Preisgekrönt: Studie von Ebenseer Chirurgin hilft, unnötige Chemotherapien zu vermeiden
EBENSEE/WIEN. Die aus Ebensee stammende Doz. Dr. med. univ. et scient. med. Regina Promberger-Ott (35) erhielt für die Forschung zur Brustgesundheit den Teva Ratiopharm Förderungspreis. „Tips“ nutzte die Gelegenheit zum Interview mit der Medizinerin, die als Fachärztin für Chirurgie in Wien arbeitet.

Neben einem Publizistikpreis verleiht die Österreichische Gesellschaft für Senologie (ÖGS) zwei mit insgesamt 4.500 Euro dotierte Preise an Forscher unter 40 Jahren für hervorragende klinische oder theoretische Arbeiten auf dem Gebiet der Senologie (Lehre von der weiblichen Brust). Der erste davon ging an Dr. Dr. Regina Promberger-Ott für ihre Studie über postoperative Chemotherapien bei Brustkrebspatientinnen.
Tips: Was ist die Quintessenz aus Ihrer Studie?
Promberger-Ott: Brustkrebs-Patientinnen erhalten häufig eine Chemotherapie vor ihrer Brustoperation. Oft findet sich dann nach der Operation in der Mikroskopuntersuchung des entfernten Brustgewebes immer noch ein restlicher Tumor. Obwohl dieser komplett entfernt wurde, weiß man, dass diese Patientinnen eine schlechtere Prognose haben. Aufgrund der von mir publizierten Arbeit ist es nun klar, dass eine zusätzliche Chemotherapie nach der Operation diese schlechtere Prognose nicht verbessert, den Patientinnen also nicht hilft. Man kann den Betroffenen also diese nebenwirkungsreiche zusätzliche Chemotherapie ersparen. Und das ist in der Beratungstätigkeit natürlich eine Hilfe.
Tips: Haben Sie die Arbeit selbst eingereicht oder sind Sie vorgeschlagen worden?
Promberger-Ott: Ein Kollege hat mir Informationen über die Möglichkeit der Einreichung für den Wissenschaftspreis der Österreichischen Gesellschaft für Senologie weitergeleitet. Diesen Ratschlag habe ich befolgt. Kurz gesagt: Ich habe selbst eingereicht.
Tips: Warum haben Sie gerade dieses Thema ausgewählt? Ist es Ihr Spezialgebiet?
Promberger-Ott: Ja, es ist definitiv eines meiner Spezialgebiete. Als Mitglied des Brustgesundheitszentrums der Medizinischen Universität Wien war Forschung im Bereich der Brustkrebserkrankung natürlich ein wichtiger Bestandteil. Warum ich mich gerade mit dem Wert einer Weiterführung einer Chemotherapie beschäftigt habe, ist schwer zu sagen. Einerseits wurde das Thema immer wieder in interdisziplinären Tumorbesprechung behandelt, andererseits wurde es mir auch als wissenschaftliches Thema von den Arbeitsgruppenleitern vorgeschlagen. Und die Frage, ob man Patientinnen mit der Fortführung einer Chemotherapie – die ja auch viele Nebenwirkungen hat – wirklich etwas Gutes tut, ist natürlich nicht nur wichtig sondern auch richtig interessant.
Tips: Warum haben Sie sich auf Senologie spezialisiert? Gab es einen Anlassfall?
