Schartnerin präsentiert Geschichte eines evangelischen Pfarrers
SCHARTEN. Die Schartnerin Marion Harbauer fand im Pfarrarchiv ein vergilbtes Manuskript in Kurrentschrift, in dem ein Pfarrer über die Anfänge der evangelischen Pfarrgemeinde im 19. Jahrhundert berichtet. Da sie der Meinung war, dass dessen Inhalt auch für andere interessant sein könnte, machte sie ein Buch daraus.

Harbauer arbeitet in der Kanzlei der evangelischen Pfarrgemeinde Scharten. In ihrer Freizeit beschäftigt sie sich gerne mit der Geschichte des Ortes und seit der Pandemie auch mit der Ahnenforschung. „Ich habe das große Glück, dass sich mein Beruf und mein liebstes Hobby optimal ergänzen. Und so kam es, dass mir vor einiger Zeit im Pfarrarchiv ein vergilbtes Manuskript in Kurrentschrift in die Hände fiel. Da es ein ziemliches Gekritzel war, aber doch sehr interessant wirkte, bekam ich von meinem Chef, Pfarrer Alexander Lieberich, die Erlaubnis, das Manuskript mit nach Hause zu nehmen, um es zu lesen und es zu digitalisieren“, erzählt die 36-Jährige. Anfangs benötigte sie beim Lesen die Hilfe ihres Forscherkollegen Christoph Hellwagner, aber schon nach einigen Seiten hatte sie sich an die Handschrift gewöhnt und konnte den Text transkribieren. Als Harbauer erkannte, dass es sich bei dem Manuskript um die Aufzeichnungen des Pfarrers August Otto Paul Rinke handelte, der in der Zeit von 1880 bis 1890 in Scharten tätig war, beschloss sie, diesen Zeitzeugenbericht auch anderen zugänglich und ein Buch daraus zu machen.
Ein evangelischer Pfarrer erzählt
Pfarrer Rinke berichtet über die bewegte Anfangszeit der evangelischen Pfarrgemeinde Scharten darüber, wie sich einige Männer aus Scharten und Wallern auf den Weg zum Kaiser nach Wien machten und somit Scharten zur ersten evangelischen Toleranzgemeinde Oberösterreichs machten. Er schrieb auch über die ersten beiden evangelischen Pfarrer Johann Christian Thielisch und Erich Martin Sääf. „Besonders spannend sind auch die Berichte über Ereignisse, die sich während seiner Amtszeit in Scharten abspielten: Trauriges wie Sterbefälle oder Großbrände wie auch Erheiterndes findet sich in diesem Büchlein. Manche Menschen befürchten ja, dass sich eine Gemeindechronik als trockene Lektüre herausstellt. Denen kann ich versichern, Pfarrer Rinke hatte durchaus Humor und seine Zeilen sind unterhaltsam und spannend“, betont Harbauer.
Den Zeitzeugenbericht selbst lesen
Die Gemeindechronik von Pfarrer Rinke ist ab Mai in der evangelischen Pfarrkanzlei Scharten erhältlich. Das Buch kostet zwölf Euro und der komplette Betrag kommt der Pfarrgemeinde für Renovierungsarbeiten zugute. Vorbestellungen sind unter PG.Scharten@evang.at möglich. Auch bei den Veranstaltungen in der evangelischen Toleranzkirche Scharten, wie beim Oberösterreichischen Kirchentag am Sonntag, 26. Mai oder bei der langen Nacht der Kirchen am Freitag, 7. Juni 2024, können Interessierte das Buch erwerben. „Das Coolste daran ist, dass es ein richtiger Zeitzeugenbericht ist. Man kann also davon ausgehen, dass das alles in meiner Heimatgemeinde wirklich so passiert ist“, erklärt Harbauer.


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