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BRAUNAU. Nach mehr als zehn Jahren intensiver Diskussionen, Gutachten und Bauarbeiten wurde das neue Polizeizentrum in Braunau nun eröffnet. Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) und Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) nahmen gemeinsam mit zahlreichen Vertretern aus Politik, Verwaltung und Polizei an der offiziellen Eröffnung teil. In dem Gebäude sind nun die Polizeiinspektion Braunau sowie das Bezirkspolizeikommando untergebracht.

So sieht das neue Polizeizentrum in der Salzburger Vorstadt in Braunau aus. (Foto: Tips/antlinger)
  1 / 4   So sieht das neue Polizeizentrum in der Salzburger Vorstadt in Braunau aus. (Foto: Tips/antlinger)

Mit der Eröffnung findet ein langjähriger Prozess seinen Abschluss. Das Gebäude, das aufgrund seiner historischen Vergangenheit über Jahrzehnte Gegenstand nationaler und internationaler Debatten war, wurde grundlegend umgestaltet. Ziel war es, entsprechend den Empfehlungen einer unabhängigen Expertenkommission eine Nutzung zu schaffen, die keinen Bezug zur nationalsozialistischen Ideologie zulässt und dem Ort eine neue, demokratische Bedeutung verleiht.

„Unsere Polizei steht für das genaue Gegenteil der Symbolik, die diesem Ort anhaftet. Unsere Polizei steht für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, für Freiheit, Sicherheit und Menschenwürde – und vor allem deren kompromisslose Verteidigung gegen alle, die sie bedrohen, gegen jede Form des Extremismus oder Totalitarismus“, betonte Innenminister Gerhard Karner bei der Eröffnung. Landeshauptmann Thomas Stelzer sprach von einem „Ort der Sicherheit und der Rechtsstaatlichkeit“, an dem Verantwortung gegenüber der Geschichte aktiv gelebt werde.

Mehr als zehn Jahre Vorbereitung

Dem Projekt ging ein umfangreicher Entscheidungsprozess voraus. 2016 setzte das Innenministerium eine Expertenkommission unter dem Vorsitz des ehemaligen Sektionschefs Hermann Feiner ein. Historiker, Juristen, Vertreter der Zivilgesellschaft sowie regionale Vertreter prüften verschiedene Möglichkeiten für die künftige Nutzung des Hauses.

Die Kommission sprach sich gegen einen Abriss aus, da dadurch lediglich ein neuer Erinnerungsort hätte entstehen können. Ebenso wurde eine museale Nutzung verworfen, weil diese dem Ziel widersprochen hätte, den Ort nicht weiter in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses zu rücken. Stattdessen empfahlen die Experten eine tiefgreifende architektonische Umgestaltung sowie eine Nutzung im sozial-karitativen oder behördlich-administrativen Bereich.

Nachdem Gespräche über eine soziale Nachnutzung zu keinem Ergebnis geführt hatten, entschied das Innenministerium 2019, das Gebäude künftig als Polizeidienststelle zu verwenden. Bereits zuvor war das Haus nach einem Nationalratsbeschluss in das Eigentum der Republik übergegangen. Das entsprechende Gesetz wurde mit breiter parteiübergreifender Zustimmung beschlossen und hatte zum Ziel, eine missbräuchliche Vereinnahmung des Gebäudes durch Rechtsextreme dauerhaft zu verhindern.

Historisches Erscheinungsbild neu interpretiert

Nach einem europaweiten Architekturwettbewerb begann 2023 der Umbau. Das Siegerprojekt orientiert sich gestalterisch an der historischen Bauweise der Braunauer Altstadt vor den großen Stadtbränden und verändert das Erscheinungsbild des Gebäudes deutlich. Gleichzeitig wurde darauf geachtet, bauliche Elemente an geheimen Orten zu entsorgen, um keinen sogenannten Reliquienkult zu fördern. Lediglich der Mahnstein auf öffentlichem Grund vor dem Gebäude erinnert noch an die Vergangenheit des Hauses. Die Bauarbeiten dauerten rund drei Jahre. Die Kosten belaufen sich nach derzeitigen Schätzungen auf rund 20 Millionen Euro, die endgültige Abrechnung steht noch aus.

Moderne Dienststelle für den Bezirk

Im neuen Polizeizentrum arbeiten künftig rund 40 Beamte der Polizeiinspektion Braunau sowie des Bezirkspolizeikommandos. Die Polizeiinspektion ist für Braunau und St. Peter am Hart mit insgesamt rund 20.000 Einwohnern zuständig, das Bezirkspolizeikommando koordiniert die Arbeit aller neun Polizeiinspektionen im Bezirk. Landespolizeidirektor Andreas Pilsl bezeichnete das Gebäude als „Vorzeigedienststelle“, die zeitgemäße Arbeitsbedingungen biete und gleichzeitig dem historischen Kontext Rechnung trage.

Der Bezirk Braunau zählt mehr als 110.000 Einwohner und liegt in einer wirtschaftlich starken Grenzregion zu Bayern. Die Polizei arbeitet eng mit den deutschen Behörden, insbesondere der Polizeiinspektion Simbach, zusammen. Laut Kriminalstatistik ging die Zahl der angezeigten Straftaten im Jahr 2025 von rund 3.700 auf etwa 3.300 zurück. Mit einer Aufklärungsquote von 65,6 Prozent erreicht der Bezirk den dritthöchsten Wert in Oberösterreich.

Auch künftig wird es rund um den Jahrestag von Hitlers Geburtstag besondere Sicherheitsmaßnahmen geben. Der Bereich rund um den Mahnstein vor dem Gebäude wird videoüberwacht, um allfällige nationalsozialistische Wiederbetätigung rasch unterbinden und strafrechtlich verfolgen zu können.


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