Wirtesprecher: „Das nächste Jahr wird herausfordernd“
BEZIRK BRAUNAU. Aktuell läuft das Geschäft bei den Wirten des Bezirks Braunau. Das nächste Jahr könnte allerdings wegen der hohen Energiepreise herausfordernd werden, sagt Braunaus Bezirkswirtesprecher Herbert Karer.

„Der Sommer verlief für die Gastronomie sehr gut – das Geschäft läuft. Und auch die Buchungslage für den Herbst und die Weihnachtszeit ist sehr gut“, verrät Karer. „Für Hochzeiten und Veranstaltungen gibt es nächstes Jahr auch bereits einige Buchungen.“ Die Sorge, dass Corona einen Strich durch die Rechnung machen könnte, besteht aber nach wie vor. „Wir hoffen, dass es keine Maskenpflicht geben wird.“
Während die Aussichten für heuer noch sehr positiv sind, könnte es nächstes Jahr deutlich schwieriger werden. „Hier werden die Energiepreise voraussichtlich erst richtig durchschlagen. Wir wissen jetzt noch nicht, wie viel wir zahlen müssen, es wird aber wohl drei- bis viermal so teuer“, sagt Karer. Dabei stelle sich auch die Frage, ob sich die Gäste einen Wirtshausbesuch noch leisten können. „Am Stammtisch werden die Themen immer wieder diskutiert und besprochen, helfen kann sich leider niemand“, berichtet Josef Burgstaller vom Gasthaus Englwirt in Altheim.
Hohe Lebensmittelkosten
Da die Kosten für Lebensmittel und Getränke stark steigen, werden hier auch die Wirte nachziehen müssen, was sich jetzt schon zeigt, meint Karer. „Wir versuchen, so viel es geht gleich zu lassen. Bei manchen Bereichen wird das leider nicht möglich sein. Denn wir müssen die Kosten tragen, egal ob ein Gast in der Stube sitzt oder 100 Gäste“, sagt auch Burgstaller.
Während der regionale Einkauf bei den Landwirten und anderen lokalen Anbietern bis jetzt halbwegs preisstabil war, gingen die Konzerne mit ihren Preisen teils extrem in die Höhe, berichtet der Wirtesprecher. „Frittierfett ist beispielsweise um fast 100 Prozent teurer geworden.“
Viele Wirte setzten jetzt vermehrt auf Energiesparmaßnahmen. „Viele schauen, dass sie zum Beispiel auf andere Heizquellen umsteigen. Wir nutzen jetzt etwa vermehrt den Kachel- und Schwedenofen. Außerdem wird auch die Stromnutzung in der Küche optimiert. Viele Kollegen investieren auch in erneuerbare Energie“, so Karer. Der Verzicht auf Heizstrahler für draußen dürfte in der Region weniger ein Thema sein, da ohnehin kaum Strahler verwendet werden, meint Karer.
Personalmangel
Ein großes Thema sei nach wie vor der Personalmangel. „In der Gastronomie muss sich hinsichtlich der Mitarbeiter etwas bewegen“, sagt Burgstaller. Zwar hatte er im Sommer nicht mit dem Personalmangel zu kämpfen, andere Kollegen hatten aber weniger Glück. „Jetzt kämpft jeder händeringend um Personal – in der Gastronomie ist das bereits jahrelang der Fall. Wir haben ein sehr gutes Team im Service und in der Küche. Nur mit der Unterstützung unserer Familie können wir den Geschäftsalltag stemmen. Jeder möchte essen gehen, feiern und gemütlich beisammensitzen und es sich gut gehen lassen. Wenn wir kommenden Generationen aber die Gastronomie als schlechte Arbeitswelt präsentieren, wird sich in den nächsten Jahren keiner mehr dafür interessieren, eine Lehre oder Arbeitsstelle bei uns Wirten zu suchen“, befürchtet er.
Kostenzuschuss notwendig
Derzeit müssen laut dem Wirtesprecher nicht viele Betriebe im Bezirk schließen: „Es kann aber sein, dass dem einen oder anderen durch die zukünftigen Herausforderungen die Lust vergeht. Wir erwarten von der Regierung, dass es auch nächstes Jahr einen Energiekostenzuschuss beziehungsweise eine Unterstützung durch Gaspreisdeckelung oder Ähnliches geben wird.“
„Politik sollte sich auch um kleine und Mittelbetriebe annehmen, denn diese sind mindestens genauso wichtig, wie die großen Firmen und Industrien. Leider herrschen am Land noch andere politische Umstände und wir werden als Landgasthof von der Politik nicht immer so ernst genommen oder auch wahrgenommen“, sagt Burgstaller.
Von den Gästen wünscht er sich etwas mehr Verständnis und Geduld – auch gegenüber den Mitarbeitern. „Wir geben unser Bestes, aber wir sind auch nur Menschen. Wir müssen nicht nur von den Politikern gehört werden, sondern auch von der Gesellschaft. Ohne Gäste und Personal helfen uns künftige Zuschüsse nichts mehr.“
Burgstaller betont: „Der Tourismus und die Gastronomie sind in einem Land wie Österreich ein so wichtiger Faktor. Wir haben viele Möglichkeiten, es wird noch so vieles geboten, mit den Lokalen im Innviertel kann man sich auf eine kulinarische Reise begeben und man wird immer wieder überrascht.“ Diese Vielfalt sollte nicht verloren gehen. „Wir müssen auf uns aufmerksam machen und gemeinsam für eine sichere Wirtschaftslage in der Gastronomie kämpfen, sonst gehen in vielen Gaststuben bald die Lichter für immer aus.“


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