Nach „Ratten-Gedicht“ - Braunaus FPÖ-Vizebürgermeister tritt zurück

Sabrina Reiter Sabrina Reiter, Tips Redaktion, 23.04.2019 10:20 Uhr

BRAUNAU. Ein von Vize-Bürgermeister Christian Schilcher (FPÖ) veröffentlichtes Gedicht sorgte zu Ostern für Aufregung. Der darin enthaltene Vergleich von Mensch und Ratte in Hinblick auf Migration sei historisch belastet und erinnere an NS-Propaganda, betonten die Kritiker. Schilcher gab heute bekannt, all seine Ämter zurückzulegen.

„Es tut mir aufrichtig leid, wenn ich mit meinem Gedicht Menschen verletzt oder beleidigt habe. Das war nicht meine Absicht. Ich wollte schlicht aus Sicht eines Tieres, das eine Stadt von unten beobachtet, Veränderungen beschreiben, die ich und andere durchaus zu Recht kritisieren. Ich selbst setzte mich und meine Familie dabei auch in die Perspektive dieser Tiere – in diesem Fall eben Ratten“, entschuldigt sich Braunaus Vize-Bürgermeister Christian Schilcher (FPÖ). Sein verfasstes Gedicht mit dem Titel „... die Stadtratte“ zum Thema Integration ging zu Ostern an alle Haushalte in der Stadt Braunau und sorgte dabei für Diskussionen - selbst internationale Medien haben das Thema bereits aufgegriffen.

Misslungener Versuch, ernstes Thema aufzubereiten

Auch in den eigenen Reihen finden sich Kritiker. FPÖ-Landesparteisekretär Erwin Schreiner empfindet die Aussendung als misslungener Versuch, ein ernstes Thema aufzuarbeiten: „Die Allegorie von Ratte und Mensch ist historisch belastet, daher geschmacklos und abzulehnen. Dass der Autor auch sich selbst in diesen Rattenvergleich miteinbezieht, macht die Sache dabei nur unwesentlich besser.“ Seitens der Landespartei habe man ein ernstes und klärendes Gespräch mit Schilcher geführt.

Rücktritte gefordert

„Die FPÖ Braunau stellt sich hier auf ein Niveau der Menschenverachtung und der Schändlichkeit, die ihresgleichen sucht“ zeigt sich SP-Chefin Birgit Gerstorfer schockiert. Sie fordert den Rücktritt vobn allen Involvierten und Verantwortlichen, von Landeshauotmann-Stellvertreter Manfred Haimbuchner bis zum Braunauer Stadtparteivorsitzenden Hubert Esterbauer.

Wollte provozieren, aber nicht beleidigen

Schilcher ist dieser Forderdung bereits nachgekommen und legte heute alle seine politischen Ämter zurück. Er zeigt sich einsichtig: „Dass der Vergleich von Mensch und Ratte historisch belastet und mehr als unglücklich ist, ist ein Faktum und es tut mir aufrichtig leid, das missachtet zu haben. Ich wollte mit meinem Text provozieren aber keinesfalls beleidigen oder gar jemanden verletzen. Ich möchte für mein Gedicht zwar nicht die Freiheit der Kunst beugen, bitte aber um Verständnis für meine unscharfe, tatsächlich zu wenig präzis durchdachten Formulierungen. Ich wollte nur sagen: Wer zu uns kommt und sich an unsere Gesetze hält, kann ein Teil von uns werden, wer unsere Gesetze und Gebräuche miss- oder gar verachtet, kann das nicht. Nicht mehr und nicht weniger sollte mein Gedicht zum Ausdruck bringen.“

UPDATE: Stellungnahmen der Gemeinderatsfraktionen

Die Gemeinderatsfraktionen ÖVP, SPÖ und GRÜNE dazu folgende Stellungnahme ab:

„Der Artikel ist vollkommen inakzeptabel. Gerade im Hinblick auf das historische Erbe braucht es besondere Sensibilität und Wachsamkeit bei diesem Thema. Der Inhalt, die gewählte Diktion und die angeführten Vergleiche sind aufs Schärfste zurückzuweisen und entsprechen in keiner Weise den von der Stadt Braunau am Inn vertretenen Werten. Derartige Aussagen haben in einer weltoffenen Stadt wie Braunau am Inn keinen Platz und sind keinesfalls zu tolerieren. Unsere Werte und Ansichten, insbesondere im Bereich Zusammenleben, sind im Zukunftsprofil der Stadtgemeinde Braunau am Inn, Seite 6, klar dargelegt. https://www.braunau.at/Zukunftsprofil

Da nach der Oö. Gemeindeordnung der Gemeinderat keine Sanktionen setzen kann, erwarten wir uns von der FPÖ-Fraktion umgehend entsprechende Schritte, um weiteren Schaden für die Stadt hintanzuhalten beziehungsweise von der Stadt abzuwenden.“

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Kommentare

  1. Peter Lüdin
    Peter Lüdin23.04.2019 16:44 Uhr

    Gedicht - Was für eine künstliche Aufregung. In dem Gedicht geht es um einen Blick von unten auf die Welt der österreichischen Stadtmenschen. Dieser Blick kommt von einer einheimischen Stadtratte. Man kann das Gedicht gut finden, man kann es schlecht finden. Man kann generell den Blick auf die Menschheit aus der Tierperspektive ablehnen. Das alles kann man machen. Ein Skandal ist das Gedicht dennoch nicht.

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