Archäologin aus Eferding bringt griechische Sage auf die Dachsberg-Bühne
EFERDING/PRAMBACKIRCHEN. Viola Geißelbrecht aus Eferding ist Archäologin. Sie hat zunächst in Wien studiert und dann in Leiden (Niederlande) ihren Master gemacht. Die 23-Jährige hat das Libretto für die neueste Dachsberg-Musicaleigenproduktion „Ariadne – Fäden des Schicksals“ geschrieben, zu dem ihr Vater Jürgen Geißelbrecht in bewährter Weise die Musik geschrieben hat.
Tips: Als Archäologin kommen Sie sehr viel herum. Wie häufig zieht es Sie in Ihren Heimatort Eferding zurück?
Viola Geißelbrecht: Ich bin sehr viel unterwegs, einerseits mit meinem Beruf – zum Beispiel habe ich gerade ein halbes Jahr in Luxemburg gearbeitet, andererseits reise ich auch unglaublich gerne. Ich freue mich aber immer wieder, nach Hause nach Eferding zu kommen, auch wenn ich manchmal monatelang weg bin.
Tips: Wie entstand die Idee, ein Musical-Libretto zu schreiben?
Geißelbrecht: Die Idee, ein Musical für Dachsberg zu schreiben, hatte ich im Frühjahr 2022. Ich hatte schon immer eine Begeisterung für's Schreiben und Geschichtenerzählen und habe schon viele Geschichten geschrieben, bisher aber nie irgendetwas veröffentlicht und nur mit Freunden und Familie geteilt. Ich wollte mich herausfordern und weil mir die Dachsberger Musicals in meiner Schulzeit immer unglaublich viel bedeutet haben, habe ich darin den perfekten Rahmen gesehen.
Tips: Warum gerade über die Geschichte von Ariadne?
Geißelbrecht: Bei einem möglichen Thema bin ich schnell in die Richtung der griechischen Mythologie gewandert - sicherlich inspiriert von meinem Studium, aber auch meinem generellen Interesse an alten Mythen zuzuschreiben. Die Geschichte von Ariadne war schon immer eine meiner Lieblinge, und es passte auch gut für Dachsberg: viele Rollen, starke weibliche Hauptfiguren, und ein Schauplatz, der sich wunderbar auf eine Bühne übertragen lässt. Es ist eine relative bekannte Geschichte, eine typische Heldensage - und ich wusste von Anfang an, dass ich Spaß daran haben würde, alles ein wenig auf den Kopf zu stellen!
Tips: Wie ist das Libretto entstanden?
Geißelbrecht: In den ersten Monaten habe ich an der Geschichte gefeilt, habe überlegt, inwiefern ich den Mythos abändere, was die zentralen Themen werden sollten. Im Kern dieser Überlegungen lag immer der Faden der Ariadne - Was ist er? Wofür steht er? Für mich war die Antwort - das Schicksal - und Geschichten, wie ein roter Faden sozusagen. Natürlich ist da viel von meinem eigenen Leben eingeflossen: Ariadnes Geschichte ist eine von einer Geschichtenerzählerin, die ihre Freiheit und sich selbst findet. Und auch wenn ich mich nicht in allen Aspekten von Ariadne sehe, waren für mich zu der Zeit, zu der ich angefangen habe zu schreiben, meine größten Fragen recht ähnlich: Wer kann bestimmen, wer ich sein soll, was ich mit meinem Leben tue? Kann ich meinen eigenen Weg finden, wenn es so viel einfacher ist, einem vorbereiteten Pfad zu folgen? Wie wird dieser Weg von anderen aufgenommen werden, was werden sie denken?
Ariadne findet am Ende eine Antwort - und das Schönste für mich ist, dass auch ich jetzt, vier Jahre nachdem ich diese Antwort geschrieben habe, mich in einem ähnlichen Mindset finde, in dem ich mit weniger Sorgen und Zweifeln auf meine Zukunft blicken kann. Es ist fast, als ich hätte ich meine Zukunft geschrieben.