Promberger-Ott: Zum Glück gibt es keinen speziellen Anlassfall in meinem Familien- und Freundeskreis. Während meiner Ausbildung auf der Allgemeinchirurgie an der Medizinischen Universität Wien wurde ich gefragt, ob ich im „Brustteam“ gerne mitarbeiten möchte. Dafür ausgewählt zu werden stellt schon eine besondere Ehre dar. Ich wurde dann von meinen Kollegen sowohl im wissenschaftlichen als auch im klinischen Bereich – also der ambulanten und operativen Patientinnenversorgung - stets sehr unterstützt, dafür bin ich ihnen sehr dankbar. Mitglied in einem solch tollen und auch renommierten Teams zu sein machte mir immer Freude. Nach Abschluss meiner Facharztausbildung in Chirurgie entschied ich mich allerdings auch zusätzlich das „verwandte“ Fach Frauenheilkunde zu absolvieren. Dabei stellt die Brustgesundheit ebenfalls einen hohen Stellenwert dar. Die beiden Fächer sind in vielerlei Hinsicht überlappend und lassen sich gut miteinander kombinieren. Auch in weiterer Zukunft werde ich der Brustgesundheit verbunden bleiben. Auch die Betreuung betroffener Patientinnen ist eine schöne Aufgabe, da man vielen Betroffenen durch eine Operationen, eine Hormontherapie oder eine Chemotherapie gut helfen kann und auch fortgeschrittene Erkrankungen relativ gut therapierbar sind. Da sieht man oft wunderbare Erfolge!
Tips: Was sehen Sie als größte Herausforderungen in der Brustkrebsforschung?
Promberger-Ott: Durch schonende Therapien den maximalen Erfolg zu erzielen. Dazu gehört auch die Frage, welche Patientinnen von welcher Therapie profitieren werden und welchen man einzelne Therapieschritte – vor allem die nebenwirkungsreichen – ersparen kann. Neben der Lebensverlängerung hat die Lebensqualität der Patientinnen den zentralen Stellenwert.
Tips: Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus? Sind Sie mehr in der Forschung tätig oder in der täglichen Spitalsarbeit?
Promberger-Ott: Meine Tätigkeit ist abwechselnd ambulanter und operativer Natur. Die wissenschaftliche Forschung ist eine Freizeitaktivität – das war selbst an der Medizinischen Universität Wien so, an der Wissenschaft ein verpflichtendes Aufgabengebiet darstellt.
Tips: Welche medizinischen Fragen sind für Dich noch von Interesse? Hast Du vor weitere Arbeiten zu publizieren?
Promberger-Ott: Bezugnehmend auf den Bereich, für den ich den Forschungspreis entgegennehmen durfte, konnten wir die Unwirksamkeit der verlängerten Chemotherapie ja nur für ein spezifisches Schema nachweisen. Das auch für die anderen gängigen Chemotherapieschemata zu tun, wäre interessant. Insgesamt ist wissenschaftliche, publikatorische Tätigkeit für mich seit Jahren ein Teil meines Lebens - sicherlich wird mich das auch in weiteren Jahren begleiten. Ich habe bereits vor gut einem Jahr die Habilitation zur Privatdozentin erlangt und habe daher nicht mehr den Druck, innerhalb kurzer Zeit viel zu publizieren, sondern kann mich auf längerfristige Projekte konzentrieren. Neben der Brustgesundheit war ein anderer Schwerpunkt die Schilddrüsenchirurgie mit Komplikationsmanagement und Lebensqualität der Patienten. Da ich aufgrund meiner zusätzlichen Facharztausbildung in Gynäkologie und Geburtshilfe nun auch andere Themengebiete betreue, umfasst meine wissenschaftliche Tätigkeit auch bereits andere Themenbereiche – in meiner letzten Arbeit geht es um die Betreuung von eingewachsenen Mutterkuchenresten nach Geburten.
Tips: Was verbinden Sie noch mit Ihrem Heimatort Ebensee?
Promberger-Ott: An erster Stelle verbindet mich mit Ebensee natürlich meine Familie. Dort fühle ich mich frei, kann die Natur genießen und Dinge tun, die in Wien nicht so leicht möglich sind wie Wandern, Skitouren, Radfahren – zum Beispiel einfach nur auf ein Eis nach Traunkirchen. Da mein Mann und ich beide Ärzte mit Nachtdiensten sind, schaffe ich es leider nur alle ungefähr sechs Wochen zu einem Wochenendbesuch.
Tips: Wenn Sie als Medizinerin drei Wünsche frei hätten, welche wären es?
