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„invita“ hilft psychisch Beeinträchtigten in den Alltag zurückzukehren

Hans Promberger, 05.04.2017 10:18

EBENSEE. Nachdem durch die Internatschließung Räumlichkeiten frei wurden, entstand im Schulzentrum „Josee“ eine Wohngruppe von Caritas-“invita“ für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen. Diese werden dort unterstützt, ihr Leben zu meistern.

V. l. „invita“-Bereichsleiterin Inge Sigl und „Josee“-Direktorin Birgit Ippisch mit den Sozialbetreuern Hannes Lahnsteiner und Simon Spalt

Im Bezirk Gmunden ist die Zahl psychisch beeinträchtigter Personen zwar nicht höher als im Landesdurchschnitt, allerdings gab es für diese bisher wenig Angebot. Das hat sich geändert. Im Ebenseer „invita“-Wohnhaus unterstützt ein interdisziplinäres Team zehn Bewohner bei ihrem Versuch, in den Alltag zurückzukehren.

Miteinander von „invita“, Schule und Kindergarten

Bedenken, dass sich das „invita“-Projekt negativ auf den Schulbetrieb oder den Kindergarten-Alltag auswirken könnte, gehören mittlerweile der Vergangenheit an. „Das hat sich super eingespielt. Und alle Beteiligten sehen, dass es nicht mehr Konflikte gibt als woanders“, sagt „Josee“-Direktorin Birgit Ippisch. So nimmt eine Bewohnerin, die als Kind gerne in die Schule gegangen ist, sogar manchmal am Unterricht im „Josee“ teil. Das ist möglich, weil eine „invita“-Betreuerin auch Lehrkraft für Behindertenarbeit ist.

„Unter psychischen Beeinträchtigungen versteht man zum Beispiel Depressionen, Persönlichkeitsentwicklungs- und unterschiedliche Anpassungsstörungen, die den Alltag schwierig machen“, erklärt Inge Sigl, zuständige „invita“-Bereichsleiterin der Caritas. Die Gründe für die Erkrankungen sind ebenso unterschiedlich und individuell wie die Ausdrucksformen und reichen von genetischer Veranlagung über familiäre Probleme bis zu traumatischen Erlebnissen – zum Beispiel wenn man als Kind den Tod naher Verwandter miterleben musste oder man in der Schule oder am Arbeitsplatz massiv gemobbt wurde. Die „invita“-Bewohner haben aufgrund ihrer Beeinträchtigung eine hohe Emotionalität, was für Außenstehende manchmal neu erscheinen mag.

Vollbetreuung für zehn Bewohner

„Invita“ bietet in Ebensee eine 24- Stunden-Vollbetreuung. Es sind immer Ansprechpersonen für die Bewohner aber auch für die Bevölkerung vor Ort. Eine Besonderheit ist, dass hier auch eine Mutter mit ihrem Kind betreut wird. Mit den Bewohnern wird gemeinsam gekocht, die Freizeit geplant und es werden Probleme besprochen. Jeder Bewohner hat zudem seine ganz spezielle Vertrauensperson. Das erfordert von den Betreuerinnen und Betreuern viel Einfühlungsvermögen und hohe Achtsamkeit. „Wichtig ist, dass es auch die Möglichkeit gibt, sich aus dem Weg zu gehen und Zeit für sich zu haben“, sagt Sigl.

Notfallzimmer“

Es steht auch ein „Notfallzimmer“ zur Verfügung. Menschen, die in „guten Zeiten“ mit einer mobilen Betreuung zuhause leben, können eine schwierige Phase durchmachen. Dann haben sie die Möglichkeit, hier für einige Tage oder Wochen eine Vollbetreuung zu beanspruchen. Sigl meint, dass die Gesellschaft prinzipiell offener geworden ist: „Heute werden Diagnosen psychischer Erkrankung mehr akzeptiert. Man redet auch öffentlich über „Burn out“ und Depressionen.“ Der Bedarf an Betreuungsplätzen ist hoch und man spürt, dass im Sozialbereich eingespart wird. „Dies soll nicht die Qualität mindern. Für diese Arbeit ist ein multi-professionelles Team unbedingt nötig.“

„Josee“-Infoabend zu Ausbildungen

Das „Josee“ (Langbathstraße 44) lädt am Donnerstag, 6. April, um 18 Uhr zu einem Infoabend über seine Ausbildungen in Alten-, Familien- und Behindertenarbeit sowie Behindertenbegleitung.


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