"Was bedeutet Corona für die katholische Kirche, Herr Pfarrer?"
EFERDING. Nach 23 Jahren als katholischer Pfarrer von Eferding verabschiedet sich Erich Weichselbaumer am 1. September in den Ruhestand. Tips hat den scheidenden Priester getroffen, um mit ihm über seine Pläne, seine Nachfolge und die Corona-Situation zu sprechen.

Tips:Herr Pfarrer, wie geht es ihnen aktuell?
Weichselbaumer: Nicht besonders gut, ich habe mich von einer schweren Operation im letzten Jahr noch nicht erholt.
Tips:Deswegen auch der Ruhestand?
Weichselbaumer: Ich bin alt genug für den Ruhestand und möchte mich zurückziehen und mich um meine Gesundheit kümmern. Ab September wird auch mein Posten als Dechant vom Hartkirchner Pfarrer Paulinus Anaedu übernommen.
Tips:Wie nehmen Sie die aktuelle Situation rund um das Corona-Virus wahr?
Weichselbaumer: Es ist eine besondere Situation. Erstmals seit Gründung der Kirche sind die Katholiken davon befreit, jeden Sonntag die Kirche zu besuchen. Das ist eine historisch einmalige Situation.
Tips:Wie reagieren die Gläubigen auf die aktuellen Verordnungen?
Weichselbaumer: 99,9 Prozent der Kirchengänger sind sehr diszipliniert. Ab und zu gibt es Beschwerden beim Empfangsdienst am Kircheneingang. Ich denke mir, dass diese Personen ihre Verzweiflung oft in dieser Form rauslassen müssen. Es ist ja psychisch oft sehr schwierig. Die Leute warten aktuell geduldig darauf, dass sie sich wieder begegnen können, ohne Masken und Sicherheitsmaßnahmen. Für uns ist es traurig, Jesus führt uns zusammen, und wir müssen Abstand halten. Wir sind eine große Familie und dürfen uns in der Kirche nicht die Hände reichen. Ich denke, dass manche der Gläubigen auf Dauer noch einsamer werden, wenn ihnen der Austausch in der Kirche und nach der Messe am Kirchenplatz fehlt. Auch die gemeinsamen Feierlichkeiten wie Hochzeiten oder Taufen müssen verschoben werden.
Tips:Was bedeutet das für die katholische Kirche?
Weichselbaumer: Wir können weniger im Leben der Menschen präsent sein, das wirkt sich nicht nur in den Köpfen aus, sondern auch finanziell. Wenn wir nicht für die Gläubigen da sind, werden sie auch weniger Kirchenbeitrag zahlen. Ich denke, dass die Austrittswilligkeit zunehmen wird.
Tips: Wie hat sich Ihr Alltag in den letzten Monaten verändert?
Weichselbaumer: Liturgisch ist es sehr ruhig geworden, Nun darf ich wieder Messen lesen, davor waren nur die priesterlichen Gebetete abzuhalten. Unsere Aktivitäten haben sich stark reduziert, wir sind damit beschäftigt, geplante Veranstaltungen zu verschieben. Auch das jährliche Pfarrfest am ersten Sonntag im Juli musste abgesagt werden. Für mich bleibt aktuell viel Zeit um Rückschau zu halten und die Jahre in Eferding zu reflektieren.
Tips:Welche Momente aus ihrer Amtszeit werden ihnen besonders in Erinnerung bleiben?
Weichselbaumer: Die jährlichen Pfarrfeste waren immer besonders schön, der Neubau des modernen Pfarrzentrums, der auch in meiner Zeit fertiggestellt werden konnte, wird mir in Erinnerung bleiben. Besonders schön war das 500-jährige Jubiläum der Pfarrkirche im Jahr 2005. Damals stiftete Georg Starhemberg der Weihnachtsbaum für den Petersplatz im Vatikan und eine Abordnung aus Eferding durfte nach Rom fahren. Insgesamt 1000 Oberösterreicher waren vor Ort, die Musikkapelle spielte für den Papst und dieser (Anm. Benedikt XVI) hat sich beim Kapellmeister für die schöne Musik bedankt. Sogar das Wetter war im Dezember frühlingshaft warm, da hat auch Petrus auf uns geschaut.
Tips:Gibt es schon ein Datum ihrer letzten verlesenen Messe?
Weichselbaumer: Am Sonntag, 30. August wird meine letzte offizielle Messe sein. Auf Wunsch und mit Absprache mit meinem Nachfolger Wolfgang Froschauer werde ich auch danach noch Messen lesen. Ich bedauere, dass mein Abschied so mager ausfällt.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden