich was das Herz begehrt. Was jedoch immer mehr fehlt, sind die Kunden. „Viele Bewohner arbeiten außerhalb und kaufen auch gleich dort ein“, erklärt Inhaber Reinhold Schmid seine Misere. Zudem liegt Kirchberg abgelegen, fernab der Hauptstraßen. Seit 1951 gibt es den Gemischtwarenladen bereits, den Schmid Ende der 1980er Jahre von seiner Mutter übernahm. War der Krämer früher nicht nur Nahversorger, sondern auch Treffpunkt im Dorf, gehen die Leute heute lieber in die großen Supermärkte oder bestellen gleich online. Das Persönliche bleibt dabei auf der Strecke. „Bei uns bedient der Chef noch selbst“, betont Schmid stolz. Er möchte seinen Kunden den besten Service und Preis bieten: „Wir sind nicht teurer als die große Konkurrenz, sondern teilweise sogar billiger.“ Wo es geht, kauft er direkt beim Produzenten in der Nähe ein, was Transportkosten spart. Außerdem gehört er keiner Handelskette an, wodurch er bei der Preisgestaltung flexibler sein kann, erklärt er.

Geschäft mit Mehrwert

Auch eine seiner neuesten Errungenschaften unterscheidet ihn von der Konkurrenz: die Milch in der Glasflasche. „Weil sie bepfandet werden muss, haben sie viele Handelsketten gar nicht im Sortiment. Aber sie schmeckt einfach besser“, erklärt Schmid und ist froh, dass wieder immer mehr Kunden Qualität zu schätzen wissen.

Schon um halb sieben Uhr früh öffnet der Kråma z'Kirchberg, der gleichzeitig Post.Partner und Lotto-Annahmestelle ist. Seit einem Jahr gibt es auch eine Imbissecke. Diese Maßnahme war ebenso wie die Errichtung eines „Regionalregals“ und die Aufnahme von Fairtrade-Produkten Teil eines Studienprojekts der Fachhochschule für angewandtes Management im bayerischen Erding, Auch in diesem Jahr unterstützen zwei Studenten den Krämer mit einem Marketingkonzept dabei, den Leuten die Bedeutung eines Nahversorgers wieder ins Bewusstsein zu rufen.

Von Politik im Stich gelassen

Gerne würde Schmid auch bauliche Maßnahmen setzen, doch das ist finanziell nicht drin. Hier fühlt sich der Kleinunternehmer von der Politik im Stich gelassen, denn eine Förderung gäbe es erst ab einem Investitionsbetrag von 15.000 Euro. Schmid hofft für die Zukunft, dass viele Kunden auch kleinen Geschäften eine Chance geben, damit die Krämer im Dorf überleben können.


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