Promberger-Ott: Das ist eine wirklich schwierige Frage. An erster Stelle steht da eine gute, kontrollierte Facharztausbildung – in der es echte Lehre und Unterstützung gibt und genügend verfügbares Facharzt-Personal, das dann auch wirklich Zeit hat, den jüngeren KollegInnen das medizinische „Handwerk“ beizubringen. Auch längerfristige Anstellungsverhältnisse, gerade für die JungkollegInnen, anstelle von befristeten Karenzstellen wären schön. Und drittens: Durch das neue Arbeitszeitgesetz arbeitet man jetzt als Arzt schon kürzer, aber die Vereinbarkeit von den vielen Nachtdiensten und den neu aufkommenden Schichtdiensten mit dem Familienleben ist immer noch sehr schwer. Da würde ich mir noch familienfreundlichere Arbeitsbedingungen wünschen.
Tips: Wie sieht die Planung für die Zukunft aus?
Promberger-Ott: Die Ausbildung im Fach Frauenheilkunde abzuschließen und die beiden Fachrichtungen in der operativen und ambulanten Betreuung der Patientinnen zu vereinen. Eine leitende Position in weiterer Folge kann ich mir sehr gut vorstellen. Der berufliche Alltag muss auch weiterhin gut mit dem Familienleben vereinbar sein. Ohne die großartige Unterstützung meiner Familie wäre das alles nicht möglich.
Tips: Was werden Sie mit dem Preisgeld machen?
Promberger-Ott: Die Verleihung des Preises in dem stimmungsvollen und feierlichen Rahmen war an sich das wirkliche Weihnachtsgeschenk für mich – vor allem weil mich die offenkundige Wertschätzung meiner Arbeit sehr gefreut hat. Und weil ich ehrlich gesagt auch gar nicht damit gerechnet habe! Wenn man wissenschaftlich tätig ist, macht man das meist für sich selbst und es gibt insgesamt nur sehr wenig Interesse oder Anerkennung von außen, selbst wenn man zur Dozentin habilitiert. Dass ich mich auch über das Geld gefreut habe, steht außer Frage. Genaue Pläne für die Verwendung habe ich derzeit eigentlich noch keine – es wird einmal gespart.
Ich möchte mich bei der Gelegenheit vor allem ganz herzlich bei all denen bedanken, die mich auf dem wissenschaftlichen Weg begleitet haben, denn man ist in der Forschung nie eine Einzelperson, sondern kann Erfolge nur im Team erzielen. Ich durfte in mehreren wissenschaftlichen Teams tätig sein und habe dort immense Unterstützung erfahren. Mein größter Dank gilt hier – um nur einige zu nennen - Prof. Dr. Michael Hermann, Prof. Dr. Peter Dubsky, Prof. Dr. Rupert Bartsch, Prof. Dr. Christian Neumayer, nicht zuletzt meinem Mann Prof. Dr. Johannes Ott.
Ganz besonders möchte ich mich bei meinem Ehemann bedanken – wir haben uns immer schon seit dem Studium gegenseitig unterstützt und angespornt und beide rasch habilitiert. Mit ihm geht alles viel zügiger und leichter. Außerdem ist das gegenseitige Verständnis da, dass wir sehr viel Freizeit in die wissenschaftliche Tätigkeit investieren. Meine Eltern und Geschwister haben mich auch immer so sehr unterstützt. Insbesondere seit der Geburt meiner Tochter ist es immens wichtig geworden, dass meine Eltern und meine Schwiegermutter stets bereitwillig verfügbar sind, um in den Nachtdiensten für unsere Lisa da zu sein.
Vielen Dank für diese großartige Hilfe!
Karriere:
Nach der Volksschule in Ebensee und der Matura am BG Bad Ischl -Matura (1999) studierte Promberger-Ott Humanmedizin an der Universität Wien, wo sie 2005 die Ausbildung zur Fachärztin für Allgemeinchirurgie abschloss. Danach promovierte sie 2014 zum Dr. med. science. Kurze Zeit später erfolgte die Habilitation im Fach Allgemeinchirurgie. Derzeit macht sie die Facharztausbildung für Gynäkologie. Ihr wissenschaftliches Werk enthält dementsprechend neben Arbeiten mit chirurgischem Schwerpunkt zunehmend Themen aus der Gynäkologie.


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