Außer meiner eigenen Gefühlswelt habe ich mich auch viel von meiner Umwelt inspirieren lassen. Große Teile der Liedtexte sind auf einer langen Interrail-Reise durch Griechenland entstanden, unter anderem in den Ruinen von Delphi oder dem Palast von Knossos auf Kreta. Ich habe auch oft die Quellentexte des Mythos zurate gezogen, insbesondere die Version von Ovid - wer das Original kennt, wird vielleicht ein paar Easter Eggs wiedererkennen.
Tips: Welche der Figuren im Musical ist Ihre Lieblingsrolle?
Geißelbrecht: Obwohl ich alle meine Rollen mag, habe ich trotzdem eine persönliche Lieblingsrolle, die ich sofort spielen würde: Die etwas undurchsichtige, zynische Erzählerfigur, die Gottheit Dionysos, die mit viel Witz das Stück scheinbar von außen mitverfolgt, aber dann doch immer involvierter wird. Ich hatte auch Spaß daran, eine etwas abstraktere Rolle zu schreiben, die ständig die vierte Wand durchbricht und mit dem Publikum interagiert. Mir war auch wichtig, dass diese Rolle nicht an ein bestimmtes Geschlecht gebunden ist - Dionysos kann von einem Mädchen, einem Jungen oder einer nichtbinären Person gespielt werden.
Tips: Wie empfanden Sie die Zusammenarbeit mit Ihrem Vater bei einem so großen Projekt?
Geißelbrecht: In dem Sinne bin ich zum Glück ganz anders als Ariadne - ich verstehe mich sehr gut mit meinem Papa und die kreative Zusammenarbeit hat uns beiden viel Spaß gemacht. Obwohl wir beide klar unsere eigenen Bereiche hatten und dabei recht unabhängig gearbeitet haben - er der Komponist, ich die Autorin - verstehen wir die jeweils andere Disziplin gut genug, dass wir uns bei den Absprachen gegenseitig Ideen geben konnten und alles schön zusammengebracht haben. So habe ich zum Beispiel öfters noch Texte geändert, damit sie besser zum bestehenden Rhythmus passen, und mein Papa hat hie und da Melodien verändert, um den Texten andere Emotionen zu unterlegen.
Tips: Wie sieht Ihre Beziehung zum Gymnasium Dachsberg, wo „Ariadne – Fäden des Schicksals“ demnächst Premiere feiern wird, aus?
Geißelbrecht: Ich blicke immer sehr angetan auf meine Zeit in Dachsberg zurück. Ich konnte mich dort kreativ so sehr entfalten, vor allem dank all der Theater- und Musicalproduktionen, in die die gesamte Schule unglaublich viel gemeinsame Arbeit reinsteckt. Ich fand es immer so schön, wie alle für die Vorbereitungen und Aufführungen zusammengekommen sind, vom Schauspiel, der Musik, bis zum Bühnenbild, der Technik, dem Catering. Jetzt als Ehemalige wieder Teil dieses großen Ganzen sein zu dürfen, bringt viele schöne alten Erinnerungen zurück.
Da ich selber in Dachsberg-Musicals mitgespielt habe, hatte ich von Anfang an viele Ideen, wie ich für Dachsberg schreiben könnte. Ich habe darauf geachtet, dass alle Rollen Spaß machen, dass keine Rolle immer auf der Bühne sein muss und dass es auch Rollen für talentierte Schauspieler gibt, die vielleicht nicht so gerne singen.
Tips: Wie fühlen Sie sich bei dem Gedanken, dass Ihre Schöpfung bald auf der Dachsberg-Bühne zu sehen ist?
Geißelbrecht: Ich freue mich schon sehr und werde zu den Premieren beider Besetzungen kommen. Vom Probenprozess habe ich bisher nur wenig mitbekommen, deshalb bin ich schon sehr gespannt auf das fertige Endprodukt. Es ist auch verrückt, dass diese Geschichte, die ich vor vier Jahren angefangen und in Eferding, Wien, Leiden sowie Griechenland immer wieder in kurzen Phasen der Inspiration geschrieben habe, nun aufgeführt wird und zum ersten Mal von anderen Leuten gesehen wird. Ich kann es kaum erwarten!
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