Haibacher Autor schreibt ein neues Theaterstück zum Bauernkrieg
HAIBACH OB DER DONAU. Der pensionierte Dachsberg-Lehrer Horst Pühringer aus Haibach hat anlässlich des 400-jährigen Gedenkens an den oberösterreichischen Bauernkrieg ein neues Theaterstück mit dem Titel „Wachet auf!“ verfasst.

Die diesjährige communale Oberösterreich steht ganz im Zeichen des Bauernkrieges. Auch die Region rund um Haibach war Schauplatz der Rebellion. Horst Pühringer erklärt: „Wir begehen heuer das 400-Jahre-Gedenken des oberösterreichischen Bauernkriegs. Schon 1976 habe ich als Jugendlicher bei einem Stück in Haibach mitgespielt, nun wollte ich selbst ein Theaterstück verfassen. Diesbezügliche Erfahrungen habe ich ja schon mit Theaterstücken für das Gymnasium Dachsberg gemacht. Die Schreibarbeit ist mir leicht von der Hand gegangen. Die meiste Zeit verbrachte ich eigentlich mit der historischen und theologischen Recherche, es soll ja alles in den geschichtlichen Kontext passen und stimmen. Die Faktenlage ist allerdings sehr bescheiden.“
Bauernhauptmann Christoph Zeller aus Haibach
Christoph Zeller, Oberhauptmann der Bauern im Mühlviertel und Machland, stammt aus Haibach. Er ist der Bruder von Georg Zeller, der nach ihm die Zeller-Taverne im Ortszentrum führte. Pühringer erklärt: „Christoph scheint nach einigen Quellen über etwas militärische Erfahrung zu verfügen. Stefan Fadinger aus St. Agatha tituliert ihn mit Schwager, das heißt also, dass eine Wirtstochter aus Haibach Fadingers Ehefrau war.“
Die Zeller-Taverne in Haibach war Treffpunkt der Evangelischen der beiden Gemeinden. Rund ein halbes Jahrhundert waren die Menschen in Haibach gemäß der Regel von 1555: „Cuius regio, eius religio“ (wessen Gebiet, dessen Religion) mit ihrer Herrschaft Schaunberg/Jörger evangelisch.
Evangelischer Prädikant motiviert zum Aufstand
„Bei meiner Arbeit an der Herausgabe der Pfarrchronik (Tips berichtete) bin ich auf den evangelischen Prädikanten Hans Cummerer gestoßen. Er hat hier in Haibach gewirkt und der habsburgischen Gegenreformation getrotzt.“ Cummerer habe mit seinen Predigten den Bauern den religiösen Hintergrund und die Motivation zum Aufstand geliefert: „Die reformierte Kirche war an der Bildung des Volkes interessiert. Sie unterhielt Sonntagsschulen und vermittelte anhand der deutschen Lutherbibel Lesen und vielleicht auch ein wenig Schreiben. Stefan Fadinger und Christoph Zeller haben wohl hier gemeinsam die Schulbank gedrückt.“ Darin lag ein wesentlicher Konfliktpunkt mit der Katholischen Kirche, denn Roms Macht beruhte auf der Abhängigkeit des Volkes. Nun eskalierte die religiöse Frage gemeinsam mit der Verpfändung Oberösterreichs an Bayern: „Kaiser Ferdinand II brauchte für seinen Krieg in Böhmen Geld, das er sich beim Kurfürsten Maximilian I in Bayern lieh. Dieser erhielt damit das Recht, für den Zeitraum der Pfandleihe Steuern einzutreiben und trieb damit unzählige Familien in die Verzweiflung.“ 1626 schließlich reichte es und es kam zum Aufstand.
Der Abend vor dem Krieg
„Mein Stück widmet sich dem Abend vor dem Ausbruch. Drei Szenen geben Einblick in die Situation der Haibacher. In der ersten schikanieren drei bayerische Soldaten einen Jungbauern im Wald. In der zweiten wollen diese in der Zeller-Taverne Brotzeit halten und geraten in Konflikt mit den Bauern, die dort ihre geheime Versammlung abhalten. Die dritte Szene beginnt mit der Not einer jungen Bauernfamilie, die schließlich die Taverne aufsucht, um Essen zu erbetteln. Dort hält Cummerer eine einpeitschende Rede: Die Not könne nur in einem gewaltsamen Aufstand bezwungen werden, Gott sei auf der Seite der Unterdrückten und Verfolgten. Fadinger wird zum Hauptmann, er schwört die Mannen auf die gemeinsame Sache ein. Da kommt die Meldung, dass in Lembach sechs Bayerische erschlagen wurden. Die Zeit ist reif: 'Es muaß sein!'“
Zur Botschaft im Stück sagt Pühringer: „Ein charismatischer Redner reicht – wir brauchen doch nur auf die heutige Weltbühne blicken – und die Menschen werden aufgehetzt und marschieren in die vorgegebene Richtung. Der Dreißigjährige Krieg – der Bauernkrieg ist Teil davon – hat Leid über die Menschen gebracht und die Länder 100 Jahre zurückgeworfen. Ein Drittel der Bevölkerung fand durch Krieg und Seuchen den Tod. Wir müssen heute genau hinhören, wenn es darum geht, dass demokratische Werte infrage gestellt werden.“
Schauspiel in Haibach
Das Theaterstück „Wachet auf!“ wird am Samstag, 18. Juli, dem Todestag von Christoph Zeller, um 19 Uhr auf dem neuen Haibacher Ortsplatz – dem Standort der ehemaligen Zeller-Taverne – aufgeführt. Dabei wird auch eine Gedenktafel enthüllt. Im Anschluss und schon während des Stückes spielt die Band „Trollfeld“. Hans Cummerer wird vom Landestheater-Schauspieler Julian Sigl gespielt. Die übrigen Rollen werden mit Laiendarstellern aus Haibach und St. Agatha besetzt. Dazu kommt auch ein Posaunenchor.
Von 17. bis 19. Juli findet im Musikheim zudem eine Ausstellung von Radierungen zum Bauernkrieg statt. Diese werden vom Salzburger Künstler Christian Panosch eigens für den Anlass geschaffen.


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