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ST. MARIENKIRCHEN/POLSENZ. „Ich würde mich als wetterbegeistert beschreiben, ich glaube das triffts ganz gut“, überlegt Robert Fraungruber. Während für die einen das Gerede über Wetter mit Smalltalk gleichzusetzen ist, geht für den 35-jährigen Samareiner dabei die Sonne auf – obwohl ihm die gar nicht das liebste ist.

Robert Fraungruber bei seiner neuen Wetterstation in Scharten Foto: privat
  1 / 8   Robert Fraungruber bei seiner neuen Wetterstation in Scharten Foto: privat

„Meine Leidenschaft fürs Wetter war von Anfang an da, seit ich mich zurückerinnern kann“, erzählt der IT-Techniker. Während sich andere Kinder bei Gewitter gerne unter der Bettdecke verkriechen, saß er etwa beim Sturm 1990 begeistert am Fenster, um den Bäumen beim Entwurzeln zuzusehen.

Und die Vorlieben haben sich heute nicht geändert. „Natürlich ist ein stabiles Wetter mit Sonnenschein schön, aber für mich sind meteorologisch gesehen ein Gewitter, ein Sturm und auch Schnee spannender. Wetter ist für mich etwas Positives, egal welche Facette es von sich zeigt“, so der Hobby-Meteorologe.

Dichtes Netz an Wetterstationen

2006 hat er auf dem Elternhaus in Samarein die erste professionelle Wetterstation montiert, 2013 waren es vier, heute sind stolze 59 Wetterstationen unter seiner Flagge. „Ich kann auf ein sehr dichtes Netz zurückgreifen, von Bayern bis in die Südsteiermark. Mir geht kaum ein Regen durch die Lappen“, schmunzelt Fraungruber. Die Daten teilt er auf seiner Homepage www.wetter-hausruckviertel.at mit der Öffentlichkeit. Einmal pro Minute aktualisiert sich der Wert der Wetterstation, ist etwa ein Gewitter im Anmarsch, informiert er in einem Live-Ticker über die Lage: „Die Menschen schätzen meinen Wetterinfokanal, weil ich sie mit sehr lokalen Prognosen versorgen kann. Schließlich kann das Wetter auf wenigen Kilometern doch sehr unterschiedlich sein.“ Allein zwischen Samarein und Scharten lagen die Temperaturen vor Ostern in den Morgenstunden bei rund 5 Grad Unterschied, „das ist viel, gerade jetzt für die Obstbauern. Aber Obstbaugebiete liegen nicht von ungefähr immer erhöht. Oben ist es meist wärmer als im Tal.“

Wer vom Samareiner aber wissen möchte, ob er am Wochenende in zwei Wochen zum Grillen einladen kann, den muss er enttäuschen. „Alles was über zehn Tagen in der Zukunft liegt, kann man würfeln. Bei den Daten handelt es sich immer um Mittelwerte.“ Grob geschätzt würde er für Anfang Mai dem Regen aber gute Chancen geben. Zuvor sollte sich aber noch der erste Sommertag, meteorologisch der erste Tag mit 25 Grad ausgehen.

Klimawandel verschafft stabilere Wetterlagen

Was er aber unterschreiben kann ist, dass es wärmer wird. In den letzten 150 Jahren sei es um etwa zwei bis zweieinhalb Grad wärmer geworden. „Der Klimawandel verschafft uns stabilere Wetterlagen. Hat ein Wetter früher durchschnittlich drei Tage angehalten, sind es etwa seit 2000 an die sieben Tage. Dadurch hat die Sonne natürlich länger Zeit, um ihre Kraft zu entfalten, es wird spürbar wärmer und trockener. Das Ganze funktioniert aber auch umgekehrt, was im schlimmsten Fall dann zu Hochwassern führt“, erklärt der Samareiner. Dass es tendenziell wärmer wird, müsse aber nicht für jedes Jahr gelten und verweist darauf, dass Klima nicht mit dem Wetter gleichzusetzen ist: „Das Klima ist das Wetter über 30 Jahre im Durchschnitt. Ja, es wird wärmer, aber alles andere sind Simulationen, die mit der Realität noch nichts zu tun haben.“

Vegetation leidet

Was bereits Realität ist, dass die Natur damit zu kämpfen hat. „Viele finden es schön, wenn der Fichtenwald blüht, für die Bäume selbst geht es dabei ums Überleben. Wenn es zu trocken wird, ist es der verzweifelte Versuch der Bäume, noch für Nachfahren zu sorgen“, gibt der 35-Jährige zubedenken: „Auch wenn uns allen natürlich das schöne Wetter lieber ist, dürfen wir nicht vergessen, was für unsere Lage und unsere Vegetation normal ist. Wir sind nicht umsonst so stolz auf unser grünes Österreich. Aber dazu müssen wir uns auch mit Regen abfinden.“

2. Tolleter Wettertag

Was der Hobby-Meteorologe sonst noch zum Wetter zu sagen hat, erzählt er ja vielleicht beim 2. Tolleter Wettertag mit Wetterhans Gessl. Auf einer Rundstrecke über vier Kilometer werden die Teilnehmer von wetterkundigen Zeitgenossen begleitet, die in Kurzvorträgen Klima- und Wetterthemen präsentieren.<

Wer sich künftig abseits von Mainstream-Wetterberichten über das lokale Wetter informieren möchte, kann das auf Robert Fraungrubers Homepage tun: www.wetter-hausruckviertel.at

2. Tolleter Wettertag

Mittwoch, 1. Mai, 10 bis 13 Uhr

Treffpunkt Schloss Tollet


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